Corona-Subtyp

Omikron BA.5: Drosten „beunruhigt“ wegen steigender Todesfälle in Portugal

Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Charité Berlin, setzt sich seine FFP2-Maske in der Bundespressekonferenz zur aktuellen Corona-Lage auf.
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Corona-Experte schaut beunruhigt nach Portugal. Dort steigen die Inzidenzzahlen und die Todesfälle durch Omikron BA.5.

In Portugal steigen die Todesfälle durch Omikron BA.5. Corona-Experte Christian Drosten schaut mit sorgenvoller Miene auf die Entwicklungen im Süden.

Berlin – Während die Zahl der Infektionen mit Omikron BA.5 in Deutschland wie die Corona-Inzidenzzahlen steigen und die Omikron-Variante sich zunehmend auch hier zum dominierenden Subtyp mausert, blickt Virologe Christian Drosten besorgt nach Portugal. Dort hat sich Omikron BA.5 bereits als dominierende Corona-Variante durchgesetzt und sorgt für steigende Sterbefälle. Aufgrund der neuesten Entwicklung ist der Topvirologe der Berliner Charité „etwas beunruhigt“. „Wir erleben in diesem Jahr keinen infektionsfreien Sommer, was aber zunächst nicht bedrohlich ist“, erklärte der Corona-Experte Drosten auf Anfrage der Deutschen Presse Agentur (dpa).

Nach dem Sommer sieht es nach Einschätzung von Drosten hingegen etwas anders aus. Denn im Herbst und Winter werde es wohl eine lange Infektionswelle geben. Der Corona-Expertenrat hatte im Verlauf der Woche, um auf diese Entwicklung vorbereitet zu sein, bereits für notwendige Maßnahmen eine ausreichende gesetzliche Basis gefordert, um auf eine mögliche Explosion der Corona-Zahlen im Herbst und Winter reagieren zu können. Wie genau sich die Infektionslage bis dahin entwickelt, sei nach Einschätzung von Experte Hajo Zeeb schwer abzuschätzen. Gesichert ist nur, dass die Corona-Infektionen in Deutschland mit einer Inzidenz am Samstag, 11. Juni, von 348,9 laut dem Robert Koch-Institut (RKI) wieder steigen.

Omikron BA.5: RKI warnt vor Entwicklung der Corona-Subvariante – auch BA.4 verdoppelt sich jede Woche

Im Corona-Wochenbericht ließ das RKI verlauten, dass die Omikron-Varianten BA.4 und BA.5 in wenigen Wochen den Großteil der positiven Corona-Infektionen ausmachen werden. Omikron BA.5, dessen Symptome, Verlauf und Inkubationszeit sich nach derzeitigem Kenntnis relativ ähnlich verhalten wie die Omikron-Variante BA.2, hat laut dem Bericht in einer Stichprobe von vorletzter Woche einen Anteil von zehn Prozent, was einer Verdopplung der Infektionen mit der Corona-Variante gleichkommt. Bei BA.4 zeichnet sich mit 2,1 Prozent in etwa ein ähnliches Bild ab.

„Aller Voraussicht nach werden sich diese beiden Sublinien stärker verbreiten, sodass es auch insgesamt zu einem Anstieg der Infektionszahlen und einem erneut verstärkten Infektionsdruck auf vulnerable Personengruppen schon im Sommer kommen kann“, warnte das RKI mit Nachdruck in dem Bericht. Demnach zweifelt das RKI bei der Verbreitung der Omikron-Subvarianten an der dem Einfluss von saisonalen Effekten des Sommers, die einer Verbreitung der beiden Corona-Varianten zumindest ein stückweise Einhalt gebieten könnten. Die Nichtbeachtung der Verhaltensregel sind hier aber einige der Hauptgründe für die Verbreitung der Omikron-Subvarianten.

