Krebs und Diabetes: Körpergröße entscheidet über erhöhtes Risiko und Anfälligkeit

Ein Arzt hört den Rücken eines Patienten ab
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Studien zeigen: Große Menschen haben häufiger Krebs, kleine Diabetes.

Wissenschaftliche Studien zeigen: Die Körpergröße beeinflusst, welche Krankheiten wir bekommen. Das sollten große und kleine Menschen wissen.

Hannover – Entscheidet die Körpergröße über das Risiko, an Krebs oder Diabetes zu erkranken? So ist es. Wissenschaftliche Studien zeigen: Ob wir groß oder klein sind, beeinflusst, welche Krankheiten wir in unserem Leben bekommen können. Doch für welche Krankheiten sind wir anfälliger? Und wie können wir beispielsweise mit Sport oder gesunder Ernährung gegensteuern und gesund bleiben?

Krebs und Diabetes: Auch Körpergröße entscheidet über Risiko und Anfälligkeit

Denn warum wir im Laufe unseres Lebens krank werden, kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Zum einen spielen die Gene eine Rolle. Aber auch Umweltfaktoren wie Stress oder die falsche Ernährung können uns krank machen. Verschiedene Studien zeigen: Auch die Körpergröße ist entscheidend dafür, wie anfällig wir für bestimme Erkrankungen wie Krebs oder Diabetes sind.

Doch es gibt auch eine gute Nachricht. Für manche Krankheiten sind große und kleine Menschen auch weniger anfällig.

Der Größenunterschied ist nicht zu übersehen: Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (r.) und Ex-Basketballspieler Dirk Nowitzki.

Neue US-Studie belegt Zusammenhang zwischen Körpergröße und Krankheiten

Unklar bei bisherigen Studien war, ob die Körpergröße selbst das eigentliche Risiko darstellt oder aber Faktoren, die sich auf diese auswirken.

Daher untersuchte nun ein Team um den Mediziner Sridharan Raghavan von der University of Colorado Zusammenhänge zwischen verschiedenen Krankheiten und der tatsächlichen Körpergröße einer Person. Die Ergebnisse wurden auf dem Wissenschafts-Portal Plos Genetics veröffentlicht. Anhand einer Datenbank, die genetische und gesundheitliche Informationen enthält, analysierte das Team die Informationen zu mehr als 250.000 Erwachsenen auf mehr als 1000 Krankheiten und Merkmale.

Große Menschen haben höheres Risiko für Vorhofflimmern – aber seltener Herzkrankheiten und Bluthochdruck

Die Studie zeigt, dass große Menschen zwar anfälliger für bestimmte Krankheiten sind, andere dafür aber weniger häufig bekommen. Große Menschen haben laut der US-Studie ein erhöhtes Risiko für:

  • Vorhofflimmern
  • Krampfadern
  • periphere Neuropathie, die durch Nervenschäden an den Extremitäten verursacht wird
  • Haut- und Knocheninfektionen
  • Bein- und Fußgeschwüre

Das Gute: Dafür haben große Menschen ein geringeres Risiko für

  • koronaren Herzkrankheiten
  • Bluthochdruck
  • hohes Cholesterin

Große Menschen haben erhöhtes Risiko für Krebs und Tumore – Wahrscheinlichkeit steigt um zehn Prozent pro zehn Zentimeter

Forscher der University of California in Riverside haben bereits im Jahr 2018 herausgefunden, dass das Krebsrisiko bei großen Menschen gegenüber „Normalgroßen“ leicht erhöht ist. Der Grund: Sie verfügen über mehr Zellen, die entarten können. Somit steigt die Wahrscheinlichkeit, einen Tumor zu bekommen. „Die Wahrscheinlichkeit wird mit etwa zehn Prozent pro zehn zusätzlichen Zentimetern angegeben“, schreibt die Süddeutsche Zeitung.

