Falsches Lob

„Das hast du aber toll gemalt!“: Psychologin deckt gängigen Erziehungsfehler auf

Eine Expertin macht deutlich, weshalb ein harmlos wirkender Satz „ungute“ Folgen für die Entwicklung von Kindern haben könnte.

Frankfurt – Ein Kind kommt stolz mit seinem selbst gemalten Bild zu den Eltern gelaufen. Die spontane Reaktion vieler Erwachsener: „Das hast du aber toll gemalt. Das ist ja ein schönes Bild.“ Diese liebevoll gemeinten Sätze zeigten „ein Phänomen auf, das ungute Folgen für Kinder haben kann“, sagt die Psychologin Jette Blaschke BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media.

Selbst gemalte Bilder von kleinen Kindern loben? Warum das keine gute Idee ist. (Symbolbild)

Psychologin: Kinder wollen sich mitteilen, nicht bewertet werden

Wenn ein Kind seinen Eltern ein selbst gemaltes Bild zeige, wolle es sich in seinem Tun und Schaffen mitteilen, sagt Blaschke BuzzFeed News Deutschland. „Eine natürliche oder gesunde Antwort darauf wäre, dass der Erwachsene mit Anerkennung antwortet, dem Kind zeigt, dass es in seinem Tun gesehen wird.“ Zum Beispiel mit einer Beschreibung des Bildes: „Du hast gemalt? Das ist ein buntes Bild!“ oder mit ehrlicher Freude: „Das hast du für mich gemalt, das freut mich!“

„Wenn Eltern sagen, dass das Bild schön ist, dann wird ein Produkt bewertet, um das es gar nicht geht“, sagt die Expertin für Erziehung. Für das Kind stehe das Malen, das Tun und das Sich-Mitteilen im Vordergrund – nie die Bewertung des Endergebnisses. Vor allem Zweijährige und Dreijährige erlebten sich noch gar nicht in Kategorien wie gut oder schlecht. Erst im Vorschulalter, ab etwa vier Jahren, würden Kinder beginnen, sich mit anderen zu vergleichen. Erst in der Grundschule sei ihr Gehirn reif genug, sich selbst anhand sozialer Normen einzuordnen, erklärt die Expertin.

„Das hast du aber toll gemalt!“: Wie sich Mikro-Bewertungen auf Kinder auswirken

Das Problematische liege nicht darin, dass Sätze wie „Das hast du aber toll gemalt!“ mal fielen, sondern in der Häufigkeit solcher Mikro-Bewertungen. In ihrer Zusammenarbeit mit Eltern seien diese regelmäßig „geschockt“, wenn ihnen bewusst werde, wie oft sie bei ihrem Kind einen Erziehungsfehler begehen, obwohl sie es eigentlich nur durch Lob stärken wollten.

Die Neurowissenschaften zeigten, dass frühe, häufige Bewertungen im „enorm formbaren Gehirn“ von Kindern „langfristige Spuren im Selbstgefühl“ hinterlassen könnten. Erfahrungen mit Bewertung, Kritik oder auch Strafen würden bei Kindern „direkt im emotionalen Gedächtnis verankert“ und prägten das Bild, das sie von sich selbst entwickelten. Wenn die Reaktionen der Eltern hauptsächlich Bewertungen seien, vermittle das dem Kind: „Ich bin soviel wert, wie ich von anderen bewertet werde.“

Die Langzeitfolgen davon seien starke Abhängigkeit von äußerer Anerkennung, ein leistungsbezogenes Selbstbild und Perfektionismus. „Auch die intrinsische Motivation leidet: Die Freude am Tun kann durch bewertendes Loben stark abnehmen. Die Kinder werden desinteressierter und passiv“, warnt die Expertin. Es klinge vielleicht pingelig, aber es sei wichtig, dass Eltern den Unterschied zwischen einem gesunden Lob, das das Selbstgefühl stärke und einer Objektbewertung, die das Selbstgefühl schmälere, kennen.

Christian Thiele von der Deutschen Gesellschaft für Positive Psychologie betont bei BuzzFeed News Deutschland, wie wichtig es ist, „Kinder für den Prozess zu loben, nicht für das Ergebnis“. So entwickelten sie Ausdauer und Motivation, auch „Grit“ genannt. Einer der wichtigsten Faktoren für späteren Erfolg von Kindern. Forschungsergebnisse zeigten deutlich, dass das Loben des Prozesses statt des fertigen Ergebnisses förderlich für die Entwicklung sei. „Der Schlüssel ist eine Art Wachstums-Mindset“, erklärt er. (Quellen: eigene Recherche)

Rubriklistenbild: © IMAGO/Zoonar

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