„Von den Akten auf die Bühne“

50 Jahre Bremer Uni

Neun Personen, eine Geschichte: Die Bürgerschaftsabgeordneten Magnus Buhlert (FDP, oben v.l.), Antje Grotheer (SPD), Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU), Robert Bücking (Grüne) und Rainer Rupp (Linke) zusammen mit den Schauspielern Markus Seuss (unten v.l.), Michael Meyer, Petra-Janina Schultz und Peter Lüchinger.
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Neun Personen, eine Geschichte: Die Bürgerschaftsabgeordneten Magnus Buhlert (FDP, oben v.l.), Antje Grotheer (SPD), Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU), Robert Bücking (Grüne) und Rainer Rupp (Linke) zusammen mit den Schauspielern Markus Seuss (unten v.l.), Michael Meyer, Petra-Janina Schultz und Peter Lüchinger.

50 Jahre ist es her, dass die Bremer Universität ihren Betrieb aufnahm. In dem Theaterprojekt „Von den Akten auf die Bühne“ wird die Entwicklung nachgezeichnet.

Bremen – Es war eine Geschichte voller Kontroversen, hitziger Debatten und einer am Ende aufgelösten Koalition: Die Gründung der Bremer Universität dauerte lange und war von vielen Stolpersteinen geprägt. Vor 50 Jahren war es dann soweit, die Bildungseinrichtung nahm ihren Betrieb auf. Den Weg dorthin zeichnet das Theaterprojekt „Von den Akten auf die Bühne“ nach – am Dienstagabend verfolgten rund 100 Besucher coronakonform die Premiere im Haus der Bürgerschaft.

Seite für Seite nahmen sich die Verantwortlichen um Eva Schöck-Quinteros (Institut für Geschichtswissenschaft, Uni Bremen) und Peter Lüchinger (Bremer Shakespeare-Company, BSC) und ihre Helfer vor. Sie durchforsteten Protokolle, Zeitungsartikel, Presseerklärungen, altes Fotomaterial. Allein 400 Seiten Bürgerschaftsdebatte kamen dabei zusammen, was etwa zwölf Stunden Redezeit entspricht. Herausgekommen ist dabei nicht nur die 17. Auflage des Theaterprojekts mit dem Titel „Die Freie Hansestadt ist bereit – Der lange Weg zu einer Universitätsstadt“, sondern auch eine Aufführung, die fesselt und erlebbar macht, was heute für viele selbstverständlich ist: die Universität Bremen.

Bremer Uni: 100 Studiengänge, 19 000 Studenten

Insgesamt neun Darsteller – vier Schauspieler der BSC und fünf Bürgerschaftsabgeordnete – stellen nach, was gut und gerne als lange und mühsame Gründungsgeschichte beschrieben werden kann. Erste Ideen für eine Uni kamen bereits 1948 auf, Realität wurde die Hochschule jedoch erst 23 Jahre später: Am 19. Oktober 1971 startete die Uni mit damals exakt 459 Studenten. Heute sind in gut 100 Studiengängen mehr als 19 000 Frauen und Männer eingeschrieben.

Von Beginn an, das verdeutlicht die szenische Lesung, dreht sich vieles um einzelne, aber entscheidende Fragen: Wie soll die neue Universität finanziert werden? Wo soll sie gebaut, und vor allem: Wie soll sie ausgerichtet sein? Die Debatte um das sogenannte Bremer Modell erhitzt die politischen Gemüter, von „roter Kaderschmiede“ ist die Rede mit Bezug auf den Gründungsrektor Thomas von der Vring, von „hemmungslosen Radikalen“, die ihre Gedanken von „klassenkämpferischen Ideologien“ in die Hansestadt transportierten. Abgeordnete und Schauspieler schlüpfen dabei in Rollen von Parteien und Politikern, die heute nur noch teilweise existieren. Mal verkörpern sie Alt-Bürgermeister Bremens, Hans Koschnick (SPD), mal übernehmen sie die Rolle ehemaliger NPD-Politiker oder schlüpfen in die Haut des einstigen Bildungssenators Moritz Thape (SPD), der die Gründung maßgeblich beeinflusste. Die Kontroversen der damaligen Diskussion, Wortfetzen, Zwischenrufe, Beleidigungen deutlich unter der Gürtellinie – all das hallt durch die Bürgerschaft. Fast so, als wäre der Diskurs ganz nah und nicht mehr als 50 Jahre her.

Im Vergleich zu heutigen Debatten, sagt Bürgerschaftspräsident Frank Imhoff (CDU), sei „das damals ganz schöner Sprengstoff“ gewesen. „Das können Sie mir glauben!“ Und weil Politiker „viel und lange reden“ konnten, sei eben auch viel Material zusammengekommen.

Die nächste Aufführung von „Die Freie Hansestadt ist bereit“ findet am Mittwoch, 13. Oktober, um 19.30 Uhr im Theater am Leibnizplatz (Schulstraße 26) statt. Karten gibt es ab sechs Euro. Weitere Informationen unter „www.shakespeare-company.com“.

Uni Bremen: 1,5 Millionen Essen im Jahr

Am 19. Oktober 1971 nahm die Bremer Universität ihren Betrieb auf – mit damals 459 Studenten. Heute zählt die Uni fast 19 200 Studenten in mehr als 100 Studiengängen, im Gründungsjahr waren es gerade einmal 18. Mittlerweile sind etwas mehr als 3 500 Menschen an der Universität beschäftigt, davon 86 Auszubildende. Kamen internationale Studenten 1981 noch aus 71 Ländern der Welt in die Hansestadt, stieg die Zahl 2019 bereits auf 120 Länder.
Jährlich werden bis 1,5 Millionen Essen in der Mensa ausgegeben, 1973 waren es 190 000. Auf der 1964 von der Stadt Bremen gekauften Fläche von rund 250 Hektar stehen heute etwa 100 Gebäude mit rund 12 000 Büros.

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