Gesunkenes Museumsschiff „Seute Deern“ soll gehoben werden

100 Jahre und nur Ärger

Immer noch in Schieflage: Der Dreimaster „Seute Deern“ liegt im Bremerhavener Museumshafen. Foto: DPA/JASPERSEN
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Immer noch in Schieflage: Der Dreimaster „Seute Deern“ liegt im Bremerhavener Museumshafen. Foto: DPA/JASPERSEN

Bremerhaven – Das im Hafen gesunkene Bremerhavener Museumsschiff „Seute Deern“ soll für 1,1 Millionen Euro geborgen werden. Die Arbeiten an dem Wahrzeichen der Seestadt müssten so rasch wie möglich beginnen, bevor die zu erwartenden Herbststürme den Dreimastsegler weiter gefährden, sagten Vertreter des Deutschen Schifffahrtsmuseums (DSM) am Mittwoch. Das Geld solle zu 90 Prozent vom Land Bremen kommen, die restlichen zehn Prozent werde die Stadt Bremerhaven tragen.

Update vom 15. November: Die „Seute Deern“ erhält überraschend eine neue Zukunft. Das Schiff soll neu aufgebaut werden - mit vielen Teilen des aktuellen Seglers und vollständig finanziert durch den Bund. 

Originalartikel vom 4. September 2019: Die 100 Jahre alte „Seute Deern“ hat damit in ihrem Jubiläumsjahr nichts als Ärger. Erst brannte es im Februar aus ungeklärter Ursache auf dem Vorschiff nahe der Küche – seemännisch Kombüse genannt. Im Juni feierte die Stadt den Schiffsgeburtstag. Dann versagten am vergangenen Donnerstag die Pumpen, die das als Restaurant genutzte Schiff flott halten. Einen Tag später sackte die „Seute Deern“ mit vollgelaufenem Rumpf auf den Boden des Hafenbeckens. Seitdem liegt sie mit Schlagseite im Alten Hafen.

Auf die unerwartete Finanzspritze hatte sich der Lenkungsausschuss für den Museumshafen am Dienstagabend verständigt. Dabei stehen für das „Süße Mädchen“, so der aus dem Plattdeutschen übersetzte Name, noch ganz andere Ausgaben im Raum. 1,4 Millionen Euro sind im Mai von Bund, Land und Stadt bewilligt worden, um eine umfassende Sanierung zu planen. Deren Kosten hat das Schifffahrtsmuseum vorerst auf 32 Millionen Euro beziffert.

Probleme mit dem Holzrumpf hat der Segler schon, seit er 1919 als „Elisabeth Bandi“ in den USA vom Stapel lief: Durch Spalten drang Wasser ein, der Rumpf war schon immer anfällig für Fäulnis, Wurmfraß und Muschelbefall. Deshalb tut auch das derzeitige Liegen im stehenden Hafengewässer der „Seute Deern“ nicht gut. Zum Vergleich: Das 39 Jahre jüngere Marineschulschiff „Gorch Fock“ - ein noch teurerer Sanierungsfall - hat einen Stahlrumpf.

Wegen des schlechter werdenden Wetters sah Gutachter Hans-Joachim Möller bei dem Schiff „Gefahr in Verzug“. Seinem Plan nach sollen zuerst von einem schwimmenden Kran aus die Masten und Rahen demontiert werden. Dann müsse der Rumpf mit luftgefüllten Hebesäcken gehoben werden. Diese Bergung werde etwa 20  Arbeitstage dauern.

Die Bremer Hafensenatorin Claudia Schilling (SPD) sagte einer Mitteilung zufolge, es sei „sofortiges Handeln geboten“. Sie wolle dem Museum noch am Mittwoch die Zustimmung zu dem Bergungsauftrag geben. Erst nach der gelungenen Bergung könne man abschätzen, ob und in welcher Form die „Seute Deern“ realistisch saniert werden könne, sagte der Bremerhavener Oberbürgermeister Melf Grantz (SPD). Die Stadt und das Museum wollen das Schiff möglichst erhalten.

Zu seiner aktiven Zeit segelte der Dreimaster erst unter US-Flagge, dann unter finnischen Farben. 1938 wurde er deutsch, bekam den Namen „Seute Deern“ und die auffällige Galionsfigur. 1972 schenkte die Stadt Bremerhaven die „Seute Deern“ dem Deutschen Schifffahrtsmuseum zur Gründung. Seit 2005 steht der Dreimaster wie die anderen Museumsschiffe und die Gebäude des Museums unter Denkmalschutz.

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