Direktor Tim Großmann ist besorgt
Klimawandel im Bürgerpark: „Der Boden trocknet aus“
Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Der Klimawandel ist in den Parks angekommen“, sagt Bürgerparkdirektor Tim Großmann. Er ist keiner, der zu Dramatisierungen neigt. Aber im Gespräch mit unserer Zeitung zählt er eine ganze Reihe von Punkten auf, die deutlich machen, was sich bereits verändert hat.
Ein großes Thema: Trockenheit. Nicht nur die Sommer 2018 und 2019 waren zu trocken, auch im Winter gibt es weniger Niederschläge. Die Dauer-Trockenheit wirkt sich aus. „Wir müssen neu gepflanzte Bäume stärker wässern“, nennt Großmann ein Beispiel. Das bedeute mehr Arbeit und höhere Kosten für den rein privat finanzierten Park.
„Wir haben einen relativ alten Baumbestand“, so der Parkdirektor. „Der Trockenstress schwächt die Bäume und macht sie anfälliger für Krankheitserreger wie Pilze, Insekten und Viren.“ Erstmals sei jetzt der berüchtigte Borkenkäfer im Park aufgetaucht. „Den hatten wir vorher noch nie.“ Doch: „Die Bäume dünsten Stresshormone aus, die ihn anlocken.“ An den Fichten des Parks habe der Käfer bereits „erhebliche Schäden angerichtet“. Das hat dauerhafte Konsequenzen: „Das Thema Fichte ist durch. Die pflanzen wir nicht mehr nach, sie kommen mit der Trockenheit nicht klar.“
Durch den Klimawandel, so Großmann, wandern immer mehr Krankheiten und Erreger ein. Das habe es auch früher schon gegeben, etwa als Begleiterscheinung des globalisierten Handels. Früher aber seien eingeschleppte Schädlinge im Frost des Winters erfroren. Heute hingegen begünstige das milde Klima ihre Ausbreitung.
Eine Folge davon sind „neue Erkrankungen an Eschen und Kastanien“. Großmann: „Das macht uns schon Sorgen.“ An vielen Stellen im Park seien Viren. Bakterien und Pilze zu beobachten. Doch vor allem: „Was uns noch ins Haus steht, kann im Moment niemand beurteilen. Es gibt keine Sicherheit, wie die Geschichte weitergeht.“
Nach zwei ungewöhnlich warmen Sommern komme es auf diesen Punkt besonders an. Großmann: „Die nächsten zwei, drei Jahre werden entscheidend sein. Normalisiert es sich oder geht es so weiter, werden die vorigen beiden Sommer zur Normalität?“ Mit den jetzt schon spür- und sichtbaren Folgen der Erwärmung umzugehen, sei bereits eine große Herausforderung. „Und wir wissen nicht, was die Zukunft noch bringt.“
Möglich, dass junge Pflanzen sich an neue Bedingungen anpassen – aber wie die Bedingungen in den nächsten Jahren aussehen, weiß eben noch niemand. Also: „Wir behalten das Wetter sehr genau im Auge.“ Die Pflanzen ebenso. An Linden zum Beispiel, so hat der Parkdirektor beobachtet, sind kleinere Blätter als früher gewachsen. „Natürliche Prozesse geraten in Bewegung“, so Großmann. Ausgang: ungewiss.
Die jahreszeitübergreifende hohe Trockenheit hat nicht allein für Bäume und Pflanzen direkte Folgen. „Der Boden trocknet aus“, sagt Großmann. Das wiederum betrifft die Pflanzen dann auch, aber nicht nur sie. „Die Torfschichten unter dem Park trocknen aus und schrumpfen. Das ist auch ein Punkt, der uns belastet.“ Denn wenn der Boden förmlich in sich zusammentrocknet und schrumpft, senken sich auch Wege sowie Gebäude- und Brückenteile ab. „Da reden wir über etliche Zentimeter. Es gibt Risse an mehreren Gebäuden. Es ist nichts einsturzgefährdet, aber wir müssen das beobachten.“
Arbeitsprozesse und -abläufe im Bürgerpark verändern sich durch den Klimawandel ebenfalls, erklärt Großmann weiter. „Früher waren wir mit den Laubarbeiten Ende November, Anfang Dezember fertig. Heute dauern sie länger, weil das Laub länger an den Bäumen haftet. Zugleich beginnt die Saison im Frühjahr viel früher.“
Anderes Beispiel: „Sonst gab es im Winter ein, zwei Wochen Dauerfrost. Da haben wir dann den Kompost rausgefahren. Das können wir heute nicht mehr, weil die Wiesen zu nass sind. Jetzt muss der Kompost im Sommer ausgebracht werden.“

