FAQ
Affenpocken: Symptome, Impfung und Übertragung – alle wichtigen Infos zum Erreger
2600 Fälle in Deutschland, Tote in Spanien, Notstand in New York: Die Affenpocken werden gefährlicher. Der aktuelle Stand – und wie Sie sich schützen.
Hamburg – Neben Corona versetzt ein weiteres Virus die Welt in Sorge: Affenpocken, auf Englisch Monkeypox. Mittlerweile gibt es weltweit mehr als 18.000 bestätigte Fälle, alleine in Deutschland sind es 2.677 (Stand 1. August). In der EU gibt es derzeit die meisten Fälle an Affenpocken. Alle weisen nach der Übertragung die typischen Symptome auf.
Mittlerweile sind weltweit neun Männer an dem Virus gestorben, zwei davon in Spanien. Bei mindestens drei der Toten wurde eine Gehirnentzündung festgestellt. Nun wird geprüft, ob sie an Vorerkrankungen litten. Hatten sie eine Impfung erhalten?
Im US-Bundesstaat New York wurde jetzt der Notstand ausgerufen, die Weltgesundheitsorganisation (WHO) spricht von „höchster Alarmstufe“.
Affenpocken: Symptome, Impfung und Übertragung – alle aktuellen Infos zum Virus
Wer sich mit dem Virus infiziert, hat nicht nur grippeähnliche Symptome. Nach einigen Tagen bekommen Betroffene hässliche Pusteln am ganzen Körper, die ähnlich wie Windpocken aussehen – nur größer. Vor allem für Kinder kann die Übertragung von Affenpocken gefährlich werden.
Affenpocken gehen auch in Deutschland um. Können Affenpocken nur beim Geschlechtsverkehr übertragen werden? Was sind die Symptome? Wer bekommt die Impfung? Und wie gefährlich sind Affenpocken wirklich? In diesem FAQ erhalten Sie Antworten auf all Ihre Fragen. Der Artikel wird laufend aktualisiert.
Affenpocken in Deutschland: Was sind Affenpocken?
Neu ist das Virus nicht. Allerdings sind Affenpocken eine eigentlich seltene Viruserkrankung. Die erste Infektion bei Menschen wurde bereits 1970 festgestellt – bei einem Kind im Kongo. In Zentral- und Westafrika hat es in den letzten Jahren immer wieder Fälle gegeben.
Affenpocken sind eine Zoonose. Zoonosen sind Infektionskrankheiten, die von Bakterien, Parasiten oder Viren verursacht werden, und die zwischen Menschen und Tieren übertragen werden können. Allerdings bekommen Menschen die Krankheit nicht nur von Affen, wie der Name vermuten lässt. Häufige Überträger sind neben Affen auch Nagetiere.
Affenpocken: Wie stecke ich mich mit dem Virus an? Durch Tiere und Geschlechtsverkehr
Auch weitere Säugetiere können das Virus übertragen. Menschen können sich beim engen Kontakt mit infizierten Tieren anstecken. Ein klassischer Infektionsweg ist in Afrika das Verspeisen von „bushmeat“, also selbst erlegten Tieren aus dem tropischen Regenwald.
Derzeit stecken sich die Menschen vor allem über Geschlechtsverkehr an.
Affenpocken – Vorkommen: In welchen Ländern gibt es Fälle von Affenpocken?
Normalerweise brechen Affenpocken nur in Afrika aus. Doch Anfang Mai 2022 ist die Viruserkrankung auch in Großbritannien entdeckt worden, und breitet sich seitdem weltweit aus, über 18.000 Fälle sind bekannt. Besonders viele Fälle des Virus gibt es in Europa.
Affenpocken: Wie viele Fälle von Affenpocken gibt es in Deutschland?
Am 20. Mai wurde der erste Affenpocken-Fall in Deutschland gemeldet. Mittlerweile gibt es 2.677 Fälle von Affenpocken deutschlandweit (Stand 1. August). Sie wurden in jedem der 16 Bundesländer nachgewiesen.
Affenpocken: Wie lange ist die Inkubationszeit?
Der zweite Fall des Affenpockenvirus in Deutschland war ein Berliner Patient. Er hatte sich vermutlich vor einer Woche bei einer Party in einem Club in Berlin angesteckt. Der Zeitraum passe zu der für Affenpocken typischen Inkubationszeit von fünf bis 20 Tagen, so sein Arzt.
