Forscher geben Tipps für langes Leben

Studien zur Lebenserwartung: Der falsche Lebensstil kann 22 Jahre kosten

Oder, positiv formuliert: Wer auf sich achtet, kann viele Jahre länger leben. Das zeigen mehrere aktuelle Studien. Was ein Experte empfiehlt.

Heidelberg – Ein gesundes, langes Leben ist der Traum vieler Menschen. Auch aus diesem Grund forschen Wissenschaftler seit Jahren an einem Rezept dafür. Sie fragen sich: Kann man es durch einen gesunden Lebensstil und Vitaminpräparate verlängern? Lässt sich aus den Forschungsergebnissen eine Pille für ein langes Leben entwickeln?

Nach Angaben des Bundes haben 65-jährige Männer noch eine eine verbleibende Lebenserwartung von 17,9 Jahren. 65-jährige Frauen leben im Schnitt noch weitere 21,1 Jahre. Was kann man selbst tun, um die Lebenserwartung zu erhöhen?

Wir stellen Ihnen hier einige neue Studienergebnisse vor. Unter anderem von der Universität Heidelberg, die herausgefunden hat, dass man mit einem guten Lebensstil sein Leben um bis zu 22 Jahre verlängern kann.

Studien zur Lebenserwartung: Der falsche Lebensstil kann 22 Jahre kosten

Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg haben in einer aktuelle Studie herausgefunden, dass Männer mit sehr ungesunden Lebensgewohnheiten und einem ungünstigen Biomarker-Profil bis zu 22 Jahre kürzer leben – oder auch, 22 Jahre früher sterben.

Für die aktuelle Untersuchung griffen die Forscher um Professor Rudolf Kaaks auf die Gesundheitsdaten von über 25.000 Teilnehmern ihrer EPIC-Studie zurück. Zu Beginn dieser Studie Ende der 90er Jahre waren alle Erwachsenen mindestens 40 Jahre und zunächst frei von Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs. Die Untersuchung hatte bereits gezeigt, dass ein ungesunder Lebensstil dieser Personen durch Rauchen, Übergewicht, ungesunde Ernährung, starken Alkoholkonsum und körperliche Inaktivität der Grund für die Hälfte der vorzeitigen Todesfälle bis zum Jahr 2014 war.

Für die jetzige Studie analysierten die Forscher das Blut von 2.571 Teilnehmern der Studie, welche bis zum Ende der Nachbeobachtungsperiode 2014 verstorben waren, sowie auch bei einer repräsentativer Sub-Kohorte von 3218 EPIC-Heidelberg Teilnehmern als Vergleichsgruppe. Das DKFZ-Team analysierte zusätzlich zu den lebensstilbezogenen Risikofaktoren auch Blut-Biomarker, mit denen sich das biologische Alter bestimmen lässt. Blut-Biomarkern korrelieren eng mit der Lebenserwartung und sind zuverlässig und einfach messbar.

Studien zeigen: Wer einen gesunden Lebensstil hat, kann bis zu 22 Jahre länger leben. (kreiszeitung.de-Montage)

Studie zur Lebenserwartung aus Heidelberg zeigt: Rauchen verkürzt das Leben um sehr viele Jahre

Mit der kombinierten Analyse aus biologischem Alter (ermittelt durch das Blut) und dem Lebensstil der Studien-Teilnehmer konnten die Forscher große Unterschiede für die Lebenserwartung dieser Menschen vorhersagen.

Das Ergebnis: Ein Fünftel der Männer, die am ungesündesten lebten und schlechte Serummarker im Blut hatten, lebten im Vergleich zu der günstigsten Gruppe 22,7 Lebensjahren kürzer. Bei den Studienteilnehmerinnen betrug diese Differenz 14 Jahre.

Bei diesen enormen Werten interessiert es natürlich, was man selbst für ein langes Leben tun kann. Beziehungsweise, welche ungesunden Gewohnheiten man lieber lassen sollte. Professor Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) sagt im Gespräch mit kreiszeitung.de: „Von allen Faktoren ist das Rauchen mit Abstand am schädlichsten für die Gesundheit und verkürzt somit auch am meisten die Lebenserwartung.“ Das Problem sei, dass junge Menschen sich unsterblich fühlen würden, dann mit dem Rauchen anfingen und es dann nicht mehr lassen könnten. „Die jungen Menschen sind sich nicht bewusst, dass Zigaretten Gift sind.“ Daher ist er auch dafür, den Preis für Zigaretten zu erhöhen.

