Location

Der Bremer Künstler Phil Porter hat einen Sehnsuchtsort im Schnoor geschaffen

Exotisches und Kurioses, Nostalgisches und üppig Treibendes findet sich in der Location „Schnoor One“.
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Exotisches und Kurioses, Nostalgisches und üppig Treibendes findet sich in der Location „Schnoor One“.

Bremen – „Cooler Laden!“ Das Paar, das gerade durch Phil Porters „Schnoor One“ bummelt, ist begeistert. Kein Wunder, denn dieser Ort im Haus Schnoor 1 gleicht einer Wunderkammer, die auf die Sinne wirkt. Es duftet nach Holz und exotischer Seife, das Licht lässt das Lokal wie eine Bühne wirken, das Auge weiß gar nicht, wo es zuerst hinschauen soll. Skurriles und Antiquarisches füllt Tische und Regale. Hier lässt es zeitvergessen stöbern – und kleine Schilder fordern: „Fass‘ mich an!“

Mit dieser Wunderkammer, die es so sonst nirgendwo gibt, hat der Bremer Künstler, Fotograf und Autor Phil Porter (33) den Sprung vom Viertel ins Herz der Stadt gemacht. Schnoor und Innenstadt sind damit um eine Attraktion reicher, die sich wunderbar einfügt und zugleich herausragt.

Phil Porter im Sehnsuchtsort „Schnoor One“.

Zwölf Jahre war Porter im Viertel zu Haus, sein begehbares Gesamtkunstwerk namens „Salon Obscura“ – Irrgarten, Indoor-Erlebnispark und Fotostudio im Stil eines Pariser Hotels der 20er Jahre – war weit über Bremen hinaus bekannt. Dann kam Corona. „Keine Veranstaltungen, keine Ausstellungen, keine Studiofotos – alle drei Standbeine waren mir weggebrochen“, erinnert sich Porter an die Lockdown-Zeiten.

Am Anfang steht ein Buch: „Rom des Nordens“

Was tun? Als Flaneur zog Porter durch die Stadt, Zeit war ja genug. „Ich hab mich irgendwo hingesetzt und aufgeschrieben, was ich sehe.“ Porter kann erzählen, ein sprudelnder Quell mit Blick für Details, Extravagantes und Abgründiges. Sein Buch „Rom des Nordens – Bremen aus der Sicht eines Flaneurs“ wurde ein Erfolg.

Aus dem Projekt „entwickelten sich Stadtführungen“, sagt Porter. Nicht für Touristen, sondern „für Menschen aus Bremen und dem Umland“. Bei den Rundgängen geht es zum Beispiel „nachts in den Dom – er liegt dunkel, nur die Orgel spielt“. Eine weitere Station: der Schnoor. Schließlich kam eines zum anderen. Am Ende schlugen „Schnoorianer“ ihm vor, doch in das historische Quartier zu wechseln. Ganz. Ins Haus Schnoor 1.

Für Porter war dieser Schritt durchaus ein radikaler Schnitt. „Ich wollte gar nicht aus dem Viertel weg.“ Doch der Schnoor entwickelte seine verführerische Zauberkraft. Die Gespräche mit der Vermieterin liefen gut, sie kannte Porters fotografische Arbeiten bereits. Der Künstler löste den „Salon Obscura“ an der Hollerstraße im Steintor auf. Die Requisiten von dort haben sich inzwischen über ganz Deutschland verteilt, erzählt er. Der berühmte Simulator eines abstürzenden Fahrstuhls etwa steht inzwischen „im Harz im Wald und wird für Festivals genutzt“.

Im Treppenhaus soll ein Wald wachsen

Ein Fahrstuhl wird im „Schnoor One“ nicht gebraucht. Einen Wald aber will der Künstler noch einrichten – mit halbierten Baumstämmen, künstlichen Blättern und (natürlich) effektvoller Beleuchtung. Porter wohnt in dem Haus, hat dort sein Fotostudio eingerichtet und eben die Wunderkammer im Parterre. Viele der Exponate, die dort zu kaufen sind, haben auch schon als Foto-Requisiten gedient – wer mag, kann sich einen Kunstdruck kaufen und dazu Utensilien, die auf der Fotografie zu sehen sind.

Kino-Nostalgie – historische Filmzeitschriften.

Porter sagt, es gehe ihm um die Faszination. „Ich bin der Exotik zugeneigt. Ich bin begeistert vom Fremden, das fasziniert mich ungemein.“ Und so bringt er Gegenstände zusammen, die Geschichten in sich tragen. Ein Grubenhelm aus den 50er Jahren trifft auf einen Membran-Lautsprecher aus den 20ern. Gegenüber liegt ein Stapel historischer Filmzeitschriften. Auch die Schlittschuhe „der Mutter unserer Nachbarin“ rufen: „Fass‘ mich an!“

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Ein nostalgiedurchtränktes Kuriositätenkabinett, ein Museum, in dem erwünscht ist, was sonst oft verboten wird. „Hochnehmen, entdecken, dran riechen“, sagt Porter. Er ist im Schnoor angekommen und steht zugleich für eine Generation neuer „Schnoorianer“, die Bremens Altstadt-Quartier einen Frische-Kick in Sachen Individualität und Einzigartigkeit geben. „Die Nachbarschaft ist famos“, sagt Porter. „Hier herrscht Aufbruchstimmung.“ Wie würde er selbst sein „Schnoor One“ beschreiben, als was würde er diesen Ort bezeichnen? Phil Porter überlegt nicht lange, seine Antwort kommt schnell: „Es ist ein Sehnsuchtsort.“

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