Geschenk statt Verwarnung
Polizei kontrolliert Radfahrer am Unfallschwerpunkt „Stern“
Das Wetter ist eines der besseren Art für die dreistündigen Kontrollen rund um den „Stern“. Sonne, an die 30 Grad. Da sind viele – noch mehr als üblich – mit dem Rad unterwegs. Die Polizeibeamten – teilweise noch in Ausbildung – brauchen nicht lange zu warten, schon kommt der nächste Radfahrer um die Ecke.
Bremen - Claudia Hallensleben ist stellvertretende Sachgebietsleitung des Präventionszentrums und verantwortlich für die Verkehrsunfallpräsvention. Sie und ihre mehr als 30 Kollegen kontrollieren an diesem Tag vornehmlich Radfahrer. „Wir wollen zu gegenseitiger Rücksichtnahme sensibilisieren“, sagt Hallensleben. Allerdings auch die Autofahrer. Schließlich ist der „Stern“ auch nach seiner Umgestaltung noch ein Unfallschwerpunkt in Bremen.
Dass sich dies nicht geändert hat, dafür hat die Polizeibeamtin einen Grund parat. Der „Bombensommer“ des vergangenen Jahres hat noch mehr Menschen in den Fahrradsattel geholt, also gab es auch mehr Unfälle. Dazu kam, dass der „Stern“ in seiner aktuellen Form noch neu war – ein weiteres Risiko für höhere Unfallzahlen.
Ein junger Polizeibeamter hält einen Schüler an. Das typische Gefühl, der typische Blick des Ertapptwerdens, selbst wenn alles in Ordnung ist. Bei ihm ist das so. „Dein Rad sieht auch noch ziemlich neu aus“, sagt der Polizist. Reifen, Bremsen, Reflektoren – alles okay an dem Mountainbike. Nur Licht hat es nicht. Der etwa 13-Jährige verweist auf seine Batteriebeleuchtung. Die hat er zu Hause. Seine Eltern hätten ihm gesagt, tagsüber sei die nicht erforderlich. „Da haben dir deine Eltern etwas Falsches gesagt“, erfährt der junge Mann. Angeklemmt muss die Beleuchtung nicht sein, aber immer mitgeführt. Mit Aufklärung davongekommen.
Wie alle Radfahrer heute. Verwarnungsgelder werden nicht verhängt, es sei denn. hier ist jemand angetrunken unterwegs“ (Hallensleben).
Der Mittag ist dafür allerdings keine typische Zeit. Aprops typisch: Viele Radfahrer haben die unübersehbare Ansammlung von Mannschaftswagen, blauen Uniformen und einem Polizei-Pavillon auf dem Gehweg rechtzeitig gesehen. Da wird schnell die Fahrweise angepasst. Wohl selten hat man innerhalb von 15 Minuten so viele Radfahrer gesehen, die ihr Abbiegen mit dem Armzeichen ankündigen. Nebenan quietschen Reifen. Der Radfahrer hat eine Vollbremsung vor der roten Ampel gemacht. Ob er sie ignoriert hätte, wenn nicht 30 Polizisten um den „Stern“ herum stünden? Er lässt sich nicht mehr fragen, setzt mit unbewegter Miene seine Fahrt fort. Dass seine Bremsen funktionieren, hat er eindrucksvoll nachgewiesen.
Ein Vater und sein Sohn werden angehalten. Beide mit Helm. Vorbildlich. Weniger vorbildlich das Fahrrad des Vaters. Ein älteres Rennrad, nur mit dem Nötigsten. Rahmen, Räder, Lenker, Sattel, zwei Felgenbremsen, Kettenschaltung. Beim Sohnemann sieht die Bestandsaufnahme besser aus. Alles in Ordnung. Damit die Kontrolle trotz der freundlichen Beamten kein Trauma hinterlässt, gibt es ein Kartenspiel und Reflektoren als kleine Geschenke mit auf den Weg.
Die meisten Radfahrer zeigen Verständnis für die Präventionskontrollen. Die, die es – wie sonst auch – eilig und keine Lust auf präventive Gespräche haben, sind zumindest froh, nochmal davongekommen zu sein.