Affenpocken: Auch Kinder können sich mit dem Virus infizieren
Wie der Berliner Infektiologe Heiko Jessen der „Berliner Zeitung“ bestätigt hat, hatte sich Anfang Juni das erste Kind mit Affenpocken in Deutschland infiziert. Dass sich Kinder mit den Affenpocken infizieren kommt vor, ist aber sehr selten. Zuletzt hatten sich Ende Juli zwei Kinder in den USA mit dem Affenpockenvirus infiziert. Nach Angaben der US-Behörde befänden sich die Kinder in einem gutem Zustand. Man gehe davon aus, dass die Übertragung im Haushalt geschehen ist.
Affenpocken Übertragung: Wie werden Affenpocken übertragen? Infektion von Mensch zu Mensch über sexuelle Handlungen– auch über das Küssen
Affenpocken werden eigentlich bei engem Kontakt mit Tieren, meistens mit Nagetieren, übertragen. Wie das RKI meldet, können sich Menschen vor allem durch Kontakt mit Hautstücken, Blut, Gewebe oder Ausscheidungen infizierter Tiere und beim Umgang mit dem Fleisch erkrankter Tiere infizieren.
Bei den jetzigen Fällen sind die Affenpocken aber von Mensch zu Mensch weitergegeben worden. „Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und nur bei engem Kontakt möglich, kann aber durch Kontakt mit Körperflüssigkeiten oder Schorf der Affenpocken-Infizierten auftreten, vermutlich auch im Rahmen von sexuellen Handlungen“, schreibt das Robert-Koch Institut (RKI). Allerdings, und das ist besorgniserregender, ist derzeit wohl auch eine Infektion durch ausgeschiedene Atemwegssekrete möglich. Auch durch Küssen kann das Virus übertragen werden, wie der Infektiologe Alexander Zoufaly gegenüber Puls 24 bestätigt.
UKHSA has detected four new cases of monkeypox – three in London and one in the North East of England 🧵Thread:
— UK Health Security Agency (@UKHSA) May 16, 2022
These cases do not have known connections to the previous confirmed cases announced on May 7 and May 14. Read more: https://t.co/e8jksQo9Av
Affenpocken: Warum infizieren sich so viele Männer mit Affenpocken? – Warnung vor Stigmatisierung
Vor allem Männer, die Sex mit Männern haben, infizieren sich mit Affenpocken. In mehreren Ländern wurde gemeldet, dass vor allem schwule Männer das Virus bekommen. Häufig mit Hautausschlägen im Genitalbereich. Angesichts dieser Berichte warnt die Deutsche Aidshilfe vor falschen Schlussfolgerungen und Stigmatisierung, wie ntv berichtet.
Dennoch werden homosexuelle Männer aufgefordert, auf ungewöhnliche Ausschläge oder Verletzungen an ihrem Körper, insbesondere im Genitalbereich, zu achten.
Wie lange ist die Inkubationszeit bei Affenpocken?
Die Inkubationszeit für Affenpocken beträgt laut RKI zwischen 7 und 21 Tagen.
Welche Symptome gibt es bei Affenpocken? Erst grippeähnliche Symptome, dann Pocken am ganzen Körper
Erste Symptome von Affenpocken ähneln denen einer Grippe:
- Fieber
- Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen
- geschwollene Lymphknoten
- Schüttelfrost
- Erschöpfung
- Hautausschlag, Pocken
- Abgeschlagenheit
- (Schmerzen beim Stuhlgang)
- Entzündungen in der Anal- und Genitalregion
Affenpocken: Symptome und Verlauf des Virus – Hautausschlag ähnelt Windpocken oder Syphilis
Einige Tage später entwickelt sich bei Infizierten ein pockenähnlicher Hautauschlag. Die Affenpocken können nicht nur, wie bei den bestätigten Fällen, zunächst im Genitalbereich auftreten – sondern auch im Gesicht oder an den Armen. Später breiten sie die eitrigen Blasen und Pocken dann über den ganzen Körper aus.
Der Ausschlag sehe je nach Phase unterschiedlich aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln. In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien.
Wie gefährlich sind Affenpocken? Ist das Virus tödlich?
Im Gegensatz zu den seit 1980 ausgerotteten Menschenpocken verlaufen Affenpocken in der Regel deutlich milder, meldet das RKI. Die meisten Menschen würden sich innerhalb von mehreren Wochen von dem Virus erholen. Insgesamt sei die Prognose daher als günstig zu bewerten. Offenbar hatten die neun Todesfälle wegen Affenpocken weltweit Vorerkrankungen. Das wird derzeit untersucht.
