„Ganze Bäume sind vertrocknet“
Wie sich das milde Klima auf den Bürgerpark auswirkt
Bremen – „Der Sommer war sehr groß“, heißt es in Rilkes berühmtem Gedicht „Herbsttag“. Der Sommer war sehr trocken, müsste es in diesem Jahr heißen. „Es war mal wieder zu warm und zu trocken“, sagt zum Beispiel Bürgerparkdirektor Tim Großmann im Gespräch mit unserer Zeitung. „Wir sehen es an Stressreaktionen der Pflanzen im Park.“
Schon der Winter sei zu warm gewesen. Hinzu kommen die im Vergleich zu früheren Jahren geringeren Niederschläge auch im Winter – und all das mit den zu trockenen Sommern 2018 und 2019 noch „im Gepäck“. Der Boden trocknet aus, das ist die Folge. Und: „Die Pflanzen haben keine Reserve, auf die sie zurückgreifen können“, sagt Großmann.
Aus der vorläufigen Sommerbilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) geht hervor, dass die Durchschnittstemperatur von Juni bis August in Bremen mit 18,4 Grad über dem Bundesdurchschnitt von 18,2 Grad lag. Zudem habe es in Bremen nur 185 Liter Niederschlag pro Quadratmeter gegeben – viel zu wenig. Und es fing früh an. Großmann: „Von Mitte März bis Anfang Mai hat es in Bremen fast sechs Wochen gar nicht geregnet.“
Aus den Vorjahren belastete Bäume sterben ab
All das wirkt sich natürlich auf den Bürgerpark aus: „Der Rasen wird braun. Durch Vorschädigungen der vorherigen beiden Jahre belastete Bäume sterben ab. Ganze Bäume sind vertrocknet, überwiegend Hainbuchen und Buchen. Das haben wir so in den Jahren davor kaum gekannt.“ Und wenn es in diesem Sommer mal regnete, dann fiel der Niederschlag oftmals „sehr stark lokal“.
Nachgepflanzte Bäume mussten tüchtig gewässert werden. „Das ist unsere Zukunft“, sagt Großmann. Auch Rhododendren seien „Intensiv bewässert“ worden. Aber: „Große Bäume können Sie nicht bewässern.“ Tausende von Kubikmetern Wasser wären nötig, um beispielsweise 160-jährige Buchen und Eichen – wie sie im Bürgerpark stehen – zu „gießen“.
Alle Jahre wieder sorgen Trockenheit und Hitze im Sommer dafür, dass Äste von Bäumen brechen und zu Boden stürzen. Zum Beispiel war in der Hitzeperiode Anfang August in Osterholz ein Ast aus einer Baumkrone gebrochen und zwischen dem Polizeirevier und dem Zugang zu einem Kindergarten auf den Boden gefallen – glücklicherweise erst abends gegen 20 Uhr. Am Bürgerpark aber ist der sogenannte Sommerbruch „weitestgehend vorbeigegangen“, sagt Großmann. Spektakuläre Fälle habe es dieses Jahr im Park nicht gegeben.
Parkdirektor: „Alles wird auf den Prüfstand gestellt“
Wenn auch die nächsten Sommer wieder trocken werden und milde, ebenfalls vergleichsweise trockene Winter hinzukommen – wie wirkt sich das aus? „Das wird sich an ganz vielen Stellen bemerkbar machen“, sagt Bürgerparkdirektor Großmann. Er habe den Verdacht, der Sommer 2020 werde „das neue Normal“.
Die Folge: Baumauswahl, Pflegetechniken – „alles wird auf den Prüfstand gestellt“. Denn: „Was jahrzehntelang funktioniert hat, das klappt auf einmal nicht mehr.“ Klimawandel im Bürgerpark – und die Konsequenzen daraus: „Man wird sehr genau gucken müssen, was an welchen Ort gepflanzt wird“, sagt Großmann. Zumal das veränderte Klima die Ausbreitung neuer Schädlinge begünstigt. „Pilze, Bakterien, Insekten – da werden viele Sachen auftauchen und bleiben, die früher im Winter verfroren sind.“ Der Trockenheits-Stress beschleunige den Generationswechsel im Bestand. „Unterm Strich bedeutet das: Mehrkosten für uns.“
Apropos Mehrkosten – die andauernde Trockenheit sorgt auch dafür, dass die Torfschichten unter dem Park austrocknen und dadurch schrumpfen. Das führt zu Bodensenkungen – und die wiederum beschädigen Gebäude und Wege im privat finanzierten Bürgerpark. Der Sommer war sehr groß? Auf jeden Fall werden die Probleme größer.
