Serie „Verschwunden“

Brautbrücke in der Bremer Neustadt: Abriss vor 50 Jahren

Hier führte die Brautbrücke über die Kleine Weser Richtung Herrlichkeit und Teerhof. Neu: die Drehsessel.
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Hier führte die Brautbrücke über die Kleine Weser Richtung Herrlichkeit und Teerhof. Neu: die Drehsessel.

Bremen – Eine Brücke nur für Bräute? Nein, mit Hochzeitsgesellschaften hatte er nichts zu tun, der Name der Brautbrücke in der Bremer Neustadt. Seit 50 Jahren gibt es das Bauwerk nicht mehr – und so ist die Brautbrücke heute Thema in unserer Serie „Verschwunden“.

Über die Kleine Weser führte sie, die Brücke. Die etwa zwei Kilometer lange Kleine Weser war einst ein blind endendes Nebengewässer des Flusses und wurde später zur Flutrinne ausgebaut – unter anderem aus Gründen des Hochwasserschutzes. Die Geschichte einer Brücke an dieser Stelle reicht bis ins 13. Jahrhundert zurück, seit dem 16. Jahrhundert war der Name „Brautbrücke“ für die Holzkonstruktion gebräuchlich. Im 17. Jahrhundert wuchs die Neustadt, als der Ingenieur Johan van Valckenburgh (etwa 1575 bis 1625) Bremens Festungsanlagen ausbaute und die planmäßige Stadterweiterung auf der linken Weserseite begann. Die Brücke war ein Weg aus der Neustadt in Richtung Altstadt.

Bis 1829 war sie eine Zugbrücke, um unerwünschte Besucher aus Bremen fernzuhalten. Dann folgte ein Neubau, über den ab 1880 die Pferdebahn und ab 1900 dann die elektrische Straßenbahn fuhr. Mit der Errichtung der St.-Pauli-Brücke um das Jahr 1903 verlor die Brautbrücke ihre Bedeutung als wichtige Verbindung, denn die neue Brücke bildete nun mit der Großen Weserbrücke eine gerade verlaufende Achse. Bald wurde die Straßenbahn dann auch verlegt.

Neue Outdoor-Drehsessel erinnern an Brückenhistorie

1916 bekam die Brautbrücke einen Überbau aus Eisen. Den Zweiten Weltkrieg überstand sie ohne schwere Schäden, gleichwohl durften ab 1950 nur noch Fußgänger und Radfahrer auf der Brautbrücke die Kleine Weser überqueren. 1970 wurde sie schließlich komplett gesperrt; seit 1969 führte nur wenige Schritte entfernt eine Brücke am Kleinen Weserwehr zum Teerhof (und damit über die Kleine Weser). Im Jahr 1972 wurde die Kleine Weserbrücke (sprich: Brautbrücke) zersägt und abgebaut – etliche Schaulustige kamen, um sich das Abriss-Spektakel anzusehen.

Fotografien aus der Brückenhistorie sind jetzt an neu installierten Outdoor-Drehsesseln zu sehen, die auf der Neustadtseite an der Kleinen Weser aufgestellt worden sind – Blickrichtung: Herrlichkeit und Teerhof, dem einstigen Brückenverlauf folgend. Aufgedruckte Texte informieren über Historisches und Hochwasserschutz, über Kleine Weser und Werdersee.

Als Bremen der „Braut“ zu Füßen lag

Woher aber hatte die Brautbrücke ihren Namen? Nun, den verdankte sie einer Bastion mit Zwingerturm aus dem 16. Jahrhundert, die auf der Halbinsel Herrlichkeit am Teerhof gebaut worden war und „Braut“ genannt wurde, weil die Stadt diesem mächtigen Zwinger wie eine Braut zu Füßen lag.

Im Turm der „Braut“ lagerten die Bremer Schießpulver. Drei dieser Verteidigungstürme mit Lagern für Munition, Pulver und Waffen hatte die Stadt insgesamt. Neben der anno 1522 errichteten „Braut“ an der Herrlichkeit und dem Stephanitorzwinger im Westen gab es noch den Ostertorzwinger. Er stand ungefähr dort, wo jetzt die Kunsthalle zu finden ist.

Der größte Bremer Pulverturm aber war die nach Plänen Jacob Bockes van Vollenhoffs gebaute „Braut“ mit Zwinger im Erdgeschoss: 55 Meter hoch, 30 Meter im Durchmesser, vier Meter starke Mauern. Doch 1739 entzündete ein Blitzeinschlag das im Turm der „Braut“ gelagerte Schießpulver, der Turm explodierte. Er wurde nicht wieder aufgebaut. Was blieb, war der Name – er lebte mit der Brautbrücke weiter; noch heute gibt es die Brautstraße in der Bremer Neustadt.

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