Verbraucher
Viele Marken gibt es bald nicht mehr: Leere Regale bei Rewe, Edeka und weiteren Läden
Die Hersteller verlangen höhere Preise für ihre Waren. Die Händler wollen das aber nicht bezahlen. Der Kunde hat dabei das Nachsehen.
Berlin – Ob Strom oder Benzin, Verbraucher müssen in Deutschland immer tiefer in die Tasche greifen – und auch bei den Lebensmitteln ist es nicht anders. Weil die Produktionskosten stark gestiegen sind, verlangen die Hersteller von Markenprodukten mehr Geld.
Doch einige Supermärkte und Discounter machen bei den großen Preissprüngen nicht mit. Der öffentlich ausgetragene Preiskampf wird dabei im Regal geführt. Um auf sich gegenseitig Druck auszuüben, beliefern Hersteller die Märkte nicht mehr. Umgekehrt haben die Märkte die Markenprodukte aus dem Sortiment verbannt.
Wegen steigender Kosten: Diese Markenprodukte gibt es nicht mehr bei Edeka
Auch Edeka hat der Forderung einer Preiserhöhung von Mars eine Abfuhr erteilt. Mars stellte daraufhin die Lieferungen an die Edeka-Märkte ein. Die Folge: Mars-, Snickers- und Bounty-Schokoriegel gibt es im Regal nicht mehr. Zum Mars-Sortiment gehören auch Airwaves-Kaugummis und Chappi-Haustiernahrung.
Zudem Pasta (Miracoli) und Reisgerichte (Ben‘s Original). Gegenüber der Nachrichtenagentur dpa sagte ein Edeka-Sprecher: „Die aktuellen erheblichen Preisforderungen des Herstellers Mars sind aus unserer Sicht sachlich nicht begründet.“
Darüber hinaus laufen Verhandlungen mit Coca-Cola. Anfang September stellte das US-Unternehmen die Lieferungen an Edeka ein. Der Supermarkt-Riese erwirkte zunächst eine einstweilige Verfügung, die aber vom Landgericht Hamburg abgewiesen wurde. Es drohen deshalb erneut leere Getränkeregale.
Kein Mars, Kelloggs oder Froot Loops: Diese Markenprodukte gibt es nicht mehr bei Rewe
Rewe streitet derzeit mit der Kellogg Company, Jacobs Douwe Egberts und Mars um Preise, schreibt die „Lebensmittel Zeitung“. Dadurch fehlen Cornflakes, Special K, Smacks, Choco Krispies und Froot Loops. Senseo, Jacob‘s und Tassimo gehören zu Jacobs Douwe Egberts und sind derzeit bei Rewe schwer zu finden.
Ebenso die Mars-Produkte. Rewe teilte Mitte Oktober mit: Trotz intensiver Verhandlungen sehe man keine Basis, die von Mars geforderten Preiserhöhungen zu akzeptieren.
Fruchtzwerge fliegen wegen Preisen aus dem Sortiment: Diese Markenprodukte gibt es nicht mehr bei Aldi
Focus.de berichtet, Aldi Nord und Aldi Süd hätte Fruchtzwerge und Joghurts von Activia aus dem Sortiment geschmissen. Das deutet auf einen Konflikt mit dem Lebensmittelhersteller Danone hin. Bei Aldi Süd fehlen darüber hinaus einige Lebensmittel von Henkel, bei Aldi Nord gibt es einige Produkte von Nestlé nicht.
Diese Markenprodukte gibt es nicht mehr bei Lidl, Netto und Penny
Auch Lidl scheint Probleme mit Danone zu haben. Der Supermarkt-Riese hat Produkte von Müllermilch, Henkel und Beiersdorf aus dem Sortiment genommen, schreibt die „Lebensmittel Zeitung“. In den Regalen fehlen deshalb Deodorants von Nivea, Spülmittel von Pril und weitere Drogerieartikel von Bref und Somat.
Sowohl Netto als auch Penny müssen derzeit auf Produkte von Mars verzichten. Netto meldete sich in einem Facebook-Post zu der Situation: „Der Hersteller Mars fordert eine unangemessene Preiserhöhung. Wir von Netto kämpfen für euch und bieten dir mit unseren Eigenmarken eine mindestens 64% günstigere Alternative, die aber 100% genauso gut schmeckt.“
Streit um Kosten und Lieferungen: Markenprodukte fehlen in vielen Supermärkten
Eine Preisgarantie, wie sie sich die Supermärkte und Discounter wünschen, lehnen die Markenhersteller ab. Als Folge dessen vergrößern die Händler ihr Angebot an Eigenmarken. Bei Rewe stehen zurzeit beispielsweise mehr Produkte von Ja! als Kelloggs im Cerealien-Regal.
Und die Kunden nehmen die Alternativen an. Das Marktforschungsinstitut GfK stellte fest, dass die Eigenmarken der Handelsketten zwischen Juni 2021 und Juni 2022 um 9 Prozent zunahmen. Zudem ist der Anteil von Eigenmarken am Gesamtumsatz in den ersten drei Monaten 2022 im Vergleich zum ersten Quartal im Vorjahr sogar um 34,6 Prozent gewachsen. Und: Selbst wenn sie auch teurer geworden sind – günstiger als Markenprodukte sind sie immer noch deutlich.