Coronavirus
Corona-Studie: Herzinfarkt, Schlaganfall, Gehirnnebel – erhöhtes Risiko für Infizierte
Herzinfarkt, Schlaganfall, Gehirnnebel: Die bislang umfassendste Langzeit-Studie zeigt, dass viele Corona-Infizierte ein höheres Risiko aufgrund von Long Covid haben.
St. Louis (USA) – Die Symptome einer Corona-Infektion waren bereits früh bekannt. Auch bei der Omikron-Variante des Corona-Virus wurden viele Symptome* schnell in den Umlauf gebracht, um die Anzeichen einer Covid-Infektion zu erkennen. Anders sieht es allerdings bei den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion aus. Hier herrscht noch einiges an Unsicherheit. Eine neue US-amerikanische Corona-Studie bringt nun allerdings ein wenig Licht abseits der Long Covid-Symptome ins Corona-Dunkel.
Corona-Studie zu Long Covid zeigt dauerhafte kardiovaskuläre Folgen: Sars-CoV-2 greift Herz von Covid-19-Infizierten an und schädigt Blutgefäße
Ebenfalls früh bekannt waren einige Auswirkungen einer Corona-Infektion auf den menschlichen Körper. So war in einem sehr frühen Stadium bereits wissenschaftlich bewiesen, dass der Corona-Erreger Sars-CoV-2 das Herz von Corona-Infizierten angreift und deren Blutgefäße schädigen kann. Die Folge für viele Patientinnen und Patienten sind Long Covid-Erscheinungen wie Herzentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Blutgerinnsel bis hin zu Herzversagen.
Die Liste möglicher Langzeitschäden durch eine Corona-Infektion ist also lang. Und sie wird noch länger. Denn eine erste große und aufwendige Langzeit-Corona-Studie aus den USA, bei denen über elf Millionen Gesundheitsakten von US-Veteranen ausgewertet, wurden, zu den Folgen von Long Covid zeigte auf, dass die Auswirkungen einer Corona-Infektion häufig zu dauerhaften kardiovaskulären Problemen führen.
Corona-Studie zu Langzeitfolgen: Corona-Infektion sorgt für erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Probleme
Wie ein Artikel im Wissenschaftsmagazin Science erklärt, kam es bei Corona-Studie zu den Langzeitfolgen von Covid-19 zu einer Auswertung von mehr als elf Millionen Akten. Die Forschenden kamen bei der in Nature Medicine erschienenen Corona-Studie zu dem Schluss, dass ein deutlich erhöhtes Risiko für jene US-Veteranen bestünde, die sich ein Jahr zuvor mit Corona infiziert hatten, an 20 verschiedenen Herz- und Gefäßerkrankungen zu erkranken, als Veteranen, die nicht an Covid-19 erkrankt waren.
Risiken zu kardiovaskulären Problemen wie Herzinfarkt, Herzrhythmusstörungen sowie Herzstillstand und Schlaganfälle stiegen signifikant nach Schwere der Corona-Infektion
Laut einem Artikel in Wissenschaftsmagazin Science stiegen die kardiovaskulären Problemen deutlich nach der Schwere der Verläufe der Corona-Erkrankungen. Unter anderem beinhalteten die Untersuchungen Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen sowie Herzstillstand und Schlaganfälle. Darüber hinaus klagten auch Menschen, die nie wegen Corona-Infektion ins Krankenhaus eingeliefert wurden, sich aber mit Covid-19 infiziert hatten, über vermehrte Herz-Kreislauf-Probleme.
Was ist Long Covid?
Long COVID ist ein Sammelbegriff für gesundheitliche Langzeitfolgen, die nach einer akuten Erkrankung an COVID-19 vorhanden sein können. Der Begriff „Long COVID“ umfasst Symptome, die mehr als 4 Wochen nach Beginn der Erkrankung an COVID-19 fortbestehen oder neu auftreten. Menschen, die an Long COVID leiden, sind nicht mehr ansteckend.
