Fleisch ist kein Gemüse
Fleischersatz-Produkte für Veganer erleben Boom: Veggie-Burger statt Schweinswürstchen
2021 wurde in Deutschland acht Prozent weniger Fleisch produziert. Dafür stieg das Angebot an Ersatzprodukten aus Tofu und Seitan enorm.
Hannover – Ob Veggie-Burger, Tofu-Würstchen oder Seitan-Schnitzel – Produkte aus Fleischersatz werden bei Veganern und Vegetariern immer beliebter. Sie füllen mittlerweile viele Regale in Supermärkten udn Discountern wie Aldi, Lidl und Edeka.
Im Jahr 2021 haben die Unternehmen in Deutschland im Vergleich zum Vorjahr knapp 17 Prozent mehr Fleischersatzprodukte produziert, im Vergleich zum Jahr 2019 erhöhte sich die Produktion sogar um 62,2 Prozent. Das meldet das Statistische Bundesamt (Destatis).
Fleischersatz-Produkte für Veganer boomen: Aldi, Lidl und Edeka setzen auf Trend
2021 wurden 97.900 Tonnen Fleischersatz-Produkte für Veganer und Vegetarier produziert, die auch für die Supermarkt- und Discounter-Regale von Aldi, Lidl und Edeka bestimmt waren. 2020 waren es rund 83.700 Tonnen. 2019 wurden mit 60.400 Tonnen noch deutlich weniger Alternativen für Fleisch produziert.
Eine Erklärung für den Produktions-Boom: Die Nachfrage wächst, weil immer mehr Menschen weniger Fleisch essen möchten. Sie werden Vegetarier oder Veganer. Und das nicht nur wegen des Tierschutzes, sondern auch wegen des Klimawandels. Eine fleischarme Ernährung kann einen Beitrag zum Klimaschutz leisten. Auch diesem Grund ist der Pro-Kopf-Verzehr von Fleisch 2021 so tief gesunken wie seit dem Beginn der Berechnungen im Jahr 1989, meldet die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE).
So lag der Verzehr pro Person im Jahr 2021 bei 55 Kilogramm pro Kopf. Das war ein Rückgang um 12 Prozent gegenüber dem Jahr 2011 (62,8 Kilo pro Kopf).
Fleischersatz-Produkte erleben Boom bei Aldi, Lidl und Edeka: Wert der Veggie-Burger steigt
Dennoch wollen die Deutschen offenbar nicht auf den Fleischgeschmack verzichten. Damit auch Vegetarier und Veganer weiterhin ihr geliebtes Schnitzel bekommen oder die Bratwürste, kaufen sie immer mehr Fleischersatz-Produkte bei Aldi, Lidl und Edeka. Auch wenn vegane Wurstsorten kürzlich bei Öko-Test schlecht abschnitten – mit Noten 5 oder 6.
Und wenn die Nachfrage da ist, wird das Angebot bedient. Weil man damit viel Geld machen kann, wie auch die Zahlen des Statistischen Bundesamtes zeigen.
Der Wert der Fleischersatz-Produkte erhöhte sich im Jahr 2021 gegenüber dem Vorjahr um 22,2 Produkte auf 458,2 Millionen Euro (2020: 374,9 Millionen Euro). Im Vergleich zu 2019 stieg der Wert um 68,0 Prozent. Damals lag er bei 272,8 Millionen Euro. „Auch die Zahl der Unternehmen, die in Deutschland produzieren, erhöhte sich von 34 in den Jahren 2019 und 2020 auf 44 im Jahr 2021“, meldet Destatis. Ein Fußballverein verkauft jetzt sogar nur noch vegane Wurst im Stadion.
Fleischersatz-Produkte erleben Boom: Doch Wert des produzierten Fleisches ist noch rund 80 Mal so hoch
Trotz dieses Anstiegs fällt der Wert von Fleischersatz-Produkten wie vegane Wurst im Vergleich zu Fleischprodukten verhältnismäßig gering aus. „Im Jahr 2021 betrug der Wert von in Deutschland produziertem Fleisch und Fleischerzeugnissen 35,6 Milliarden Euro – und damit rund das 80-fache des Wertes der Fleischersatzprodukte“, meldet das Statistische Bundesamt.
In Deutschland wird immer weniger #Fleisch konsumiert, die Produktion von #Fleischersatz nimmt zu: 2021 um 17 % gegenüber dem Vorjahr und um 62 % gegenüber 2019. Wie sich die Fleischproduktion entwickelt hat, lesen Sie hier: https://t.co/XhzO1EmVKb #Grill pic.twitter.com/Km2PZNsXcq
— Statistisches Bundesamt (@destatis) May 9, 2022
Im Jahr 2022 ist der Wert an Fleischprodukten nochmals gestiegen. Der Grund: Der Ukraine-Konflikt.
Wegen Ukraine-Konflikt: Wert des Fleisches steigt immer weiter
Wegen des Ukraine-Konflikts ist Fleisch derzeit teuer wie nie. Gründe sind die hohen Produktionskosten wegen der hohen Energiepreise. Auch die Kosten für Tiernahrung sind hoch, weil Tiernahrung häufig Raps oder Sonnenblumen enthält. Und das wird normalerweise aus der Ukraine geliefert. Sonnenblumenöl ist derzeit in Deutschland nicht nur knapp, sondern auch teuer.
Auch ein Grund: Menschen wollen nicht mehr so viel Billigfleisch essen, achten vermehrt auf die Herkunft des Fleisches. Discounter wollen weniger Billigfleisch anbieten und nachhaltige Tierhaltung fördern. Aus diesem Grund müssen viele Bauernhöfe und weitere landwirtschaftliche Betriebe umrüsten, berichtet Focus Online. Das wiederum bringe Investitionen in Millionenhöhe mit sich, und die Kosten bei den Fleischpreisen würden steigen. Fleisch sei innerhalb von zwei Wochen 50 Prozent teurer geworden, berichtet Merkur.de. Doch mit ein paar Tricks kann man bei den hohen Fleisch-Preisen dennoch sparen.
Preiserhöhungen bei Fleisch: „Uns ist schon ganz schwindlig“
Anna Elisabeth Hofmeier, die einen gleichnamigen Landgasthof im bayerischen Neufahrn besitzt, klagt. „Die Lieferanten haben fast wöchentlich Mitteilungen geschickt, dass Lieferkosten oder Produktpreise ansteigen. Uns ist schon ganz schwindlig vor lauter Erhöhungen.“ Vor allem Fleisch und Gemüse sei enorm im Preis gestiegen. „Auch die explosionsartig angestiegenen Energiekosten treffen uns massiv.“
Weil das Fleisch rapide teurer geworden ist, kämpfen Gastronomen also mit der Inflation. Ob es etwas bringen würde, statt Wiener ein Seitan-Schnitzel im Restaurant anzubieten?
Rubriklistenbild: © Joerg Boethling/imago
