Bremen: 4 000 Teilnehmer ziehen friedlich und maskiert durch die Stadt
„Christopher Street Day“: Demo statt Party
Bremen – Trotz Corona eine bunte Demonstration: Etwa 4 000 Menschen sind am Sonnabendmittag beim Bremer „Christopher Street Day“ (CSD) durch die Innenstadt gezogen. Es gab keine Partywagen mit donnernden Beats, sondern eine reine Fuß-Demo. Die Veranstalter verlangten Masken und Einhaltung der Abstandsregeln, neben der Polizei hatten auch viele Organisatoren alles im Blick.
Ganz ohne Sound muss die Demo gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Ausrichtung aber nicht auskommen: Eine Samba-Trommlergruppe des Bündnisses „Rhythms of resistance“ ist da. Sie spielt Rhythmen aus dem brasilianischen Samba, die sie selber noch erweitert hat, sagt Trommlerin Kim (32) aus Bremen. Die Gruppe hat nicht nur feurige Rhythmen einstudiert, sondern auch Schlachtrufe, etwa: „Gegen Trans- und Homophobie braucht’s ‘ne globale Therapie“ oder auch: „Rollendenken, hahaha, Röcke sind für alle da“. Die Trommlerinnen und Trommler tragen Kostüme und Kopfbedeckungen in Pink und Silber.
CSD: Demo statt Party in Bremen – „Liebe siegt gegen Hass“
„Liebe siegt gegen Hass“, steht auf einem Plakat, das unter anderem von Bremens Bürgermeister Andreas Bovenschulte (SPD) vorneweg getragen wird. Er sagt zu der Demo in Corona-Zeiten: „Ich habe ein gutes Gefühl. Verglichen mit dem CSD sonst, ist der Zug weit aufgelöster.“ Im Zweifel müssten die Sicherheitskräfte kurz eingreifen.
Auch wenn die Rekordbesucherzahl von gut 10 000 Teilnehmern aus dem Vorjahr in der Corona-Zeit bei weitem nicht erreicht wird, zieht auch in diesem Jahr ein wegen der Abstandsregeln langer Demonstrationszug durch die Stadt. Eine wuchtige Erscheinung geben die „Ritterhude Badgers“ ab, etwa 20 Mädchen und Frauen im Alter von 15 bis 33, die American Football spielen. Einige tragen Helme und Schulterschützer und auch Schilder mit Slogans wie „Born this gay“, „Badgers gegen Homophobie“ oder auch „This game is for everyone“. Ein schwuler Batman mit Hörnern auf dem Kopf sorgt mit 1,50 Meter breiten Flügeln für den Sicherheitsabstand. Neben ihm läuft ein Junge, perfekt als Frau in Szene gesetzt. Ein „masked Beast“, verbirgt sein Gesicht hinter einer Maske mit einem großen Fragezeichen. Auch wieder dabei sind Teilnehmer in Hundemasken aus Leder.
CSD: Demo statt Party in Bremen – anders als sonst, aber gut
Marina (18) aus Bremen sagt angesichts der Einschränkungen: „Das war schon was anderes als sonst.“ Sie hofft, dass die Corona-Lage sich nächstes Jahr bessert. Es hat ihr aber trotzdem sehr gut gefallen. Lena (20) aus Bremen kann dem reduzierten CSD durchaus etwas Positives abgewinnen. „Dieses Jahr ist das mehr wie eine Demonstration ‘rübergekommen. Sonst wird das schnell mal als Party abgetan.“
Von Martin Kowalewski