„Standbilder und ihre Geschichte“: 40 Jahre Bronze-Schweine in der Sögestraße
Tierisches Markenzeichen
Bremen - Von Thomas Kuzaj. „Wir treffen uns bei den Schweinen.“ Ein Satz, der in Bremen ebenso gut verstanden wird wie „Wir treffen uns bei den Stadtmusikanten“ und „Wir sehen uns am Roland“. Die Schweinegruppe in der Sögestraße ist ungemein populär. Aufgestellt wurden Schweinhirt, Herde und Hirtenhund 1974, vor nunmehr 40Jahren also.
Es ist schwer, ein Bild von der Gruppe ohne Besucher zu bekommen. Die Schweine sind ständig umringt. Kinder, Jugendliche und Erwachsene turnen gleichermaßen gern auf den Figuren herum und lassen sich mit und auf ihnen fotografieren. Dieses Kunstwerk ist zugänglich – buchstäblich.
Die Bronze-Schweine des Bildhauers Peter Lehmann (1921 in Bremen geboren, 1995 in Großenkneten gestorben) verweisen auf die Geschichte der Sögestraße. Sie war eine der ersten Hauptstraßen im mittelalterlichen Bremen. Anno 1261 wurde sie als „platea porcorum“ erstmals erwähnt, 1306 dann in der Übersetzung als „Soghestrate“. Das bedeutet „Saustraße“ oder „Schweinestraße“. Durch Sögestraße und Herdentor wurden die Schweine der Bürger zur Bürgerweide getrieben.
Hirte, Hirtenhund und Schweine gehören also zur Historie der Sögestraße. Lehmann bildet genau das ab und fügt keine weitere Dimension hinzu. Seine Gruppe wurde schnell zum Markenzeichen der Sögestraße – was ganz im Sinne der Kaufleute der Straße sein dürfte, die die Skulpturengruppe finanziert haben. 1974, als die Figuren aufgestellt wurden, war die Sögestraße gerade von Grund auf umgestaltet worden – Kanalarbeiten, neue Pflasterung, Umwandlung in eine Fußgängerzone. Die Sögestraße gilt als Bremens erste autofreie Straße. Die Schweine an der Ecke zur Knochenhauerstraße und zum Schüsselkorb symbolisieren auch, wo die Fußgängerzone beginnt.
Dennoch fahren hier bisweilen Autos. Besenwagen zum Beispiel. Als der Fahrer einer Reinigungsmaschine am Ostermontag des Jahres 2010 ein Ferkel aus Lehmanns Gruppe rammte, war die öffentliche Anteilnahme groß. Das Ferkel hatte eine Delle abbekommen und war aus der Verankerung gerissen worden. Die Polizei stellte das Bronze-Kunstwerk sicher und brachte es bis zur Reparatur im Innenstadtrevier unter.
Neben den Schweinen finden sich in Bremen weitere Tierdarstellungen des Bildhauers Peter Lehmann – so die etwas abstrakter gestalteten „Fischotter“ von 1959. Die Bronzeplastik steht auf dem Hof der Schule an der Marcusallee. Für den Eingangsbereich der Schule an der Paul-Singer-Straße in der Vahr gestaltete Lehmann 1964 mit seiner Frau Angelika Lehmann (1920 bis 1964) bronzene „Seelöwen“. Von 1968 stammt ein bronzener „Fischreiher“ für den Innenhof der Schule Schönebeck in Vegesack. Etliche Schulhöfe und Spielplätze wurden in den 50er und 60er Jahren mit Tierplastiken geschmückt.
Ein anderes Thema hat eine Lehmann-Bronzegruppe, die 1982 in Arsten aufgestellt wurde. Sie zeigt eine „Erdbeerpflückerin mit Kindern“.