„Verschwunden“: Der Eschenhof an der Domsheide
Der diplomatische Kampf gegen Bremen
Bremen - Von Thomas Kuzaj. Der Diplomat und Jurist Alexander Erskein (1598 bis 1656) wohnte – ach, was: residierte hier. Mitten in der Stadt, in Sichtweite des Doms. Das Gebäude, in dem er lebte, trug am Ende – in etwas abgewandelter Form – seinen Namen: Eschenhof. Und um genau diesen Eschenhof geht es heute in unserer Serie „Verschwunden“.
Von 1653 bis 1656 Erskein hier, anschließend gehörte die Residenz seinen Erben, später der schwedischen Krone. Schweden? Ja, Schweden. Alexander Erskein war anno 1628 in schwedische Dienste getreten. Er stieg innerhalb weniger Jahre zum Hofrat auf. Königin Christina von Schweden (1626 bis 1689) wollte ihn auch adeln, was er allerdings abgelehnt haben soll. Erskein war „an zahlreichen diplomatischen Missionen beteiligt“, hat der Historiker Herbert Schwarzwälder (1919 bis 2011) in seinem „Großen Bremen-Lexikon“ geschrieben.
1653 wurde der Diplomat Präsident der Herzogtümer Bremen und Verden – und damit praktisch Chef der gemeinsamen Verwaltung. Das Erzbistum Bremen, ohnehin schon bedeutungslos geworden, war zum Ende des Dreißigjährigen Kriegs von schwedischen Truppen besetzt worden – und ging säkularisiert als Herzogtum Bremen an die schwedische Krone. Hauptort der Herzogtümer Bremen und Verden wurde Stade.
Aus dem Erzbistum war das Herzogtum geworden – die Stadt Bremen selbst aber wollte, wie heute, frei und eigenständig bleiben. Und diese Reichsunmittelbarkeit der Stadt Bremen ließen die Bremer sich für viel Geld vom Kaiser des Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation, Ferdinand III., in Linz besiegeln – mit dem Linzer Diplom von 1646.
Die Schweden wollten das nicht anerkennen. Zweimal belagerten sie Bremen, aber die Befestigungsanlagen der Stadt hielten. Erst im Frieden von Habenhausen erkannten die Schweden 1666 Bremens Unabhängigkeit an.
Napoleons Kammerherr ist ein Modernisierer
Im Ersten Bremisch-Schwedischen Krieg von 1654 hatte Alexander Erskein noch Schwedens Interessen gegen Bremen vertreten. Den Frieden von Habenhausen erlebte er dann schon nicht mehr. 1656 war er in polnische Gefangenschaft geraten, Er starb in Gefangenschaft. Sein Leichnam wurde später nach Bremen überführt und 1658 im Bremer Dom bestattet. Kurz vor seinem Tod übrigens hatte sich Erskein im Jahr 1655 doch noch in den Freiherrenstand erheben lassen.
Doch zurück zum Eschenhof. Das durchaus eindrucksvoll große Bauwerk an der Domsheide ging anno 1803 schließlich an die Stadt.
In der „Franzosenzeit“ (18. Dezember 1810 bis 26. Oktober 1813), als Bremen Teil von Napoleons Reich war, saß der französische Präfekt im Eschenhof – Reichsgraf Philipp Karl von Arberg (1776 bis 1814), ein früher Kammerherr Napoleons. Die Franzosen, die den Bürgermeister „Maire“ nannten, modernisierten die Verwaltung.
1819 zog die Hauptschule in den Eschenhof. 1875 wurde er dann abgerissen, denn jetzt sollte an dieser Stelle etwas ganz Neues entstehen – die Kaiserliche Oberpostdirektion Bremen, die 1878 eröffnet wurde. Das historische Postgebäude wiederum ist heute Sitz einer Schule – der katholischen St.-Johannis-Schule. Nebenan, im noch immer von der Post genutzten Erweiterungsbau von 1979, findet sich eine markante Spur des Eschenhofs – ein Portal, das den zur Dechanatstraße hin liegenden Eingang ziert.
