Überfüllte Tierheime in der Ferienzeit

Sommerzeit ist Urlaubszeit: Wer sein Haustier aussetzt, dem drohen bis zu 25.000 Euro

Jedes Jahr im Sommer füllen sich die Tierheime und die Zahl der ausgesetzten Tiere steigt ins Unermessliche. Mit welchen Folgen Besitzer rechnen müssen – das hat Landtiere.de bei Peta erfragt.

Jedes Jahr um die gleiche Zeit häufen sich die Meldungen über ausgesetzte Tiere und überfüllte Auffangstationen. Ein wichtiger Grund für Landtiere.de, bei der weltweit größten Tierrechtsorganisation Peta nachzufragen, mit welchen Konsequenzen Haustierbesitzer rechnen müssen, die ihre Schützlinge herzlos aussetzen.

Tiere aussetzen ist strafbar: Tätern droht eine saftige Geldstrafe

Auf Anfrage informiert Peta zunächst über die rechtliche Grundlage: „Das Aussetzen von Tieren, wie z. B. das Anbinden im Park oder das Verjagen durch den Halter oder die Personen, die das Tier in ihrer Obhut haben, ist verboten (§ 3 S. 1 Nr. 3 TierSchG).“ Doch wie sieht es mit den Konsequenzen für potenzielle Täter aus? „Das Zuwiderhandeln ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 18 Abs. 1 Nr. 4 TierSchG und kann mit einer Geldbuße in Höhe von bis zu 25.000 Euro geahndet werden.“

Wer sein Haustier aussetzt, macht sich strafbar. (Symbolbild)

„Das Verbot erfordert nicht, dass es zu einer konkreten Gefährdung des Tieres kommt“

Wer glaubt, dass harte Strafen erst dann drohen, wenn durch das Aussetzen Gefahr für das verlassene Tier besteht, der irrt, so die Organisation. Denn „das Verbot des § 3 S. 1 Nr. 3 TierSchG erfordert nicht, dass es zu einer konkreten Gefährdung des Tieres an Leben, Unversehrtheit oder Wohlbefinden kommt.“ Viel eher müsse jede Aussetzung verhindert werden, weil sie mit einer akuten Gefährdung des Tieres verbunden sei.

Ab wann eine Haftstrafe droht: „Wenn die Tiere sterben, Schmerzen haben oder leiden“

Besteht eine solche Gefährdung für Leib und Leben eines Tieres, drohen weitaus drastischere Strafen als bloße Geldbußen: „Das Aussetzen von Tieren kann darüber hinaus den Tatbestand der Tierquälerei nach § 17 TierSchG erfüllen, wenn die Tiere sterben, Schmerzen haben oder leiden, beispielsweise weil sie nicht genug Wasser oder Nahrung bekommen. In diesem Fall kann das Aussetzen mit einer Geld- oder Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren bestraft werden.“

Zu den Gefahren des Aussetzens, etwa die Gefährdung durch den Straßenverkehr oder Verhungern, käme außerdem das massive psychische Leid der Tiere hinzu, die oftmals in den Situationen völlig verzweifeln und lebenslange Traumata davontragen würden, teilt eine Tierpsychologin von Peta mit.

Aussetzen ist keine Option – wo können Haustierbesitzer ihre Lieblinge unterbringen?

Es ist nur verständlich, dass im Sommer alle Menschen ihre freie Zeit genießen möchten – und das möglichst in weiter Ferne. Doch was passiert dann mit Hund, Katze und Co.? Um derart großes Leid, wie es durch Aussetzen meist der Fall ist, zu verhindern, sollten sich Haustierbesitzer frühzeitig nach Unterbringungsmöglichkeiten für ihre Lieblinge erkundigen. Wichtig ist außerdem, sich vor einer Anschaffung genau zu überlegen, wie die Betreuung des Haustieres im Urlaubs- oder Krankheitsfall aussehen kann.