Studien zur Lebenserwartung: Auch im Alter lohnt es sich noch, mit dem Rauchen anzuhören

Wer älter ist und sich jetzt denkt, es sei nach einem genussvollen Leben mit Alkohol und Zigaretten zu spät, um jetzt noch auf die Lebenszeit einwirken zu können, der irrt. Laut Kaaks belegen viele Studien, dass man, wenn man mit 60 Jahren aufhöre zu rauchen, noch viele Jahre Lebenszeit zurückgewinnen könne.

Das belegt zum Beispiel eine Studie vom Forschern des Wellcome Trust Sanger Institute in Großbritannien. Die Forscher hatten in ihrer Studie Zellen aus der Epithel (oberste Zellschicht des Haut- und Schleimhautgewebes) aus Bronchien von Kindern, Nichtrauchern und ehemaligen Rauchern mit denen von Rauchern verglichen. Die Untersuchung ergab: Nachdem Menschen aufhörten zu rauchen, wurden die genetischen Schäden durch das Inhalieren von Rauch in einem Teil der Zellen repariert.

Zwar war die Studie mit 16 Teilnehmern nur sehr klein, wie deutschlandfunk.de berichtet. Doch Studienleiter Peter Campbell sagt, das Aufregende an der Studie sei trotzdem, dass sie zeige, „dass es niemals zu spät ist, aufzuhören“. „Wir hatten solche langjährigen Raucher in unserer Studie und auch bei ihnen haben wir gesehen, dass die Lungenzellen repariert werden.“

Weitere Studie zur Lebenserwartung: Gibt es irgendwann die Pille für ewige Jugend?

Forscher der University of California Irvine haben in einer aktuellen Studie herausgefunden, wie es gelingen kann, das Immunsystem zu verjüngen und das Risiko für Infektionen zu senken. Die Ergebnisse stellten sie jetzt im Fachjournal „Nature Aging“ vor.

Das Ergebnis: T-Zellen (T-Leukozyten), die auch für die Abwehr von Corona-Viren zuständig sind, sind enorm wichtig für unser Immunsystem. Doch ihre Effektivität nimmt mit steigendem Alter ab, wie heilpraxis.net berichtet. Das bedeutet: Wir werden anfälliger für Krankheiten. Die Studie zeigt, dass das Risiko für schwere Infektionen ab 65 Jahren drastisch zunimmt. Ein Beispiel: In den USA sind fast 90 Prozent der jährlichen Grippetoten mindestens 65 Jahre alt. Doch was bringt diese Erkenntnis für ein langes Leben?

„Durch diese Studie haben wir ein neues Verständnis dafür gewonnen, warum ältere Erwachsene anfälliger für Infektionskrankheiten sind, was uns in die Lage versetzen wird, potenzielle neue Behandlungen zu identifizieren“, erläutert Studienerstautor Michael Demetriou. Dem Neurologie-Professor zufolge hat sein Team einen potenziellen Jungbrunnen für das Immunsystem entdeckt. Denn anhand solcher Studienergebnisse hoffen Forscher seit langen, irgendwann einmal ein Rezept für ein langes Leben entwickeln zu können. Eine Pille als Garant für eine lange Lebenszeit quasi. Das wäre mit Sicherheit ein Kassenknüller.

Weitere Studie zur Lebenserwartung aus Norwegen: Die richtige Ernährung schenkt 80-Jährigen drei Jahre

Bis es diese Pille gibt, müssen wir wohl noch weiter in den (bitteren) Apfel beißen, uns also gesund ernähren und auf uns achten.

Ein norwegisches Team der Universität Bergen hat in einer aktuellen Studie herausgefunden, dass sich eine Ernährungsumstellung statistisch gesehen auf die Lebenserwartung auswirkt. Die Forscher empfehlen, auf Fleisch zu verzichten und dafür mehr Hülsenfrüchte (Linsen, Bohnen und Erbsen) und Vollkornprodukte zu essen. Auch effektiv: mehr Obst, Gemüse und Fisch essen.

Laut der Forscher könne dies tatsächlich das Leben verlängern. Denn mit dieser Ernährung könne ein Mensch, der sich zuvor ungesünder ernährt habe, deutlich an Lebenszeit gewinnen: Ein 20-Jährige sogar mehr als 10 Jahre, ein 80-Jähriger immerhin noch mehr als 3 Jahre. Die Umstellung lohne sich bis ins hohe Alter, so die erfreuliche Erkenntnis der norwegischen Forscher.
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Rubriklistenbild: © Ana Fernandez/imago

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