Für die Studie des Biologen Leonard Nunney wurden die Daten von vier großen Krebsstudien mit jeweils mehr als 10.000 Teilnehmern analysiert. „Ausgehend von einer Größe von 1,62 Metern für Frauen und 1,75 Metern für Männer ergaben seine Berechnungen, dass aufgrund der vermehrten Zellzahl bei einer Abweichung von mehr als zehn Zentimetern das Risiko für eine bösartige Neuerkrankung bei Frauen um 13 Prozent und bei Männern um elf Prozent erhöht sind.“

Deutsche Studie zeigt: Kleine Menschen haben höheres Risiko für Erkrankungen wie Diabetes Typ 2

Und wie ist es um die Gesundheit von kleineren Menschen bestellt? Deutsche Forscher haben in einer Studie aus dem Jahr 2019 hat den Zusammenhang von kleinen Menschen und gewissen Krankheiten analysiert. Und fanden heraus: Kleine Menschen sind anfälliger für Diabetes Typ 2.

Clemens Wittenbecher vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam und sein Team analysierten für die Studie Daten von 2.662 deutschen Teilnehmern der sogenannten EPIC-Studie von 1994 und 1998. Hierfür wurden Menschen über einen längeren Zeitraum begleitet.

Das überraschende Ergebnis: Bei je 10 Zentimetern mehr Körpergröße sinkt das Diabetes-Risiko bei Männern um 41 und bei Frauen um 33 Prozent. Ein Grund: Große Menschen haben im Schnitt weniger Leberfett und ein gesünderes Stoffwechselprofil. 

Krankheiten wie Thrombosen und Diabetes: So können kleine und große Menschen vorsorgen

Für Norbert Stefan, Professor für klinisch-experimentelle Diabetologie am Universitätsklinikum Tübingen, ist das Ergebnis der Studien keine Überraschung: Seit Jahren sei bekannt, dass die Körpergröße direkt oder indirekt Einfluss auf bestimmten Krankheitsrisiken habe. Doch was können kleine und große Menschen tun, um vorzusorgen?

Große Menschen hätten lange Beinvenen, so Stefan – das Blut müsse somit einen längeren Weg zum Herzen gepumpt werden, was das Risiko für Thrombosen erhöhe. Entsprechend sollten sich insbesondere große Menschen bei Langstreckenflügen oder langen Autofahrten regelmäßig bewegen, genug trinken und im Flieger Stützstrümpfe tragen.

Diabetes und Herzinfarkt: Kleine Menschen haben bei diesen Krankheiten ein höheres Risiko

Bei kleinen Menschen sei hingegen das Risiko für Typ-2-Diabetes und Herzinfarkt größer – und zwar unabhängig von der jeweiligen Körperfettmasse: „Nehmen diese Menschen zu, ist ihr Risiko deutlich ausgeprägter als bei großen Menschen, die dicker werden“, unterstreicht der Diabetologe: „Je kleiner, desto beweglicher sollte man also sein.“

Vorsorge gegen Krebs, Herzinfarkt oder Diabetes: Wer Sport macht, lebt länger

Doch Sport ist auch für große Menschen gut – und verlängert sogar das Leben: Wissenschaftler der Universität Maastricht haben in einer Studie den Zusammenhang zwischen Körpergröße, Body-Mass-Index (BMI) und sportlicher Betätigung untersucht. Das Ergebnis: „Männer, die täglich für mehr als 90 Minuten Sport machten, hatten eine 39 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, das 90. Lebensjahr zu erreichen, als diejenigen, die weniger als 30 Minuten pro Tag Sport machten. Frauen, die 30 bis 60 Minuten Sport am Tag machten, hatten eine 21 Prozent höhere Wahrscheinlichkeit, ihr 90. Lebensjahr zu erreichen als diejenigen, die weniger als 30 Minuten Sport am Tag machten“, schreibt Businessinsider.

Jeden Tag eineinhalb Stunden Sport – wer hat dafür schon Zeit? Egal, ob groß oder klein. Stressen sollten wir uns von den ganzen Studien nicht lassen. Ein Leben mit einer gesunden Ernährung, regelmäßigem Sport und möglichst wenig Stress bringen auf jeden Fall schon viel. Das geht aus weiteren wissenschaftlichen Arbeiten hervor. Wieder andere Studien zur Lebenserwartung zeigen: Der falsche Lebensstil kann 22 Jahre kosten. Doch wer lange leben und gesund bleiben will, sollte auf jeden Fall aufhören, neben gesunder Ernährung und Sport, vor allem mit dem Rauchen aufhören. (Mit Material der dpa)

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