Folgen des Klimawandels

Wann wird Sylt verschwunden sein? Gewaltige Veränderungen drohen bis 2050

Irgendwann wird die Nordseeinsel Sylt vom Meer verschlungen sein. Der Klimawandel könnte diesen Prozess nun deutlich beschleunigen.

Irgendwann ist es traurige Realität: Die Nordseeinsel Sylt, Deutschlands Hort der „Reichen und Schönen“, wird eines Tages vom Meer gänzlich verschlungen sein. Grundsätzlich ein natürlicher Prozess. Der Klimawandel könnte allerdings jetzt dafür sorgen, dass die beliebte Urlaubsinsel deutlich schneller verschwindet, als bisher angenommen.

Irgendwann ist es traurige Realität: Die Nordseeinsel Sylt, Deutschlands Hort der „Reichen und Schönen“, wird eines Tages vom Meer gänzlich verschlungen sein.

Die Insel Sylt, die gerne als „deutsche Karibik“ bezeichnet wird, ist aus wissenschaftlicher Sicht eigentlich etwas ziemlich Profanes: ein Splitter aus der Eiszeit, der sich durch die Gezeiten, also Ebbe und Flut, in einer pausenlosen Bewegung befindet. Von der einen Seite wird Sand aufgeschoben, von der anderen Seite abgetragen. Auf lange Sicht wird immer mehr Sand abgetragen als aufgeschoben. Das war schon immer so. Zwei Aspekte könnten aber jetzt dafür sorgen, dass dieser natürliche Prozess eine extreme Dynamik erfährt.

Klinwandel wird Nordseeinsel Sylt zum Verhängnis

Zu diesem Schluss kommt unter anderem der Bericht der Klimawirkungs- und Risikoanalyse 2021 für Deutschland: Zum einen gehen die Forscher davon aus, dass der Meeresspiegel bis zum Jahr 2050 mindestens einen Meter ansteigen wird, was den flacheren Regionen auf Sylt zum Verhängnis werden würde. Niedrig gelegene Marschen wie Morsum zum Beispiel wären dann schnell verschwunden. Sollte der Meeresspiegel deutlich höher ansteigen, was die Forscher auch nicht ausschließen können, wäre auch der Bereich rund um List schnell vom Meer verschlungen. In einer Simulation, die im Erlebniszentrum Naturgewalten auf Sylt angeschaut werden kann, würde bei den meisten möglichen Szenarien nur noch Kampen einsam aus dem Wasser ragen.

Und mit dieser Realität setzen sich die Bewohner Sylts schon seit 1972 auseinander. Sie spülen deshalb in regelmäßigen Abständen Sand auf – rund 43 Millionen Kubikmeter bisher. Offenbar ein Kampf gegen Windmühlen. „Grundsätzlich, kann man sagen, ist der Kampf verloren – wenn man das geologisch betrachtet“, so Arfst Hinrichsen vom Landbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein (LKN) gegenüber dem Deutschlandfunk. Trotzdem: der Prozess könne damit zumindest etwas verlangsamt werden, wenn da nicht der Klimawandel wäre.

Sylt droht in den nächsten 30 Jahren gewaltige Veränderungen

Denn der Klimawandel führt laut Bericht dazu, dass es häufiger sogenannte Westwindlagen geben wird. Die Folge sind häufigere und länger andauernde Sturmfluten. Eine Sturmflut, wie sie erst vor wenigen Wochen, im Oktober 2023, die deutsche Nordseeküste heimgesucht hatte, und einen enormen Schaden angerichtet hatte, könnten das Verschwinden von Sylt stark beschleunigen. „Stürme und Orkane sind das Salz in der Suppe“, wie Ekkehard Klatt, Geologe und Experte für Sylt gegenüber dem Deutschlandfunk bereits 2013 betonte. Diese Stürme und die damit verbundene Brandung rütteln immer stärker an der Insel und zerren den Sand von Sylt ins Meer. Kommt da noch der prognostizierte Anstieg des Meeresspiegels von mindestens einem Meter hinzu, ist die Katastrophe perfekt.

Mit dieser Entwicklung steht Sylt nicht allein. Forscher gehen davon aus, dass bis zum Ende des Jahrhunderts rund die Hälfte aller Sandstrände verschwunden sein werden, wie eine Veröffentlichung der Forschungsstelle der Europäischen Kommission im Fachjournal „Nature Climate Change“ belegt.

Rubriklistenbild: © IMAGO/Chris Emil Janssen

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