Affenpocken gelten in der Regel nicht als gefährlich. Allerdings könnten bei einigen Betroffenen von Affenpocken auch schwere Verläufe auftreten, vor allem bei jungen Kindern. Bei Kindern unter 16 Jahren, die mit der zentralafrikanischen Virusvariante infiziert sind, beobachtet man eine Sterblichkeitsrate von bis zu 11 Prozent.
Aufpassen sollten Menschen, die etwa eine Immunschwäche haben, zum Beispiel HIV- oder Tumor-Patienten. Derzeit wird diskutiert, diese Risikogruppen mit einer Impfung zu schützen (siehe Informationen zur Impfung weiter unten).
Welche Medikamente gibt es gegen Affenpocken? Wie ist die Therapie?
Bei einer Infektion mit Affenpocken erfolgt die Therapie laut RKI in erster Linie symptomatisch und supportiv. Wichtig sei das Verhindern bakterieller Superinfektionen. Eine gute Nachricht: Ein zur Behandlung von Orthopockenvirus-Infektionen entwickeltes Arzneimittel wurde kürzlich in der EU auch zur Behandlung der Affenpocken zugelassen (Tecovirimat).
Ein Problem gibt es aber: Das Medikament Tecovirimat gilt zwar als Gegenmittel bei Affenpocken, ist aber nicht flächendeckend verfügbar.
Wie schütze ich mich vor einer Infektion mit Affenpocken? „Geschlechtsverkehr überdenken“
Das Robert Koch-Institut empfiehlt, Hygienemaßnahmen beim Umgang mit Erkrankten zu beachten, um sich vor einer Übertragung oder Infektion mit Affenpocken zu schützen. Bei den bisherigen Fällen waren zu 98 Prozent Männer betroffen, die häufig wechselnden Geschlechtsverkehr mit anderen Männern hatten.
Die WHO betonte im Juli aber, dass sich grundsätzlich jeder durch engen Kontakt mit anderen Menschen (Umarmungen, Küsse oder kontaminierte Handtücher und Bettwäsche) anstecken kann. Die WHO empfiehlt, Geschlechtsverkehr mit neuen Partnern zu überdenken und mit jedem Partner Kontaktdaten auszutauschen, um ihn bei Bedarf kontaktieren zu können.
Affenpocken: Vor allem Männer infizieren sich – Risikogruppen muss man nun „ehrlich ansprechen“
Lauterbach sagte im Mai, dass sich nach bisherigen Erkenntnissen in erster Linie Männer mit Affenpocken infizierten, die sexuelle Kontakte mit Männern gehabt hätten. Es gelte, die Risikogruppen nun ehrlich anzusprechen. Das sei zu ihrem Schutze und dürfe nicht falsch als Stigmatisierung verstanden werden. Der Minister appellierte an alle diejenigen, die anonymen Sex mit Männern gehabt haben, auf Hautveränderungen und Fieber zu achten und sich im Falle eines Verdachtes sehr schnell in medizinische Behandlung zu begeben.
Affenpocken: Gibt es eine Impfung gegen Affenpocken?
Ja, es gibt eine Impfung gegen Affenpocken. Den Affenpocken-Impfstoff Imvanex. Dieser ist jetzt auch in der EU zugelassen. Deutschland hat davon 45.000 Impfdosen an die Bundesländer verteilt. Vor allem Berlin und Nordrhein-Westfalen hätten aufgrund des Bedarfs einen Großteil der ersten Lieferung erhalten. Der Impfstoff ist aber nicht für die breite Bevölkerung vorgesehen.
Das Problem: Es werden viel mehr Impfdosen benötigt. Denn die Affenpockenimpfung wird mit zwei Einzeldosen im Abstand von mindestens vier Wochen verabreicht. Damit könnten also 22.500 Menschen vollständig geimpft werden. Laut Schätzungen des Robert Koch-Instituts (RKI) besteht die Risikogruppe in Deutschland schätzungsweise aus 130.000 Menschen – es bräuchte also 260.000 Impfdosen, um alle zu schützen.
Affenpocken: Wer bekommt den Impfstoff Imvanex?
Wer bekommt also den begehrten Impfstoff Imvanex gegen Affenpocken? Eine Impfung wird in Deutschland derzeit nur Menschen mit erhöhtem Risiko verabreicht. Vor allem Kontaktpersonen von Infizierten (Ringimpfungen).
++Transparenzhinweis: Dieser Artikel wurde zuletzt am 1. August aktualisiert.++
