„Weit weniger ansteckend als Corona“

Affenpocken: Neue Epidemie? Experten warnen vor zu großer Aufregung

In Deutschland gibt es die ersten Fälle von Affenpocken. Fachärzte gehen aktuell aber nicht davon aus, dass es nach Corona zu einer neuen Epidemie kommt.

Berlin - Erst Corona, jetzt die Affenpocken. Schlittert die Gesellschaft etwa von der einen gesundheitlichen Krise in die nächste? Seit einigen Tagen beherrscht die neue Krankheit die Schlagzeilen, die Fälle in Europa häufen sich. In Deutschland hatte es zunächst Patienten in München und Berlin gegeben.

Sind die Warnungen und Sorgen, die auch Gesundheitsminister Karl Lauterbach äußert, gerechtfertigt? Droht uns jetzt, nach mehr als zwei Jahren Corona-Pandemie, die nächste Phase mit Impfungen, Isolation, Quarantäne und Tod? Experten schließen dieses Szenario fast gänzlich aus, sie sehen keine neue Epidemie aufziehen.

Affenpocken: Nachgewiesene Infektionen in deutschen Bundesländern (Stand: 24. Mai 2022, 7.30 Uhr)

  • Bayern
  • Berlin
  • Baden-Württemberg
  • Sachsen-Anhalt

Affenpocken: Neue Epidemie? Experten warnen vor zu großer Aufregung

Diese Haltung machte unter anderem Tobias Tenenbaum, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, gegenüber der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ (Dienstag) deutlich. Tenenbaum erklärte: „Die Gefahrensituation ist gering, weil das Virus nur durch engen Körperkontakt, also über Körperflüssigkeiten oder Krusten, weitergegeben wird und nicht durch Tröpfcheninfektion wie Niesen, Husten oder Sprechen.“

Die coronabedingte Wachsamkeit werde dazu führen, Kontaktpersonen von Infizierten rasch zu identifizieren. Es komme „wahrscheinlich keine neue Epidemie auf uns zu“. Der Präsident des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ), Thomas Fischbach, sagte der „NOZ“, das Affenpocken-Virus sei „weit weniger ansteckend als Corona“ und werde fast nur durch „engen Körperkontakt und Körperflüssigkeiten“ übertragen. Kinder, bei denen zumindest nach Daten aus Afrika eine höhere Sterblichkeit vorkommt, gehörten nicht zu denjenigen mit erhöhtem Ansteckungsrisiko.

Reife ovale Affenpockenviren (l.) und kugelförmige unreife Virionen unter dem Elektromikroskop.

Lauterbach spricht auf Pressekonferenz über Affenpocken

Am Dienstagmittag will sich Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen zum Vorgehen nach dem Auftreten der ersten Fälle von Affenpocken in Deutschland äußern. An der Pressekonferenz sollen auch Ärztepräsident Klaus Reinhardt und der Präsident des Robert Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieler, teilnehmen.

Die oppositionelle Unions-Bundestagsfraktion forderte Lauterbach auf, eine Aufklärungskampagne auf den Weg zu bringen. „Minister Lauterbach muss die Bevölkerung durch eine ausführliche Kommunikationsoffensive über die Risiken der Affenpocken informieren, um eine unnötige Panikmache zu verhindern“, sagte der Gesundheitspolitiker Stephan Pilsinger (CSU) dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND/Dienstag).

Affenpocken: Welche Symptome? Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) mahnte, wachsam zu sein. Gleichzeitig sagte Verbandschef Gerald Gaß dem RND jedoch: „Nach derzeitigem Stand der Erkenntnisse müssen wir keine Affenpocken-Pandemie befürchten.“

Was passiert mit dem Körper bei einer Affenpocken-Infektion? Das Virus verursacht meist nur milde Symptome wie Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen und Hautausschlag. Affenpocken können aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen, in Einzelfällen sind tödliche Erkrankungen möglich. Folgen einer überstandenen Infektion können Narbenbildung und selten auch Erblindung sein. (akl/dpa)

Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Russell Regner/CDC/AP/Cynthia S. Goldsmith

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