Gastronomie auf Sylt

Einfache Küche besticht auf Millionärsinsel: „Die Sylter lieben den Klassiker mit Apfelkompott“

Simple, ehrliche Küche zum kleinen Preis – dafür steht die Ferieninsel Sylt eher nicht. Warum ein Mann aus dem Landkreis Diepholz damit trotzdem Erfolg hat.

Westerland/Drentwede – Auf der beliebten Ferieninsel Sylt, wo sich ein Gourmetrestaurant an das andere reiht, trotzt ein Mann mit seinem „Genussanhänger“ nicht nur Wind und Wetter. Er räumt auch mit dem gängigen Vorurteil auf, dass beim Sylter Publikum nur Hummerschwänze und Kaviar funktionieren. Denn im Foodtruck von Ulf Kammann auf dem Rewe-Parkplatz in Westerland gibt es einen echten Klassiker: hausgemachte Kartoffelpuffer. Bei vielen dürfte sich dieses Traditionsgericht schon seit der Kindheit großer Beliebtheit erfreuen.

Gastronom aus dem Landkreis Diepholz trifft mit einfacher Küche bei den Syltern ins Schwarze

So ging es auch Ulf Kammann, der ursprünglich aus dem Landkreis Diepholz stammt, genauer aus Drentwede bei Barnstorf. „Schon bei Oma habe ich Kartoffelpuffer geliebt“, sagt er. Beim Spaziergang mit Hund Milow hatte er dann die Eingebung, auf Sylt ein Gericht anzubieten, das zwar durch Einfachheit besticht, dabei aber ehrlich und qualitativ hochwertig ist. „Ich lief so über die Insel und hatte gerade noch einen Zwanziger in der Tasche. Dabei habe ich gemerkt, wenn du unterwegs bist und Hunger hast, dann wird das mit dem Budget schon schwierig, etwas Hochwertiges zu finden, wenn man auch noch etwas dazu trinken will.“ Das Preissegment auf der Insel ist oft recht hoch, für normal verdienende Insulaner kann das schwierig werden. Ein Sylter Restaurant bietet daher auch unterschiedliche Preise für Touristen und Einheimische an.

Ulf Kammann steht mit seinem Kartoffelpuffer-Foodtruck auf dem Rewe-Parkplatz in Westerland.

„Alles ist selbstgemacht“ – Der Kartoffelpuffer-Stand ist in Westerland zum Geheimtipp geworden

Auf Qualität legt Kammann, der auf 18 Jahre Gastronomie-Erfahrung zurückblickt und selbst in Sterne-Betrieben gearbeitet hat, großen Wert: „Bei mir ist alles selbst gemacht. Dazu sind meine Kartoffelpuffer noch vegan und glutenfrei. Aber das sage ich den Syltern nicht, sonst essen die das womöglich nicht“, scherzt der Wahlsylter. Denn das Publikum von „Ulfs Deli“ besteht derzeit noch hauptsächlich aus waschechten Insulanern, die den Truck beim Einkaufen oder auf dem Weg zur Post entdecken. „Wenn jetzt die Weihnachtsgäste kommen, aus Düsseldorf oder Berlin, dann werde ich es aber schon mal dranschreiben. In den Großstädten gibt es ja eher eine solche Nachfrage.“

Die Rezeptur für die frittierten Kartoffelküchlein hat sich aber eher aus pragmatischen Gründen ergeben. „Mit rohem Ei zu hantieren, ist aus hygienischen Gesichtspunkten in so einem Truck eher schwierig. Daher habe ich das Rezept ein wenig abgewandelt. Ein Bestandteil ist Maismehl, den Rest verrate ich aber nicht.“ Wie jeder gute Koch hütet auch Kammann das Geheimnis seines Erfolgs. Und den hat er seit der Eröffnung im Oktober durchaus, wie er sagt.

Ehrliches Essen für kleines Budget – Drentweder bereitet Suppe, Puffer und Brötchen im Truck zu

Der Truck wird gut frequentiert, wer etwas für den schnellen Hunger zu eher kleinem Budget sucht, wird bei ihm fündig. Die Kartoffelpuffer gibt es wahlweise ganz klassisch mit Apfelkompott, mit Sour Cream oder mit Lachs und Rettich. Die Preise variieren zwischen 8,50 und 11,50 Euro. „Ich mache aber auch große Portionen. Das kriegt man irgendwo am Strand für das Geld nicht. Und oft bekommt man dann nicht einmal etwas Selbstgemachtes.“

Hund Milow darf im Foodtruck „Ulfs Deli“ auf Sylt zwar nicht mithelfen, aber der Duft der frischen Kartoffelpuffer gefällt ihm offenbar.

Auch bei Handwerkern kommt Kammanns Angebot gut an. Neben den Kartoffelpuffern gibt es bei ihm täglich eine frisch zubereitete, wärmende Suppe, heute waren Steckrüben im Topf. Die Suppen sind immer vegetarisch, auf Wunsch gibt es eine Fleischeinlage. „Wer möchte, kann heute noch Mettenden dazu bekommen.“ Wer lieber etwas „auf die Faust“ will, für den hat er außerdem noch eine deftige Leberkäse-Semmel auf der Karte – die derzeit noch der Verkaufsschlager ist.

Selbst ein bekannter Fernsehkoch wurde auf Sylt auf die Kartoffelpuffer aufmerksam

Aber welcher Kartoffelpuffer kommt denn jetzt bei den Syltern am besten an? „Das ist ganz klar der Klassiker mit Apfelkompott. Den lieben die Leute.“ Diesen Klassiker hat Kammann im November sogar in Berlin im Szeneladen „Funky Fisch“ vom bekannten Fernsehkoch Duc Ngo als Dessertgang serviert. „Duc war hier und fand die Puffer so gut, dass er mich eingeladen hat. Das war schon ganz gut.“

Mit seinem Truck will er aber weiterhin auf dem Parkplatz vor Rewe an der Industriestraße in Westerland, ganz in der Nähe des Bahnhofs und der Autoverladung, bleiben. Sein Stand ist von Montag bis Samstag zwischen 11 und 16 Uhr geöffnet. „Je nachdem, wie jetzt das Weihnachtgeschäft ausfällt, kann ich dann ungefähr abschätzen, was mich dann zur Ferienzeit erwartet. Dann passe ich das eventuell daran an.“ An den Weihnachtsfeiertagen und an Neujahr bleibt der Herd im Truck allerdings aus. Dann lassen es Herrchen und Hund Milow nach den turbulenten Eröffnungswochen ruhig angehen.

Rubriklistenbild: © Ulf Kammann

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