Vor dem Kauf eines Haustiers: Elf Gedanken, die Ihnen zeigen, ob ein Goldfisch vielleicht doch die bessere Wahl ist

Eine Frau arbeitet am Laptop, während ihr Hund daneben sitzt.
Die wichtigste Frage, die Sie sich vor der Anschaffung eines Haustieres stellen sollten: Habe ich ausreichend Zeit für das neue Familienmitglied? Dabei kommt es nicht nur auf Ihre Arbeitszeiten, sondern auch auf Ihre Freizeit an. Sind beispielsweise Ihre Unternehmungen tierfreundlich? Beachten Sie auch, dass ein Hund mehr Zeit in Anspruch nimmt als zum Beispiel eine Katze. © Panthermedia/Imago
Ein Mädchen führt einen Hund Gassi, im Hintergrund laufen die Eltern.
Wünscht sich nicht nur ein Familienmitglied, sondern die ganze Familie das Tier? Bevor Sie im Alleingang entscheiden oder jemandem eine Freude bereiten möchten, sollten Sie lieber mit der gesamten Familie besprechen, wie die einzelnen Mitglieder zu einem Haustier stehen. In diesem Zug können Sie gleich über eine mögliche Aufgabenverteilung sprechen. © Wavebreak Media Ltd/Imago
Ein Hund mit allerlei Hunde-Ausstattung um sich.
Haustiere sind nicht günstig. Können Sie sich das gewünschte Tier aus finanzieller Sicht auch wirklich leisten? Überlegen Sie sich vor der Anschaffung ausführlich, ob Sie auch zukünftig in der Lage sind, die monatlichen Kosten für das neue Familienmitglied zu stemmen. Während Hunde pro Monat etwa zwischen 30 und 200 Euro kosten, sitzt Ihnen eine Katze mit rund 40 Euro monatlich auf der Tasche. © Pond5 Images/Imago
Eine Frau reagiert allergisch auf eine Katze.
Manche Menschen stellen erst dann fest, dass sie allergisch auf ihr Haustier reagieren, wenn sie es sich bereits in die Wohnung geholt haben. Um der beidseitigen Enttäuschung vorzubeugen, sollten Sie sich vor der Anschaffung ausgiebig mit Ihrer eigenen Gesundheit und der Ihrer Familie beschäftigen. Sind Sie gesund und haben keine Allergien, stehen die Zeichen auf Grün. Bestehen Zweifel, sollten Sie sich zur Sicherheit von einem Arzt durchchecken lassen. Zusätzlich zu einem Test auf Tierhaarallergien sollten Sie sich mit der Frage auseinandersetzen, ob Ihre Fitness ausreicht, um einem Tier gerecht zu werden. Ein Hund will beispielsweise täglich, meist auch mehrmals täglich, Gassi geführt werden. © BSIP/Imago
Ein Hund mit grauen Haaren um die Nase schläft auf einem Teppich.
Stellen Sie sich die Frage, ob Sie die komplette Lebensdauer Ihres zukünftigen Haustieres für es da sein können. Eine angemessene und artgerechte Betreuung erfordert nicht nur körperliche, sondern auch geistige Fitness. © Cavan Images/Imago
Ein Hund sitzt in einem Haus, das von einem Umzug gezeichnet ist.
Wie sieht die Zukunft aus? Hat ein Haustier darin Platz oder sollten Sie mit der Anschaffung besser noch eine Weile warten? Steht beispielsweise ein Umzug oder eine längere Reise an, ist es wohl besser, wenn Sie mit dem neuen Tier noch warten, bis mehr Stabilität gewährleistet ist. Haustiere benötigen nicht nur viel Geduld und Zeit, sondern auch Liebe und Aufmerksamkeit. © Mint Images/Imago
Eine Katze springt an ihrem Kratzbaum hoch.