Drei Phasen einer Corona-Erkrankung:
Akute COVID-19-Krankheitsphase: bis 4 Wochen nach Beginn der Symptome
Subakute COVID-19-Krankheitsphase: COVID-19-Symptome treten nach vier bis 12 Wochen der ersten Krankheitsanzeichen auf
Post-COVID-Syndrom: Symptome, die im Zusammenhang mit COVID-19 und mehr als 12 Wochen nach der Corona-Infektion weiterhin auftreten und nicht anderweitig erklärt werden können. Diese Symptome halten mindestens zwei Monate an oder treten wiederkehrend und in variierender Stärke auf.
Unter der subakuten Phase und dem Post-COVID-Syndrom versteh man allgemein Long Covid.
Die Ergebnisse seien „auf jeden Fall schlimmer als ich erwartet hatte“, erklärte Eric Topol, Kardiologe am Scripps Research Institute in San Diego gegenüber dem Wissenschaftsmagazin Science. „Falls irgendjemand jemals dachte, dass Covid wie eine Grippe ist, dann sollte dies einer der aussagekräftigsten Datensätze sein, um zu zeigen, dass es nicht so ist.“ Topol ergänzte, dass die neue Studie „vielleicht die beeindruckendste Studie zu Long Covid ist, die wir bisher gesehen haben.“
Corona-Studie: Covid könnte in der Post-Covid-Ära anstatt Rauchen oder Fettleibigkeit zum größten Risikofaktor für kardiovaskuläre Probleme werden
Auch weitere Expertinnen und Experten halten die Corona-Studie zu den Langzeitfolgen einer Corona-Infektion für aussagekräftig. So erklärt die die Kardiologin und Biostatistikerin der Clevelend Clinic, Larisa Tereshchenko. „In der Post-Covid-Ära könnte Covid zum größten Risikofaktor für kardiovaskuläre Folgen werden.“ Damit würden die Folgen von Long Covid möglicherweise Risiken wie Rauchen und Fettleibigkeit ablösen.
Um dieser Theorie von den kardiovaskulären Problemen nach einer Corona-Infektion zu bestätigen, brauche es in der Zukunft allerdings weitere Daten und zukunftsorientierte Studien.
Long Covid: Umfassende Corona-Studie zu Langzeitfolgen wertet über elf Millionen Daten aus
Für die umfassendste Corona-Studie zu Long Covid untersuchten die Forschenden Datensätze aus dem Kriegsveteranenministerium der US-Regierung, dem US-Department of Veteran Affairs (VA), zurück. Insgesamt flossen in die Auswertung der Corona-Studie zu den Langzeitfolgen nach einer Covid-19-Infektion Daten von knapp 154.000 Menschen ein, die sich im Zeitraum vom 1. März 2021 bis zum 15. Januar 2021 Sars-Cov-2 infiziert hatten und mindestenst 30 Tage nach der Infektion noch lebten.
Zudem definierte das Forscherteam um den Hauptautor der Corona-Studie zu Long-Covid und Epidemiologen der Washington University in St. Louis, Zayid Al-Aly, zwei Kontrollgruppen: Zum einen 5,6 Millionen Menschen, die sich im Verlauf der Pandemie an das Kriegsveteranenminiserium wandten, bei denen aber keine Corona-Infektion nachgewiesen wurde und zum anderen 5,9 Millionen Menschen, die sich im Jahr 2017 an das VA wandten.
Corona-Studie zu Langzeitfolgen demografisch verzerrt – Auswertung basiert auf Daten von Ungeimpften
Darüber hinaus flossen ebenfalls Daten aus einer Zeit in die Long Covid-Studie ein, in der Corona-Impfstoffe keineswegs eine vergleichbare Verfügbarkeit wie im Jahr 2021 oder 2022 hatten. Somit waren 99,7 Prozent der Veteranen, deren Daten für die Studie zu Long Covid hinzugezogen wurden, nicht geimpft, als sie Covid-19 bekamen.
