Cloppenburg und Vechta „keine guten Nachbarn“
Nitrat im Grundwasser: „Der Landkreis Diepholz ist voll!“
Bassum – „Haben wir auch in Zukunft noch sauberes Wasser?“ Unter dieser Frage stand ein Vortrags- und Diskussionsabend des SPD-Unterbezirks Diepholz am Mittwoch, zu dem rund 30 Parteimitglieder und Gäste aus dem Kreisgebiet nach Bassum gekommen waren.
Um die Antwort gleich vorwegzunehmen: Das Trinkwasser ist sowohl im Landkreis als auch in Niedersachsen noch in einem guten Zustand. Es wird aus so tiefen Grundwasserstockwerken bezogen, dass es bisher nicht mit Nitrat oder Phosphat aus stark belasteten oberen Schichten angereichert ist.
Dass sich diese Situation aber schnell ändern kann, erläuterte Referent Jens Becker, Diplom-Ingenieur für Wasserwirtschaft den Zuhörern. Bereits 2018 habe man im Landkreis Osnabrück eine Situation gehabt, wo die Lage kritisch war und ein Durchbruch zu unteren Grundwasserstockwerken befürchtet wurde. Auch die Situation im Landkreis Diepholz sei angespannt, so der Referent.
„Sie haben keine guten Nachbarn“, nannte er den Grund für erschreckend hohe Nitratwerte von über 50 Milligramm pro Liter in den Grundwasserproben und spielte mit dieser Aussage auf die mächtigen Gülleeinfuhren aus den Nachbarlandkreisen Vechta und Cloppenburg an. „Allein 289.000 Tonnen Wirtschaftsdünger im letzten Jahr. Der Landkreis Diepholz ist voll!“
Situation der Oberflächengewässer erschreckend
Auch die Situation der Oberflächengewässer sei erschreckend, so Becker. Nur zwei Prozent der Flüsse, Bäche und Seen im Landkreis seien in einem guten Zustand, 98 Prozent also stark belastet und von Eutrophierung bedroht.
Nach ausführlichen Erläuterungen zur Grundwassersituation zeigte Becker die Auswirkungen des Klimawandels als zweiten wesentlichen Punkt zur Verfügbarkeit des Wassers in der Zukunft auf. Gerade diese Ausführungen machten die Besucher des Vortrags nachdenklich.
„Wir alle haben in den letzten Jahrzehnten über unsere Verhältnisse gelebt“, war das Fazit eines Zuhörers in der anschließenden Diskussionsrunde. Silke Hindersmann vom Ortsrat Ristedt stellte heraus, dass die Erderwärmung mehr sei als nur der Anstieg der Gradzahl. Vielmehr gerate das ganze System ins Wanken.
Jeder einzelne muss Lebensstil überdenken
In der Runde kam man zu dem Fazit, dass jeder einzelne seinen Lebensstil überdenken müsse. „Aber auch die Politik muss etwas tun. Wer den Klimawandel noch ignoriert, hat in der Politik nichts zu suchen“, meinte Jens Becker, der sich seit über 20 Jahren beruflich mit dem Thema Klimawandel beschäftigt und sich während seines Vortrags auch als Vater zweier Kinder besorgt zeigte. Auch für die SPD sei der Umweltschutz wichtig, denn es sei ein großes Solidaritäts- und Gerechtigkeitsthema, so Becker.
Auf die Frage, wo man als Politiker als nächstes ansetzen müsse, nannte der Referent die Umsetzung der Gülleverordnung und das Erreichen des Klimaziels von 1,5 Grad. Die Gülleverordnung von 2017 müsse konsequent umgesetzt, überwacht und deren Wirkung abgewartet werden, bevor man diese wieder novelliere, so Becker. Auch die Gülleaufbereitung sei ein wichtiges Zukunftsthema, denn wenn man der Gülle Wasser entziehe, sei sie günstiger in weiter entfernte Landkreise, in denen noch Nährstoffbedarf bestünde, zu transportieren. Becker betonte, dass er nicht einzelne Landwirte in eine Ecke stellen wolle und meinte: „Viele Landwirte sind da weiter als ihre Lobbyvertreter.“ Das Anstreben des Klimaziels von maximal 1,5 Grad sei außerdem unerlässlich.
