Esel, Hund, Katze, Hahn: Bremens beste Botschafter waren niemals in der Stadt

Stadtmusikanten - Die Sympathie-Weiterträger

Sie weisen den Weg, obwohl sie sich in Bremen gar nicht auskennen können – sie waren ja nie hier, die Stadtmusikanten. Gleichwohl machen sie Bremens Namen in aller Welt bekannt. Und sorgen in Bremen selbst für Orientierung. ·
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Sie weisen den Weg, obwohl sie sich in Bremen gar nicht auskennen können – sie waren ja nie hier, die Stadtmusikanten. Gleichwohl machen sie Bremens Namen in aller Welt bekannt. Und sorgen in Bremen selbst für Orientierung. ·

Bremen - Von Thomas Kuzaj. Sie haben Bremen nie erreicht – gelten aber gleichwohl als beste Botschafter der Stadt. Grimms Stadtmusikanten sind weltweit bekannt. Für Bremens Eigenwerbung ist das Gold wert. Esel, Hund, Katze und Hahn sind ein Markenzeichen.

Die Stadtmusikanten sind Sympathieträger – und zugleich eine Marke, das krisenunabhängig funktioniert. Das unterscheidet sie von vielen anderen Dingen, die mit Bremen verbunden werden – wie, sagen wir mal, Häfen und Schifffahrt und Werder Bremen. Sie sind, so sagt Touristik-Chef Peter Siemering, „ein tolles Symbol für unser touristisches Marketing, das uns viele Sympathien beschert“.

Klingt geradezu märchenhaft. Und Siemering kommt so richtig ins Schwärmen: „Die Märchen der Brüder Grimm werden auf der ganzen Welt erzählt, gelesen und geliebt. Die Bremer sind stolz auf ihre Märchentiere, die neben Rathaus und Roland, dem Unesco-Welterbe, als das Wahrzeichen der Hansestadt gelten. Bis weit über die Landesgrenzen hinaus, sogar im fernen China und Japan, gilt Bremen als wahre Heimat für Esel, Hund, Katze und Hahn.“

Sie sind ja auch überall zu finden. Als Erkennungszeichen in der Tourismus-Werbung. Als leuchtende Wegweiser zum Weihnachtsmarkt. Auf Etiketten und Briefmarken. In Büchern! Die von Janosch erzählte Version des Märchens, erschienen in der Edition Temmen, gibt es in englischer, französischer und spanischer Sprache ebenso wie in plattdeutscher, russischer und chinesischer Fassung. Und so weiter, und so fort. Weltumspannend.

Dass die Musikanten Bremen nicht erreichten, gerät angesichts ihrer Omnipräsenz an der Weser beinahe in Vergessenheit. Am Rathaus, neben dem Eingang zur Unteren Halle, steht die Stadtmusikanten-Plastik des Bildhauers Gerhard Marcks (1889 bis 1981) von 1953. „Ziemlich klein“, sagt mancher Besucher. Aber das ist am Roland auch zu hören. Der Mensch neigt offenbar dazu, sich berühmte Dinge gleich im Großformat vorzustellen. Es gibt natürlich noch weitere Stadtmusikantendarstellungen im öffentlichen und halböffentlichen Raum – ein paar Beispiele:

· In der Böttcherstraße stehen von Bernhard Hoetger (1874 bis 1949) geschaffene Stadtmusikantenfiguren auf dem Wasserrohr des Sieben-Faulen-Brunnens.

· Zum Haus St. Petrus, ja ebenfalls in der Böttcherstraße, gehört eine Messingfigur der Stadtmusikanten, die von dem Bremer Bildhauer Engelhard Tölken (1882 bis 1928) stammt.

· Im Hauff-Saal des Ratskellers zeigt ein Fresko aus dem Jahr 1927 die Stadtmusikanten am Tisch der Räuber – Künstler: Max Slevogt (1868 bis 1932).

· In Huchting schmückt eine Stadtmusikanten-Kupferplastik von Edmund Hopf eine Fassade an der Kirchhuchtinger Landstraße.

· Am Hanseatenhof in der Innenstadt bringt ein Stadtmusikanten-Karussell Kinder in Bewegung.

Die Liste ließe sich, man ahnt‘s, fortsetzen. Aber da sind ja noch die „echten“ Stadtmusikanten – jene, die regelmäßig in eben jener Stadt auftreten, die sie ja eigentlich nicht erreicht haben. Esel, Hund, Katze und Hahn – gespielt vom Theater „Interaktiwo“. „Die Reaktionen des Publikums auf die einzelnen Tiere sind unterschiedlich“, sagt Chistine Renken von „Interaktiwo“. „Wenn wir mit Stadtführungen unterwegs sind, dann ist der Hahn sehr gefragt, weil er ein wunderschönes Fotomotiv abgibt und eben sehr ungewöhnlich ist. Bei den Vorstellungen ist es so, dass der Esel recht beliebt ist.“

Mal sehen, was 2013 sein wird. Im April findet die Jahreshauptversammlung der „Deutschen Märchenstraße“ in Bremen statt. Wo auch sonst.

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