Darüber hinaus lässt sich eine Verzerrung der demografischen Zusammensetzung der Corona-Studie zu den Langzeitfolgen erkennen. Immerhin waren etwa 90 Prozent der Teilnehmer Männer und davon 71 bis 76 Prozent weiß im Altersdurchschnitt Anfang 60 waren.
„Covid ist ein Gelegenheitstäter – Erkenntnisse der Corona-Studie zu Long Covid zeigen erhöhtes Risiko für alle Altersgruppen
Die Forscher berücksichtigten die Möglichkeit, dass die Personen, die sich mit Sars-CoV-2 infiziert hatten, bereits ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen hatten. „Covid ist ein Gelegenheitstäter“, sagt Al-Aly. „Wir fanden ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Probleme bei alten und jungen Menschen, bei Diabetikern und Nicht-Diabetikern, bei fettleibigen und nicht-fettleibigen Menschen, bei Rauchern und Nichtrauchern.“ In einer weiteren Corona-Studie zu Long Covid vermuten Mediziner einen Zusammenhang zwischen Covid-19 und Nervenschädigungen*.
Long Covid: Symptome für Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion
- Physische Probleme bei Long Covid
- Müdigkeit
- Erschöpfung
- Eingeschränkte Belastbarkeit (Fatigue)
- Kurzatmigkeit
- Konzentrations- und Gedächtnisprobleme
- Schlafstörungen
- Muskelschwäche- und -schmerzen
- Psychische Probleme bei Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion
- Depressive Symptome
- Ängstlichkeit
- Verschlechterung der Lungenfunktion
- Komplikationen Organen
- Herzmuskelentzündung,
- Nieren- und Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit)
- Thromboembolien (Verstopfung eines Gefäßes durch ein Blutgerinnsel)
Long Covid-Studie: US-Forscher erkennen erhöhtes Risiko bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzversagen, Herzinfarkte oder Schlaganfällen
Nach der Auswertung der Corona-Studie erhöhte sich das Risiko bei allen 20 untersuchten Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkte, Herzrhythmusstörungen, Schlaganfälle, Herzversagen, Herzstillstand, Lungenembolie und tiefe Venenthrombosen nach einer Covid-19-Infektion signifikant.
So wiesen unter anderem infizierte Veteranen nach zwölf Monaten ein um 72 Prozent höheres Risiko für Herzversagen auf als Gleichaltrige, die nicht positiv getestet worden waren. In Zahlen bedeutet das, dass fast zwölf mehr Infizierte pro 1000 Personen eine Herzinsuffizienz entwickelten als die Personen aus den Kontrollgruppen. Insgesamt erhöhte die Corona-Infektion das Risiko um 63 Prozent gegenüber den Kontrollpersonen, an einer der 20 Krankheiten zu erkranken.
Corona-Studie zu Covid-Langzeitfolgen: Ergebnisse legen nahe, dass Millionen von Menschen Gesundheitsversorgung auf Jahre belasten
Den Autoren zufolge legen die Ergebnisse nahe, dass Millionen von Corona-Überlebenden mit den langfristigen Folgen zu kämpfen haben könnten und somit die Gesundheitsversorgung auf Jahre belasten. „Regierungen und Gesundheitssysteme auf der ganzen Welt sollten darauf vorbereitet sein, dass die Covid-19-Pandemie wahrscheinlich einen erheblichen Beitrag zu einem Anstieg der Belastung durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen leisten wird“, heißt es in der veröffentlichten Corona-Studie.
„Einige dieser Erkrankungen sind chronisch und werden die Menschen buchstäblich ein Leben lang beeinträchtigen“, fügt Ziyad Al-Aly hinzu. „Es ist nicht so, dass man morgen aufwacht und plötzlich keine Herzinsuffizienz mehr hat.“ Ein Szenario, vor dem man sich bereits Niedersachsen fürchtet, da aufgrund von Long Covid möglicherweise auf lange Sicht ein Reha-Chaos im Bundesland einstellen könnte. * kreiszeitung.de und merkur.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.
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