Plötzlich ist das Handy weg
Polizei startet Präventionsmaßnahme gegen Taschendiebe am Bremer Hauptbahnhof
Bremen - Von Steffen Koller. Es geht schneller, als man denkt. Eine Sekunde nicht aufgepasst und schon fehlen Geldbörse, Smartphone und Schmuck. Das kriminelle Treiben von Taschendieben hat gerade auf belebten Plätzen Hochkonjunktur. Die Bremer Polizei hat am Dienstag mit einer Präventionsmaßnahme auf die Gefahren der oft gut organisierten Banden aufmerksam gemacht.
Wie ein „Unternehmen“ würden Taschendiebe ihr Umfeld „analysieren“. Sie schauen genau, wer als potenzielles Opfer infrage komme und ob es sich lohne. Meist geht es dann ganz schnell, erklärte Kriminalkommissarin Ines Roddewig. Zwei bis drei Personen würden das dichte Gedränge von Großveranstaltungen nutzen und dann blitzschnell zuschlagen. „Einer rempelt an“, ein zweiter stehle die Wertgegenstände. Bemerke man den Diebstahl, sei es meist schon zu spät, da die Sachen häufig schon an einen Dritten weitergegeben wurden und der „über alle Berge ist“. So oder so ähnlich würden Taschendiebe seit Jahren vorgehen.
Ines Roddewig will mit Blick auf Bremer Hauptbahnhof und Bahnhofsvorstadt nicht von „Brennpunkten“ sprechen, es seien aber „Häufungen erkennbar“. Obwohl die Zahlen von Taschendiebstählen im Land Bremen seit Jahren rückläufig sind – 2015 wurden mehr als 3 000 zur Anzeige gebracht, 2017 waren es 2 584 – registrierten die Beamten allein für den Bereich des Bahnhofs 700 Diebstähle im vergangenen Jahr. „Das ist einfach noch zu viel.“ Deshalb müsse man aufklären und sensibilisieren, so Roddewig. Mit der Präventionsmaßnahme, die in den ersten Stunden „total positiv“ angenommen wurde, trafen die Beamten auf offene Ohren. Viele Passanten nahmen Infomaterial, Trillerpfeifen und das „gute Gefühl, jetzt etwas aufgeklärter zu sein“, mit nach Hause, wie es eine Pendlerin aus Osnabrück sagte. Eine Gruppe Frauen aus Oldenburg, die auf dem Weg zum Weihnachtsmarkt war, bedankte sich ebenfalls für die Informationen – und zeigte bereitwillig, wie sie ihre Wertgegenstände „sicherte“. Nämlich gar nicht. Handtasche offen, Smartphone in der frei zugänglichen Jackentasche. Kommissarin Roddewig dazu: Die Mischung aus Weihnachtsmarkt, Alkohol und Gedränge sei „perfekt für Diebe“. Frauen seien zudem „teilweise prädestiniert“, weil in ihren Handtaschen „das ganze Leben drin“ sei.
An der Aktion beteiligten sich insgesamt 14 Mitarbeiter von Bremer Polizei, Bundespolizei und BSAG. Ursprünglich wollte auch Deutsche Bahn und der neue Bremer Ordnungsdienst an der Maßnahme teilnehmen, beide sagten aber kurzfristig ab. Roddewig war davon „nicht so begeistert“. „Offenbar gab es andere Verpflichtungen.“
So können Sie sich schützen
Um nicht Opfer von Taschendieben zu werden, rät die Polizei zu folgenden Maßnahmen: Nehmen Sie nur das Notwendigste mit. Bargeld und Kreditkarten möglichst nah am Körper tragen, am besten in Gürteltaschen oder Brustbeuteln. Reißverschlüsse von Umhängetaschen sollten immer zum Körper zeigen und geschlossen sein. Kommt es dennoch zum Diebstahl, machen Sie andere Personen konkret auf Ihre Situation aufmerksam und organsieren Sie Hilfe. Sollten Sie die Verfolgung aufnehmen wollen, halten Sie „einen gewissen Sicherheitsabstand und prägen sich Merkmale des Diebes ein“, rät Ines Roddewig. Verständigen Sie zudem sofort die Polizei.