Erneuerbare Energien
Windkraft in Deutschland: Warum Windräder oftmals abgeschaltet werden
Windkraft in Deutschland ist ein wichtiger Baustein der Energiewende. Doch obwohl Energie ein knappes Gut ist, bleiben manche Windräder zeitweise stehen. Warum?
Berlin – Deutschland versucht, den Ausbau Erneuerbarer Energien massiv voranzutreiben. Das ist nicht erst seit Beginn des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine so, der europaweit zu einer Energiekrise geführt hat, sondern auch den im Klimaabkommen festgehaltenen Zielen geschuldet, durch die sich das Land langfristig grüner aufstellen muss und möchte. Windkraft in Deutschland soll dabei zum Plus werden.
Windkraft in Deutschland: Windkraftanlagen stehen trotz guter Gegebenheiten mitunter still
Bis 2030 sollen 80 Prozent des in Deutschland erzeugten und verbrauchten Stroms aus erneuerbaren Energiequellen kommen – derzeit kratzt Deutschland an der 50-Prozent-Marke. Besonders wichtig ist die Windkraft. Sie war hierzulande lange der wichtigste erneuerbare Energieträger und ist mittlerweile sogar der wichtigste Stromerzeuger überhaupt.
Dabei produzieren sie nicht durchgehend Strom, denn dafür muss Wind wehen. Doch selbst wenn ausreichend Wind weht, stehen manche Windkraftanlagen still. Das kann unterschiedliche Gründe haben: Artenschutz, Wartungsarbeiten, drohende Netzüberlastungen, Eiswurf oder zu starker Wind können Gründe dafür sein, dass die Anlagen ihre Rotorblätter aus dem Wind rausdrehen.
Verlustgeschäft mit Windkraft in Deutschland: Wann sich Erneuerbare Energien nicht rechnen
An aktuell rund 20 Tagen im Jahr stehen viele Windkraftanlagen in Deutschland aus einem anderen Grund still, wie die Tagesschau berichtet. Dann nämlich, wenn die Preise an den Strombörsen drastisch fallen. Was für den Verbraucher gut klingt, ist für den Erzeuger ein Problem, denn anstatt mit dem ins Netz eingespeisten Strom Geld zu verdienen, zahlt er in diesem Fall für jede Kilowattstunde drauf.
So berichtet Johannes Lackmann, Geschäftsführer des Windkraft-Unternehmens WestfalenWind aus Paderborn, er habe zwischen Weihnachten und Neujahr 60 Windräder aus diesem Grund abstellen müssen. „Wir wollen weg vom Gas, wir wollen Klimaschutz machen. Und dann schalten wir Anlagen ab, obwohl wir CO₂-freie Energie liefern können?“, wird Lackmann zitiert.
Windkraft in Deutschland mit einem Problem: Windräder stehen wegen Unwirtschaftlichkeit still
Zudem befürchte er, dass sich die Anzahl der Tage, an denen die Windräder in Deutschland wegen Unwirtschaftlichkeit stillstehen, bis 2026 verdreifachen könnte. Er kritisiere, dass der Strom aus seinem Bürgerwindpark nicht als Wärmestrom, sondern nur als normaler Haushaltsstrom abgerechnet werden dürfe.
Und noch ein Problem für Betreiber von Windparks in Deutschland: Da sich Windräder leicht zu- und abschalten lassen, seien sie in der Regel die ersten, die bei drohender Überkapazität abgeschaltet werden. Laut Bundesnetzagentur (BNetzA) konnten deshalb 2021 rund 5,8 Milliarden Kilowattstunden Strom, also rund ein Prozent des gesamten Strombedarfs Deutschlands, nicht eingespeist werden.
Windkraft in Deutschland: Branche rechnet mit Ausbau-Fortschritten bei Erneuerbaren Energien im Jahr 2023
Die Windkraft-Branche rechnet immerhin damit, dass der Ausbau in diesem Jahr zunimmt. Immer mehr Flächen werden für Anlagen ausgewiesen, das Bundesverfassungsgericht entschied zuletzt, dass Windräder sogar im Wald stehen dürfen. Zuvor hatte die Branche mehrfach laut Alarm geschlagen, dass der Ausbau zu langsam geschieht, da zu viele bürokratische Hürden ihn hemmen.
Und manche Bundesländer bringen sich mehr ein als andere: Im Norden wird viel auf Windkraft gesetzt, im Süden weniger. Insgesamt verfehlte Deutschland 2022 seine Klimaziele.