Panama in aller Welt
Rettungscode für Hurricane-Festivalisten in Notsituationen hat sich bewährt
„Wo geht es hier nach Panama?“ Das ist der Code für diejenigen, die unter anderem auf dem Hurricane-Festival unauffällig um Hilfe bitten möchten. In den vergangenen Jahren wurde bereits vielen Festivalisten so geholfen.
Scheeßel – Wie schön eigentlich Panama ist, diese Frage hat sich wohl fast jeder in seiner Kindheit zusammen mit Janoschs Tigerente in seinem gleichnamigen Kinderbuch gestellt. Die Frage „Wo geht es hier nach Panama?“ hat, zumindest beim Hurricane-Festival, einen ganz anderen Hintergrund. Sie ist ein Code für diejenigen Besucher, die im Massentrubel an einem der Biertresen, bei Helfern oder den Sicherheitskräften unauffällig um Hilfe bitten wollen, ohne großes Aufsehen zu erregen.
„Dabei ist es egal, ob jemand sich bedrängt fühlt, zu viel getrunken hat oder angesichts der Ausnahmesituation mit den vielen Menschen einfach nur überfordert ist und eine kleine Auszeit braucht“, berichtet Inga Rossbach, beim Veranstalter FKP Scorpio eine Art „Panama-Beauftragte“. „Wir bewerten nicht – wir stellen sicher, dass schnell und unbürokratisch geholfen wird.“
Panama-Konzept seit 2017 erfolgreich
Wie es zu dem Namen des niederschwelligen Konzepts kam, welches seit 2017 so erfolgreich ist, dass namhafte andere Veranstalter im In- und Ausland die Übernahme erwägen, sodass die Frage nach Panama bald auch in Roskilde oder beim Tomorrowland gestellt werden könnte? Man habe nach einem Pendant zum im Angelsächsischen erfolgreichen „Ask for Angela“ gesucht, wie beispielsweise in Irlands Kneipen gebräuchlich.
„Aber es war uns klar, dass es kein konkreter Name sein sollte, weil ja die Gefahr besteht, dass eine Person gleichen Namens dort herumläuft – und gerade in Deutschland schon gar nicht Angela“, erinnert sich Festival-Produktionsleiter Jasper Barendregt. „Wir suchten also einen völlig absurden Namen, der gut über die Lippen geht und auch von ausländischen Besuchern leicht auszusprechen ist.“ Beim Brainstorming fiel der Name „Panama“ – ein Glücksfall, lasse dieser sich eben wegen der Assoziationen zu der heilen Welt des Kinderbuchs leicht merken.
Hilfesuchenden soll unmittelbar geholfen werden
Was passiert aber konkret, wenn jemand so um Hilfe bittet? „Wichtig ist, dass ihm oder ihr unmittelbar geholfen wird“, so Rossbach. „Was konkret das ist, hat der- oder diejenige selbst in der Hand.“
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Das könne von einem Schluck Wasser und einer kleinen Auszeit, bei Bedarf in einem gesonderten „Panama“-Bereich abseits vom Trubel, über die Begleitung zum Zelt durch einen der Festivaljobber oder Security bis zur Betreuung durch einen Sanitäter oder Seelsorger gehen. Denn: „Psychischer Stress wie in Ausnahmesituationen, als die gerade erstmalige Besucher das Festival mitunter erleben, kann sich auch in physischen Symptomen manifestieren.“
Anzahl der „Panama“-Fälle in den vergangenen Jahren unklar
Wie viele „Panama“-Fälle es in den vergangenen Jahren gab, sei schwer zu schätzen, da ja nur die Hilfeleistungen durch die Sanitäter gezählt würden. Hinter der Zahl von 40 sei eine erheblich größere Dunkelziffer anzunehmen.
Konzept soll sich international durchsetzen
Die Veranstalter von FKP Scorpio würden es begrüßen, wenn das Konzept sich auch international durchsetzt und unterstützen diesbezügliche Anfragen. „Klar ist aber auch, dass dieser Begriff mit einem bestimmten Qualitätsstandard verbunden sein muss, das heißt, es muss gewährleistet sein, dass auch tatsächlich etwas passiert“, so Barendregt. Dies soll vor allem durch Mitarbeiter-Briefings mit einem kurzen, prägnanten Leitfaden gesichert werden. „Mit ihnen steht und fällt das gesamte Projekt“, weiß Rossbach. Die beiden wichtigsten Punkte: „Der Gast muss direkt vor Ort aus der Situation herausgeholt werden und es werden keinerlei Fragen gestellt. Egal, was passiert: Es geht um ein Hilfebedürfnis!“
Auch wenn sich der Erfolg von „Panama“ nicht quantifizieren lässt, sind die Organisatoren überzeugt, auf dem richtigen Weg zu sein: „Wir haben Rückmeldungen von Besuchern, denen so geholfen wurde“, so Jasper Barendregt. „Da sind sehr berührende Geschichten dabei“ – etwa von einer jungen Frau, um die sich an einem Getränkestand spontan ein Schutzschild aus Männerrücken bildete. „Panama hilft nicht nur den Betroffenen selbst, sondern ist auch für andere ein Zeichen, dass Hilfe gewünscht ist – das macht es einfacher, sich selbst einzubringen.“
Der offizielle Timetable für das Hurricane-Festival steht bereits.