Kolumne vom Meteorologen Dominik Jung

Kälte-Comeback oder Milder-Absturz? Wetter-Prognosen drehen durch – so wird der Dezember

GFS und ECMWF senden widersprüchliche Signale. Zwischen Frostpotenzial und möglichen 10-Grad-Phasen bleibt der Dezembertrend unsicher. Eine Wetter-Kolumne von Dominik Jung.

Kassel – Die aktuellen Läufe der beiden großen Wettermodelle, dem amerikanischen GFS und dem europäischen ECMWF, zeigen eine ungewöhnlich große Bandbreite an möglichen Entwicklungen für den Dezember 2025. Zwar tauchen immer wieder Berechnungen auf, die ein fortgesetztes kaltes Muster mit Frost, Schnee und teils eisigen Nächten anzeigen, doch fast ebenso häufig erscheinen milde Lösungen.

Das europäische Wettermodell ECMWF rechnet wie hier immer wieder mit starker Milderung Anfang Dezember.

Diese Modellvielfalt zeigt, wie sensibel die Großwetterlage derzeit reagiert. Kleine Änderungen in der Höhe können entscheiden, ob sich kontinentale Kaltluft ausbreitet oder ob atlantische Tiefdrucksysteme mildere Luft nach Mitteleuropa lenken. Dadurch bleibt der winterliche Trend nach wie vor auf dünnem Eis.

Kommt ein „Dezember-Reload“ wie in früheren Jahren?

Viele fragen sich, ob ein winterlicher Dezember ähnlich wie 2010 möglich wäre. Beide Jahre gelten als Beispiele für markante Wetterverläufe, allerdings mit völlig unterschiedlichen Charakteren. Während 2010 wochenlange Schneedecken und strenge Frostlagen prägte, brachte 2014 letztlich einen eher unspektakulären und häufig milden Dezember.

Die derzeitige Lage lässt sich mit keinem dieser Jahre direkt vergleichen. Immer wieder schieben die Modelle sehr milde Phasen ein, in denen Temperaturen über 10 Grad möglich sind. Gleichzeitig ist aber auch ein Kaltblock in höheren Breiten vorhanden, der zeitweise den Weg nach Mitteleuropa finden könnte. Diese Gegensätze machen eine belastbare Prognose besonders schwierig.

Warum die Lage 2025 anders ist als im Dezember 2010

Der Winter 2010 wurde von einem extrem stabilen Hochdruckblock über Nordskandinavien geprägt. Dieses Muster sperrte wochenlang milde Atlantikluft aus und führte zu einer dauerhaften Ost- bis Nordostströmung. Solch ein blockierendes Muster ist aktuell nicht in derselben Stärke erkennbar. Zwar zeigen einige Modellläufe immer wieder Ansätze, doch sie brechen oft nach wenigen Tagen zusammen. Ohne ein vergleichbar robustes Hochdruckbollwerk bleibt der Kaltluftzufluss wackelig und anfällig für atlantische Gegenoffensiven. Daher ist ein durchgehend winterlicher Dezember zwar nicht ausgeschlossen, aber deutlich unwahrscheinlicher und stark abhängig von kurzfristigen Entwicklungen.

Rubriklistenbild: © www.wetterzentrale.de

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