Headliner beim Hurricane-Festival

Madsen im Interview: „Hauch der Vergänglichkeit“

Johannes (l.) und Sebastian Madsen sind mit ihrer Band Stammgäste beim Hurricane. - Foto: Ralf G. Poppe.
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Johannes (l.) und Sebastian Madsen sind mit ihrer Band Stammgäste beim Hurricane.

Scheesel - Von Ralf G. Poppe. Mit dem neuen Album verarbeitet die Formation Madsen die jüngste Vergangenheit. Dazu gehören diverse Gastspiele beim Hurricane-Festival. Die Frage, wie oft sie auf dem Eichenring in Scheeßel bereits aufgetreten sind, können die Jungs jedoch nicht mehr beantworten: „Sechs Mal.“ „So oft?“ „Ich schätze, es waren eher vier bis fünf Mal...“. Im Interview sprechen Sascha und Sebastian Madsen über die Vergangenheit und wagen den Blick nach vorn.

Der Song „Mein erstes Lied“, von Ihrem neuen Album erinnert an einen Hit von Axel Bosse. Ist das Zufall?

Sebastian Madsen: Bosse singt sogar auch: „Du warst mein erstes Lied“. Ich habe ihn gleich angerufen, als ich die Ähnlichkeit bemerkte. Er meinte aber, von der Stimmung her wäre mein Lied „jünger“. Ganz frühe Teeniezeit. Sein Text ist einen Hauch erwachsener. Bei ihm spielt die Trennung inhaltlich auch keine Rolle, bei mir ist sie sehr wichtig. Auf dem neuen Album geht es jedoch weitestgehend um Angstbewältigung. Ich war übernächtigt, wollte Sachen, die wir nicht schaffen konnten. Ich stand auf der Autobahn im Stau, bekam plötzlich Herzrasen, Schweißausbrüche. Todesangst. Die Zustände kamen wochenlang immer wieder. Als ich das Thema in den Griff bekommen hatte, schrieb ich den Song „Wenn es einfach passiert“.

Direkt zum Hurricane wird am 22. Juni der Song „Sommerferien“ als Single ausgekoppelt. Ihre Band hat beim Hurricane 2012 – Tage vor dem eigentlichen Gig auf der großen Bühne – direkt auf dem Campingplatz vor dem Eichenring gespielt. Wie war das?

Sascha Madsen: Das war während der Fußball-EM nach einem Deutschland-Spiel. Wir haben auf dem Container eines Getränkeherstellers richtig laut aufgedreht. Nach dem Schlusspfiff haben wir gegenüber der großen Leinwand begonnen zu spielen. Manche Leute haben es gar nicht richtig mitbekommen. Die dachten, es wäre Disco auf dem Campingplatz, und der DJ spielt besonders viele Lieder von Madsen.

Der bisher letzte Madsen-Auftritt beim Hurricane-Festival fand vor drei Jahren statt.

Sascha Madsen: Damals sind wir ganz kurzfristig für Ben Howard eingesprungen. Am Donnerstag kam die Nachricht, am Freitag spielten wir beim Schwester-Festival Southside. Am Samstag hatte unser Live-Gitarrist „Mücke“ Geburtstag. Da sind wir mit dem Nightliner vorgefahren. Am Sonntag waren wir dann beim Hurricane. In der Eile hatten wir vieles vergessen. Aber es war echt geil, weil spontan. Und die Stimmung war gut. Eine gute Rockband muss unter allen Umständen funktionieren!

Beim Hurricane werden auch diesmal wieder unzählige Handy-Displays leuchten. Ihr Song „Keiner“ behandelt den Drang, permanent etwas posten zu müssen. Sind Ihre Erfahrungen denn so negativ?

Sebastian Madsen: Auf manchen Konzerten ist es wirklich furchtbar. Man guckt nicht mehr auf die Bühne, sondern auf Displays. Es ist sehr bedenklich, dass man da nichts dagegen machen kann.

Im Text kommt eine Stelle, wo Sie etwas essen, aber Ihr Essen nicht fotografieren.

Sebastian Madsen: „Wir haben den süßen Hauch von Vergänglichkeit gespürt“. Ich wünschte, diese Textzeile wäre von mir geschrieben worden. Sie stammt von Arezu Weitholz. Mit ihr arbeite ich seit acht Jahren zusammen. Immer dann, wenn ich nicht mehr weiter weiß. Wir quatschen dann immer. Sie textet auch für Herbert Grönemeyer. Diesmal war unser Thema der große Zwang, dass man sich überall mitteilen muss. Dass Likes zählen, die Beliebtheit. Sehr ungesund.

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