Böttcherstraße seit 25 Jahren in Obhut der Sparkasse / Tallasch: „Ein Glücksfall“
Herzblut und Geld investiert
Bremen - Von Thomas Kuzaj. Seit 25 Jahren gehört der Sparkasse die Böttcherstraße. Dank dieses Engagements konnte das Gesamtkunstwerk bremisch bleiben. Die Sparkasse wünscht sich, dass ihr Einsatz bekannter wird. Einen Beitrag dazu sollte gestern eine Feierstunde zum Jubiläum leisten.
„25 Jahre unsere Herzenssache“ – unter dieses Motto hatte die Sparkasse ihre Feierstunde gestellt. „Seit 1988 tragen wir als Eigentümerin Verantwortung für diese 107 unverwechselbaren Meter der Stadt. Und wir tun das mit viel Herzblut und voller Überzeugung“, sagte Vorstandschef Tim Nesemann. Und weiter: „Als bekannt wurde, dass die Familie Roselius nach einem Nachfolger für die Böttcherstraße sucht, war die Sorge in der Hansestadt groß, dieses Schmuckstück könne verlorengehen. Die Sparkasse Bremen hat nicht lange gezögert, Verantwortung zu übernehmen.“
Erstaunlich war allerdings, dass Nesemann den früheren Sparkassen-Vorstand Friedrich Rebers (1929 bis 2001) in diesem Zusammenhang nicht erwähnte. Er war es, der in den 80er Jahren sehr, sehr viel Herzblut investierte, um die Böttcherstraße in bremischer Hand zu halten, eine Übernahme durch auswärtige Investoren zu verhindern. Rebers, der später mit der Vereinigung „Arbeit für Bremen“ im Parlament saß und von 1981 bis 1998 Präsident des Bürgerparkvereins war, engagierte sich, er verhandelte, er kroch mit Journalisten in Böttcherstraßen-Kellern herum. Am 30. November 1988 war das Ziel erreicht.
Rathaus. Kaminsaal. Vertragsunterzeichnung. Für fünf Millionen Mark kaufte die Sparkasse von der Familie des Kaffee-Hag-Erfinders und Böttcherstraßen-Mäzens Ludwig Roselius (1874 bis 1943) die Böttcherstraßen-Liegenschaften und die Erbbaurechte. Die Anteile der Böttcherstraßen-GmbH gingen für eine halbe Million Mark an die Sparkasse. Kunstwerke und Sammlungen kaufte das Land Bremen für weitere 15 Millionen Mark – ein Drittel des Geldes gab der Bund hinzu.
Die Sparkasse wiederum investierte in den folgenden Jahren in ihre neuen Immobilien. „Ein zweiter Wiederaufbau“ – so nannte der langjährige Böttcherstraßen-Geschäftsführer Hans Tallasch, inzwischen 89, dieses Engagement gestern. „Die Sparkasse kam über die Böttcherstraße wie ein Sturm. Die Übernahme war ein ganz großer Glücksfall.“
Sparkassen-Chef Nesemann betonte, bei der Mischung der Mieter stünden kulturelle und soziale Aspekte im Zweifel über wirtschaftlichen Interessen: „Wir vermieten nicht an Telefonläden.“