Könnte ich dem neuen Haustier ausreichend Platz bieten? Zu einer artgerechten Haltung gehört auch ein großzügiges Lebensumfeld. Wünschen Sie sich eine Katze, sollten Sie genug Platz für mindestens ein Katzenklo und einen Kratzbaum habe. Soll es ein niedlicher Nager werden, benötigt der mindestens einen großen Käfig, im Optimalfall ein zusätzliches Freilaufgehege. Wohnen Sie zur Miete, sollten Sie in jedem Fall Rücksprache mit Ihrem Vermieter halten. © Zoonar/Imago
Eine rote Katze miaut.
Wie ist Ihr Kenntnisstand über das Tier, das Sie sich ins Haus holen möchten? Seien Sie ehrlich mit sich selbst und beantworten Sie diese Frage aufrichtig. Sollten Sie feststellen, dass Sie nur wenig über die Tierart und ihre Verhaltensweisen wissen, sollten Sie das vor einer Anschaffung nachholen. Erst wenn Sie wirklich über das Tier und seine Eigenheiten wie Erziehung, Haltung, mögliche Erkrankungen oder Besonderheiten der Rasse Bescheid wissen, ist es unbedenklich, über einen Kauf oder eine Adoption nachzudenken. © agefotostock/Imago
Eine Schildkröte paddelt in einem Aquarium.
Ist das Tier, das Sie und Ihre Familie sich wünschen, ein Einzelgänger oder ein Rudeltier? Während die meisten Haustiere alleine wunderbar zurechtkommen, gibt es Ausnahmen, die unbedingt Artgenossen benötigen, um sich wohlzufühlen. Sind Sie unsicher, wie es sich bei Ihrem Wunschtier verhält, stellen Sie eine kurze Recherche an oder befragen Sie im Zweifel einen Experten. Egal, zu welcher Gruppe Ihr Haustier gehört – ausreichend Beschäftigung und Aufmerksamkeit durch Sie ist in jedem Fall ein Muss. © Anka Agency International/Imago
Hund allein zuhause
Wäre die Versorgung Ihres Haustieres gewährleistet, wenn Sie im Urlaub sind? Sofern Sie Ihren neuen Liebling nicht mit in die Ferien nehmen können, muss mit Sicherheit geklärt werden, wer sich in Ihrer Abwesenheit um Ihr Tier kümmern könnte. Am besten denken Sie schon im Voraus über geeignete Kandidaten nach und nicht erst, wenn Sie schnell jemanden finden müssen. Zur Unterbringung während Ihrer Urlaubszeit eignen sich auch Tierpensionen ganz wunderbar. Am Einfachsten ist es mit einem Hund, sofern Sie ihn mit in die Unterkunft nehmen dürfen. © Christin Klose/dpa-tmn
Zwei Katzen sitzen nebeneinander in der Wiese.
Zu guter Letzt sollten Sie noch einmal in sich gehen und sich fragen, ob Sie sich auch ausreichend Zeit für eine Entscheidung genommen haben. Überstürzen Sie nichts und durchdenken Sie jede der oben genannten Fragen gemeinsam mit Ihrer Familie oder dem Partner. Sollten Sie zu dem Schluss kommen, dass ein Haustier in Ihrem Leben keinen Platz hat, sollten Sie zu Ihren eigenen Gunsten und zum Wohl des Tieres ehrlich mit sich sein und von einem Kauf absehen. © Pond5 Images/Imago

Von Tierpensionen bis hin zu tierfreundlichen Unterkünften – die Möglichkeiten sind vielfältig. Oftmals erklären sich zudem Freunde oder Familienmitglieder bereit, auf die Vierbeiner aufzupassen. Auch Tierbetreuer, wie Hunde- oder Katzensitter, die problemlos im Internet zu finden sind, stellen eine liebevolle Betreuungsalternative dar. Was zu tun ist, wenn Sie einen ausgesetzten Hund finden, lesen Sie hier.

Rubriklistenbild: © Panthermedia/Imago

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