„Müssen Jugendliche lernen“

Uralte Fähigkeit erlebt ein Comeback an Schulen – „werden sich schwertun“

Durch verstärkte KI-Nutzung gewinnt eine alte Fähigkeit neue Bedeutung – ein Jugendforscher verdeutlicht, warum junge Menschen sie für Erfolg brauchen.

Künstliche Intelligenz (KI) kann Schülerinnen und Schülern heutzutage bei vielen Aufgaben sinnvoll unterstützen: Mit Chatbots wie ChatGPT oder Gemini können sie sich längere Texte zusammenfassen lassen oder Grafiken für Präsentationen erstellen. Auf der anderen Seite kann eine übermäßige Nutzung auch zum Problem werden, etwa wenn die Kinder und Jugendlichen Aufsätze komplett von einer KI schreiben lassen.

Das bereitet nicht nur Lehrkräften Sorgen: „KI macht das Leben als Schüler zu Hölle“, berichtet ein 18-Jähriger vor wenigen Monaten im Online-Forum Reddit. Viele seiner Mitschüler würden gute Noten für KI-generierte Hausaufgaben bekommen. „Leute wie ich, die keine KI benutzen, kommen im Unterricht nicht mehr hinterher“, schreibt er.

Wie können Schulen und Bildungseinrichtungen dafür sorgen, dass Schüler die Hausaufgaben selbstständig erledigen und die Texte auch tatsächlich schreiben? Der Jugendfoscher Simon Schnetzer geht davon aus, dass eine bestimmte Fähigkeit wieder stärker in den Fokus rücken wird: „Immer mehr Schulen, Universitäten und Ausbildungsstätten setzen wieder auf handschriftliche und mündliche Prüfungen“. Plötzlich zähle wieder, „wie schön Jugendliche schreiben“, teilt er in einem Post auf Linkedin. Er vermutet, dass sich „einige Jugendliche schwertun werden, die mit der Tastatur besser klarkommen als mit Füller und Kuli“.

Jugendforscher: Es wird ein vorübergehendes Comeback der Handschrift geben

Wir haben Schnetzer gefragt, ob handgeschriebene Texte langfristig wieder in Schulen und Unis zurückkehren werden: „Ich sehe eher ein vorübergehendes Comeback der Handschrift, weil Hausarbeiten aktuell nicht sinnvoll geprüft und bewertet werden können“, sagt er BuzzFeed News Deutschland von Ippen.Media. Die Bildungslandschaft werde sich mit KI weiterentwickeln und sowohl die Lehre als auch die Prüfungen verändern. „Es ist aber wahrscheinlich, dass ein gewisses Maß an handschriftlichen Prüfungen bleibt“.

Die analoge Handschrift könnte ein Comeback erleben, sagt ein Jugendforscher.

Schnetzer halte es „auf keinen Fall für sinnvoll“, KI aus der Bildung auszuschließen. „Jugendliche müssen sogar lernen, gut damit zu arbeiten, um später erfolgreich zu sein“. Der Einsatz von Künstlicher Intelligenz würde derzeit sämtliche Branchen und Berufe verändern und es sei fahrlässig, junge Menschen nicht darauf vorzubereiten. Wichtig sei, dass Jugendliche durch den Einsatz von KI „nicht das Denken verlernen, sondern clever mit KI umgehen und Ergebnisse hinterfragen können“, sagt der Jugendforscher.

Mündliche Prüfungen sollen beweisen, was Schüler verstanden haben

Um die Eigenleistung von Schülern in Prüfungen und Hausaufgaben zu garantieren, schlägt Schnetzer vor, eine Selbsterklärung für den Umgang mit KI einzuführen. Außerdem werde es mehr mündliche Prüfungen geben, in denen Jugendlichen ihre Arbeiten vorstellen und verteidigen – somit lasse sich „sehr zuverlässig prüfen, ob die Inhalte bekannt sind, verstanden werden und weitergedacht werden können“.

Auch die Lehrerin Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrerinnen- und Lehrerverbands stellt fest: „Wir erkennen, dass sich die Lernwelt verändert hat“. Das müsse auch die Gesellschaft und die Politik verstehen: „Proben, Schulaufgaben, Feedback müssen neu gedacht werden“, um auf den rasanten technologischen Wandel zu reagieren.

Der Jugendforscher weist auf einen weiteren Vorteil des handschriftlichen Schreibens hin: Aus der Hirnforschung sei bekannt, dass beim Aufschreiben von Lerninhalten Verknüpfungen im Kopf geschehen, bei das Wissen besser gespeichert werde. „Zudem fördert das analoge Schreiben, bei mir zumindest, eine besondere Art von Kreativ-Zustand und Ideen“, berichtet Schnetzer.

Rubriklistenbild: © IMAGO / Cavan Images

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