Sorge um neue Welle?
Corona-Impfung für Kinder: Stiko empfiehlt sie jetzt auch gesunden Fünf- bis Elfjährigen
Letzten August empfahl die Stiko Corona-Impfung für 12- bis 17-Jährige, jetzt sollen sich auch alle Fünf- bis Elfjährigen impfen lassen. Warum jetzt?
Update vom 24. Mai 2022, 15:55 Uhr: Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach hat nach der erweiterten Empfehlung einer Corona-Schutzimpfung für gesunde Kinder diesbezüglich noch einmal die Entscheidungshoheit der Eltern betont. „Die Eltern müssen das frei entscheiden“, äußerte der SPD-Politiker am Dienstag, 24. Mai 2022, bei einer Pressekonferenz am Rande des Deutschen Ärztetages in Bremen, berichtet dpa.
Der Empfehlung von der Ständigen Impfkommission (Stiko) schließe er sich aber vollumfänglich an und hoffe, dass die Impfung gut angenommen wird. In Bezug auf die erweiterte Impfempfehlung sprach Lauterbach von einem Fortschritt, der auch Kindern die Chance gebe, Krankheit und Schulausfall zu verhindern. Diese Chance solle man nutzen. Dennoch betonte der Gesundheitsminister, dass kein Druck auf die betroffenen Eltern ausgeübt werden dürfe. (Mit Material der dpa)
Corona-Impfung für Kinder: Stiko empfiehlt sie jetzt auch gesunden 5- bis 11-Jährigen
Erstmeldung vom 24. Mai 2022: Berlin – Die Ständige Impfkommission (Stiko) empfiehlt nun auch gesunden Kindern zwischen fünf und elf Jahren eine Corona-Impfung. Bisher hat die Stiko Kindern in diesem Alter nur eine Corona-Impfung empfohlen, wenn Risikofaktoren vorlagen, Kinder Vorerkrankungen oder Menschen mit hohem Corona-Risiko im Umfeld hatten. Sie sollen zunächst aber nur eine mRNA-Impfstoffdosis bekommen, hieß es in einer Mitteilung vom Dienstag zur Aktualisierung der Impfempfehlung.
Nach ärztlicher Aufklärung konnte bereits jedes Kind in dieser Altersgruppe der Fünf- bis Elfjährigen geimpft werden. Doch jetzt gibt es von der Stiko auch eine offizielle Empfehlung zur Corona-Impfung. Etwa mit Hinblick auf den Herbst, in dem wieder steigende Zahlen erwartet werden?
Es sei ein „sehr ernst gemeintes und verantwortungsvoll ausgesprochenes Angebot, die Fünf-bis Elfjährigen noch besser zu schützen“, sagt der Kinder- und Jugendarzt Martin Terhardt zu DER SPIEGEL. „Bitte prüfen und bestenfalls auch annehmen“, empfiehlt der Arzt, welcher auch Mitglied der Stiko ist, den Eltern.
Corona-Impfung für Kinder: Das empfiehlt die Stiko Eltern von Fünf- bis Elfjährigen
Die Empfehlung der Stiko: Kinder sollen sich mit dem Präparat Comirnaty von Biontech, alternativ mit Spikevax von Moderna impfen lassen. Aktuell sind rund 22 Prozent der Fünf- bis Elfjährigen einmalig oder doppelt geimpft. Außerdem wird empfohlen:
- Kindern mit Risikopersonen im direkten Umfeld sollten sich zweimal impfen lassen
- Fünf- bis Elfjährigen, die noch nicht geimpft sind und bei denen keine Risikofaktoren vorliegen, sollten eine einzelne Dosis erhalten
- Fünf- bis elfjährige Kinder mit bestimmten Vorerkrankungen empfiehlt die Stiko weiterhin die zwei Impfungen plus eine Booster-Impfung
Stiko empfiehlt Corona-Impfung für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren schon länger
Bereist im August 2021 hatte die Stiko sich für Corona-Impfungen für alle Kinder und Jugendlichen ab zwölf Jahren ausgesprochen. Lange wurde auf diese Empfehlung gewartet, nicht nur von Seiten der Politik gab es Druck.
Bedenken gab es von Eltern und der Stiko damals wegen möglicher Nebenwirkungen. Doch die Stiko ließ verlauten, dass der Nutzen der Impfung das Risiko von bisher selten festgestellten Nebenwirkungen weit überwiegt.
Corona-Impfung für Kinder: Darum kommt die Empfehlung jetzt – Sorge um den Herbst?
Das Ziel der Empfehlung sei laut Berichten von DER SPIEGEL, jetzt „bei allen Fünf-bis Elfjährigen eine gute Basisimmunität als Grundlage für weitere Infektionswellen zu schaffen“, sagt Stiko-Mitglied Terhardt.
Offenbar geht es bei der Empfehlung also um eine mögliche neue Corona-Welle im Herbst. Verschiedene Experten gehen davon aus, dass es auch im Herbst 2022 eine Corona-Welle in Deutschland geben wird. Thorsten Lehr, Professor für klinische Pharmazie an der Universität des Saarlandes, sagte zum SWR, es gäbe verschiedenen möglichen Szenarien für den Herbst und Winter. Eine Möglichkeit wäre eine weitere milde Variante wie Omikron.
Es könne aber auch zum „Worst Case“ kommen. Dieser wäre eine neue, gefährlichere Variante – vergleichbar zu Delta. Laut Lehr sei es wichtig, jetzt genügend Vorbereitungen zu treffen. „Wir dürfen nicht im September mit überraschten Blicken dastehen. Da müssen wir bereit sein“, sagt im im Interview mit dem SWR.
Ein weiterer Grund könnte sein, dass es immer noch sehr viele Infektionen mit Omikron gibt. Betroffene haben eine Inkubationszeit von 5 bis 6,5 Tagen, und erkältungsähnliche Symptome.