Britischer Experte
Corona-Inzidenz in Großbritannien: Herdenimmunität „frei erfunden“
Der Leiter der Oxford Vaccine Group schließt eine Covid-19-Herdenimmunität wegen der Delta-Variante aus. Impfstoffe seien effektiv, jedoch nicht narrensicher.
London – Corona-Herdenimmunität? Daran glaubt einer der britischen Top-Experten auf dem Gebiet der Corona-Forschung und Leiter der Oxford Vaccine Group nichts wissen. Stattdessen verwies Professor Sir Andrew Pollard aufgrund der aktuellen Covid-19-Lage den Traum von der Herdenimmunität ins Reich der Fabeln.
| Land: | Großbritannien |
| Hauptstadt: | London |
| Bevölkerung: | 66,65 Millionen (2019 |
| Premierminister: | Boris Johnson |
Das Erreichen einer Herdenimmunität ist „keine Möglichkeit“ mit der dominanten und hochansteckenden Delta-Variante, erklärte der Corona-Experte gegenüber dem Guardian.
Delta-Variante in Großbritannien: Corona-Herdenimmunität „frei erfunden“
Nach den derzeitigen Erkenntnissen, erklärte Pollard, sei deutlich, dass die Corona-Impfstoffe die Ausbreitung von Covid-19 nicht unterbinden. Dieser Umstand allein mache deutlich, dass der Schwellenwert für eine Corona-Herdenimmunität „frei erfunden“ ist.
„Das Problem mit dem Virus ist, dass er nicht mit den Masern zu vergleichen ist. Wenn 95 Prozent der Menschen gegen Masern geimpft sind, kann sich der Virus nicht in der Bevölkerung übertragen“, sagte Pollard. „Die Delta-Variante hingegen wird weiterhin Menschen infizieren, die geimpft sind.“
Delta-Variante in Großbritannien: „Wir haben nichts, was diese Übertragung komplett stoppen kann.“
Und das wiederum bedeute, dass jeder, der nicht geimpft sei, irgendwann auf das Virus treffe, so der Corona-Experte. „Wir haben nichts, was diese Übertragung komplett stoppen kann.“
Obwohl die derzeitigen Vakzine sehr effektiv seien, um einen schweren Krankheitsverlauf im Zusammenhang mit Covid-19 oder gar den Tod zu verhindern, stoppen die Corona-Impfstoffe Covid-19 nicht davor, dass sich eine vollständig geimpfte Person nicht mit dem Coronavirus ansteckt.
Das Konzept der Herdenimmunität beruht darauf, dass eine große Mehrheit der Bevölkerung gegen das Virus immun ist – durch Impfung oder eine vorherige Infektion. Dies wiederum ermöglicht indirekten Schutz für eine Ungeimpfte oder jene, die sich zuvor nicht infiziert haben, vor einer ansteckenden Krankheit.
Neue Studie zur Delta-Variante in Großbritannien: Ansteckungsgefahr deutlich geringer bei Geimpften
Eine aktuelle Studie der Imperial College London deutet an, dass die Chance, sich anzustecken, bei einer vollständig durchgeimpften Personen zwischen 18 und 64 sich um 49 Prozent geringer sei, als es für eine ungeimpfte Person der Fall wäre. Gleichzeitig kam in der Studie heraus, dass das Risiko einer durchgeimpften Person sich halbiere, falls sie mit einer infizierten Person in Kontakt käme, danach auch positiv getestet zu werden.
Etwa 75 Prozent der Bürgerinnen und Bürger im Vereinigten Königreich haben bereits die zweite Corona-Impfung.
Inzidenz in Großbritannien steigt wieder: Corona-Neuinfektionen nehmen im Vereinigten Königreich wieder zu
Längere Zeit zeigte die Kurve der Inzidenz in Großbritannien nach unten. Einem deutschen Covid-19-Experten machte die Corona-Entwicklung im Vereinigten Königreich sogar Hoffnung. Nun zeichnet sich aber seit einigen Tagen wieder eine Trendwende ab und die Corona-Neuinfektionen gehen wieder nach oben. Das liegt nicht an der neu entdeckten Corona-Mutante, sondern weiterhin an der Ausbreitung der Delta-Variante.
Nachdem die Inzidenz in Großbritannien am 3. August noch unter 266 gelegen hatte, steht sie nun wieder bei 287,1. Insgesamt wurden 23.469 Neu-Infektionen mit Covid-19 registriert. Zudem kam es zu 146 Todesfällen im Zusammenhang mit Sars-Cov-2.
Delta-Variante in Großbritannien: Booster-Impfungen für Risikogruppen in UK
Gesundheitsminister Sajid Javid erklärte bereits am Dienstag, 10. August 2021, dass es Pläne für den nächsten Monat gäbe, den meist gefährdeten Gruppen Booster-Impfungen gegen Covid-19 gleichzeitig mit der Grippe-Impfungen anzubieten.
Pollard sieht dieses Angebot aber kritisch und stellt infrage, ob die Booster-Impfungen wirklich notwendig seien. „Die Zeit für solche Booster-Impfung ist, wenn wir unter den geimpften Menschen einen Anstieg in den Krankenhausaufenthalten nachweisen können – oder im nächsten Stadium, wenn Menschen sterben.“
Auch wenn die Antikörper, so der Corona-Wissenschaftler gegen über dem Guardian weiter, nachließen, würde das Immunsystem sich wahrscheinlich über Jahrzehnte an die Impfung erinnern und so einen gewissen Grad an Schutz offerieren, falls man sich dem Virus aussetze.
„Deshalb gibt es bisher keinen Grund zur Panik.“
Impfgegner wollen Nachrichtensender BBC stürmen – Protestmarsch endet aber vor falschem Gebäude
Panik musste auch nach Angaben des Guardian die BBC nicht haben, als hunderte Impfgegnerinnen und Impfgegner für Proteste in London auf die BBC-Zentral zusteuerten.
Nach ihrer Ansicht werbe die BBC fürs Impfen. Deshalb wollten Demonstranten das Tagesgeschäft des öffentlich-rechtlichen Nachrichtensenders stören. Dumm nur, dass sie sich zum falschen Gebäude aufmachten.
Die BBC hat ihren Sitz schon vor Jahren in die Londoner Innenstadt verlegt. In dem alten Gebäude, dem Television Centre im Westlondoner Stadtteil White City, seien laut der britischen Zeitung zwar noch Fernsehstudios, diese nutze aber vor allem vom Privatsender ITV. * kreiszeitung.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.