Todesfälle durch Omikron BA.5 steigen in Portugal an Drosten „etwas beunruhigt“ – „keine offensichtlichen Erklärungen“

Derweil schaut Virologe Christian Drosten „etwas beunruhigt“ in Richtung Portugal, wo mehr als 87 Prozent auf den Omikron Subtyp BA.5 zurückgehen. Denn dort steige eben nicht nur die Corona-Inzidenz, sondern neben den Neuinfektionen mit der Corona-Variante auch die Todesfälle durch Omikron BA.5, welches wohl nach aktuellem Forschungsstand ähnlich Symptome zeigt wie Omikron BA.2.

„Dafür gibt es keine offensichtlichen Erklärungen, denn auch andere europäische Länder haben BA.5-Anstiege ohne Zunahme der Letalität. In einem Monat werden wir wissen, ob sich etwas Ähnliches auch bei uns einstellt“, sagt Drosten im Zusammenhang mit den steigenden Sterbefällen durch Omikron BA.5 in Portugal.

Neue Welle durch Omikron BA.5 bereits im Sommer? Epidemiologe Scholz rechnet aktuell nicht mit starkem Anstieg

Während Christian Drosten mit einem besorgten Auge nach Portugal schielt, wo möglicherweise die Maskenpflicht aufgrund des Infektionsgeschehens durch Omikron BA.5 wieder ein Thema sein könnte, zeigt sich Epidemiologe Markus Scholz weniger beunruhigt. Seiner Ansicht nach spielt die kürzlich überstandene Corona-Welle aufgrund von Omikron BA.2 dabei eine entscheidende Rolle. Somit sieht Scholz wenig Gefahr, dass es bereits im Sommer durch BA.5 zu hohen Inzidenzen in Deutschland kommen könnte.

Im Interview mit dem Nachrichtenportal Watson erklärte der Wissenschaftler vom Institut für medizinische Informatik, Statistik und Epidemiologie der Universität Leipzig: „Wir haben in Deutschland gerade eine weitgehende Durchseuchung durch die BA.2-Variante erlebt.“ Dadurch sei der Immunschutz in der Bevölkerung aktuell noch hoch. 

Nichtsdestotrotz gibt Scholz einen Unterschied bei der Omikron BA.5 im Vergleich zu Omikron BA.2, bei der nach der Inkubationszeit folgende Symptome auftreten, zu bedenken. „Sie unterscheidet sich (…) durch einige wenige Mutationen, die aber zu einer Reduktion der Immunwirkung führen.“

Drosten erwartet lange anhaltende Corona-Welle durch Omikron BA.5

Im Hinblick auf die Gefahr einer neuen Corona-Welle im Herbst und Winter durch Omikron BA.5 sieht Drosten dann noch einiges an Handlungsbedarf, da sich zwei Effekte einstellen könnten: „Erstens verlieren die größten Teile der Bevölkerung bis zum Herbst den Übertragungsschutz, zumal bei den jetzt zirkulierenden Varianten die Übertragbarkeit nochmals erhöht ist. Zweitens wird die Politik wegen des erreichten Impferfolgs zunächst weniger Kontrollen anwenden.“

Des Weiteren spekuliert Drosten, es werde zu sehr vielen Fällen spätestens ab Oktober kommen. Dies könne sich, anders als bei einer schweren Grippewelle, wohl bis März hinziehen und personalsensitive Bereiche belasten. „Es wird schwierig sein, dies allein über eine Impfkampagne abzumildern“, führte der Virologe Drosten weiter aus. Wer noch keinen Impfschutz habe, sollte „einmal mehr dazu ermutigt werden, das nachzuholen“. Mit ihrem Arzt über eine Auffrischung zu sprechen, riet Drosten Älteren und Menschen, die einer Risikogruppe zuzuordnen sind.

Omikron BA.5: Lauterbach kann sich eine Verschärfung der Corona-Regeln in Form von Maskenpflicht in Innenräumen vorstellen

Omikron BA.5 treibt auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach um. Der SPD-Politiker kann sich der derzeit laut eigener Aussage in Bild ein Comeback der FFP2-Maske „gut vorstellen“. Die Verschärfung der Corona-Regeln, vor allem eine mögliche Maskenpflicht in Innenräumen, könnte wieder auf den Tisch, sollten die Inzidenz-Zahlen durch die Omikron-Variante wieder durch die Decke gehen.

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