„Nachteilig“

Chef, der 1000 Bewerbungen gesichtet hat, verrät, wann ihn ein Lebenslauf beeindruckt

In der Bewerbung wollen Kandidaten sich bestmöglich darstellen. Ein Geschäftsführer erklärt, worauf es tatsächlich ankommt – und verrät einen ungewöhnlichen Tipp.

Die Bewerbungsunterlagen entscheiden meist darüber, welche Kandidaten zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden – und wer also letztlich auch den Job bekommt. Trotzdem empfinden viele Bewerbende diesen Schritt als mühsam. Zudem ändern sich die Standards regelmäßig: Foto oder lieber doch nicht? Einige Unternehmen fordern anonymisierte Bewerbungen, bei anderen sollen am besten alle Social-Media-Kanäle angegeben werden. Wir haben Tim Felten, Geschäftsführer eines Consulting-Unternehmens, gefragt, worauf ein Chef in der Bewerbung am meisten achtet.

„Das Wichtigste ist die Exzellenz des Lebenslaufs. Die kann man nicht übertünchen“, sagt Felten BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Der Gründer von LIO Consulting, der bereits rund 1000 Bewerbungen gesichtet hat, erklärt: „Viele haben einen Lebenslauf, der im Vergleich zu anderen Bewerbern ähnlich ist – in der Beratung sind zum Beispiel alle top Studenten“. Ein passender Lebenslauf sei aber nur die Basis; im nächsten Schritt müssten es die Bewerber schaffen, aus der Gruppe an Kandidaten herauszustechen. Diesen Aspekt würden viele unterschätzen. Ein Weg, um sich von anderen Bewerben abzusetzen, sei das Anschreiben.

Geschäftsführer: Anschreiben bietet den Bewerbern besondere Chance

„Anschreiben werden oft als überholt betrachtet“, sagt Felten, dabei würden sie den Bewerbenden „Handlungsspielraum“ bieten. Viele Bewerber wollten gern auf das Anschreiben verzichten und fordern dies auch von Unternehmen. Das sei allerdings nicht unbedingt zum Vorteil der Bewerbenden, denn „sie werden auch nur auf den CV reduziert. Wer keinen perfekten Lebenslauf hat, verliert damit eine Chance, das mit einem authentischen Anschreiben auszugleichen“. Für viele sei der Verzicht auf das Anschreiben also „nachteilig“.

Es stimme zwar, dass HR-Prozesse gerade bei großen Konzernen stärker standardisiert seien, doch auch in einer Bewerbung bei Adidas, Rewe oder Mercedes müssten Kandidaten „schnell einen Aha-Moment schaffen“. Wenn ein „Touchpoint“ im Anschreiben entstehe, den andere nicht haben, sei das von Vorteil. Zum Beispiel: „Ich kenne jemanden aus dem Team oder habe euren Auftritt auf Social Media gesehen und mich direkt angesprochen gefühlt. Solche Details machen nahbar“, sagt der Experte.

Hobbys im Lebenslauf sind nicht unprofessionell, sondern können einen Anknüpfungspunkt im Bewerbungsgespräch bieten. (Symbolbild)

Ein Anschreiben lohne sich heute mehr denn je, wo der Arbeitsmarkt in einigen Branchen wieder stärker zu einem Arbeitgebermarkt werde. „Bewerber denken oft, es geht nur um Masse. Viele hoffen, dass sich schon jemand melde – das stimmt nicht. Heutzutage ist beides nötig: Qualität und Quantität“, sagt Felten. Denn: „Eine Bewerbung von der Stange erkenne ich sofort“. Bewerber sollten Floskeln und oder typische KI-Chatbot-Formulierungen vermeiden.

Chef rät zu „Geheimtipp“ im Lebenslauf

Ein Geheimtipp ist, Hobbys im Lebenslauf richtig zu beschreiben“, erklärt der Experte. Statt lediglich „lesen, Handball, Freunde treffen“ aufzulisten, sollten Kandidaten ihre Interessen ehrlich ausführen, etwa: „Ich lese gern Krimis von einem bestimmten Autor, spiele seit sechs Jahren Handball, aber nur zweimal die Woche“. Es gehe nicht darum, 200 Bücher im Jahr zu lesen, ein Hobby dürfe auch nur ein Hobby bleiben. Viele Bewerber würden den Abschnitt über ihre Interessen so kurz wie möglich halten oder ganz aus ihrem Lebenslauf streichen. Dabei würden sie den Bewerber authentischer und greifbarer machen, zudem würden viele Personaler im Bewerbungsgespräch darauf eingehen.

„Die oberste Regel“ sei es jedoch, sich in die Lage desjenigen zu versetzen, der die Bewerbung lese. Der gesamte Auftritt müsse zum Unternehmen passen: das Bewerbungsfoto sollte also kein Selfie vom Strand sein. Auch KI-generierte Fotos kommen bei vielen Personalern nicht gut an. Und bei Bewerbungsgesprächen gelte: „lieber overdressed als underdressed. Es gibt keine Downsides, ein Hemd zu tragen. Im T-Shirt hat man keine Vorteile“, sagt Felten.

Rubriklistenbild: © Imago / Depositphotos

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