„Hilflose Maßnahmen“

„Lebenslange Folgen“: 7 Erziehungsfehler, die die Entwicklung von Kindern gravierend stören

Erziehungspraktiken unter der Lupe: Experten für Kindesentwicklung unterscheiden benennen Methoden, die der Entwicklung schaden.

Eine glückliche Kindheit, eine erfolgreiche Karriere und dabei eine stabile Psyche: Eltern wollen das Beste für ihre Kinder. Doch manchmal schleichen sich in den hektischen Familienalltag Erziehungsmethoden ein, die trotz guter Absichten langfristige negative Auswirkungen haben können.

Welche Erziehungsmethoden Eltern vermeiden sollten und welche Folgen sie haben könnten, erklären Psychiater, Psychologen, Therapeutinnen und Sprachentwicklungsexpertinnen.

Kinder brauchen Struktur, um Selbstdisziplin zu entwickeln.

1. Überbehütung und fehlende Selbstwirksamkeitserfahrungen

Kleine Kinder seien vor allem auf eine stabile Bindung angewiesen, weiß Psychologe und Psychotherapeut Michael Borg-Laufs. „Mit zunehmendem Alter wird es aber wichtig, dass Kinder eigene Kontrollerfahrungen machen können“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von IPPEN.MEDIA. Wenn Eltern ihren Kindern keine solchen Erfahrungen ermöglichen, spreche man von „Helikoptereltern“, sagt der Psychologe: „Eltern, die aus gutem Willen alles für ihr Kind tun wollen. Das kann problematisch sein, weil Kinder dann erleben: Man traut mir nichts zu“. Genau dieses Gefühl der Selbstwirksamkeit bräuchten Kinder jedoch.

2. Körperliche Bestrafung und der „harmlose“ Klaps

Jörg Fegert, Psychiater und Psychotherapeut, warnt vor dem verbreiteten Erziehungsirrtum, dass ein „Klaps auf den Hintern“ harmlos sei. „Es geht darum, dass es sich bei einem ‚Klaps auf den Po‘ um eine demütigende Geste handelt“, betont Fegert. Körperliche Gewalt in der Erziehung könne laut Fegert „lebenslange physische und psychische Folgen haben, den Betroffenen schwer in ihrem Selbstwert schaden und das Risiko für Ausübung von Gewalt in der Erziehung eigener Kinder erhöhen“.

3. Fehlende Deadlines und Disziplin

Der klinische Psychologe Ramón Schlemmbach warnt: „Wenn Eltern ihrem Kind nie klare Deadlines für Hausaufgaben oder Zimmer aufräumen setzen, dann wird der Disziplin-Muskel nie trainiert. Und das führt dazu, dass es als Erwachsener schwerfällt, Dinge anzupacken“, sagt er BuzzFeed News Deutschland. Fehlt diese Anleitung, haben sie später oft Schwierigkeiten, sich selbst zu organisieren oder unangenehme Aufgaben anzugehen. Eltern, die aus Liebe sagen würden: „Lass mal, du bist noch zu klein‘“ würden ihre Kinder zu unselbständigen Erwachsenen erziehen.

4. „Hilflose Maßnahmen“, wenn die Noten in der Schule schlechter werden

Die Therapeutin und Buchautorin Melanie Hubermann warnt vor einem Fehler, den viele Eltern „in ihrer eigenen Hilflosigkeit“ machen würden, wenn ihre Kinder nicht in die Schule wollen oder ihre Leistungen sich verschlechtern: Kein Raum für Diskussionen dulden, und den Glaubenssatz vermitteln: „Da musste ich durch, da musst du auch durch“. Es würden „hilflose Maßnahmen der Eltern“ folgen und Hobbys der Kinder gestrichen. „Selbst wenn das Kind dann nie wieder zum Fußball darf – Mathe wird dadurch trotzdem nicht besser“, betont Hubermann. Stattdessen sollten Eltern hinschauen und verstehen, worum es beim Kind eigentlich geht.

5. „Welches Tier ist das?“: Beim Anschauen von Bilderbüchern machen viele Eltern einen Fehler

Eltern spielen eine entscheidende Rolle dabei, das sprachliche Talent ihrer Kinder zu fördern. Beim Bilderbuch-Anschauen machen einige einen Fehler, sagt die Logopädin Nathalie Frey BuzzFeed News Deutschland. Eltern sollten „versprachlichen, was geschieht“, rät die Logopädin. Beim Betrachten eines Bilderbuchs mit ihrem Kind sollten Eltern nicht nur auf die Abbildungen zeigen und fragen „Welches Tier ist das?“. Stattdessen könnten sie sagen: „Das ist eine Kuh. Die Kuh ist braun. Ihr Fell ist weich. Wo siehst du noch eine Kuh?“

6. Psychologin über Erziehungsfehler, der Kinder seelisch verletzen kann

Die Psychologin Svenja Taubner erklärt, wie problematische Reaktionen von Eltern auf kindliche Emotionen zu langfristigen psychischen Problemen führen können. Wenn ein Kind wütend ist und Eltern mit Liebesentzug oder Strafen reagieren, lerne das Kind, dass es nicht sicher ist, negative Emotionen wie Wut und Ärger auszudrücken. „Aber die Gefühle sind ja nicht weg. Wenn die Wut dann gegen sich selbst gerichtet wird, können Depressionen entstehen“, erläutert sie.

7. Perfektionismus in der Erziehung

Der Kinderarzt Burkhard Voigt sieht einen problematischen Trend bei heutigen Eltern: das Streben nach perfekter Erziehung. „Bedürfnisorientierte Erziehung ist schön und gut, aber oft verwechseln Eltern ihre Bedürfnisse mit denen des Kindes. Wir wissen manchmal einfach nicht, was ein Säugling braucht“, sagt Voigt BuzzFeed News Deutschland. Eltern müssten lernen, sich von ihren Kindern wieder mehr abzugrenzen. „Eltern und gerade Mütter dürfen ihre eigenen Bedürfnisse nicht immer nur zurückstellen“, sagt er.

Rubriklistenbild: © Dreamstime/Imago

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