Senioren werden in Bassum über Telefonbetrug aufgeklärt

Ein Polizeibeamter und zwei Männer stehen vor einer Gruppe Senioren die in Stühlen sitzen. Einer der Männer hält ein Prospekt des Weißen Ringes hoch.
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Wollen aufklären und beraten (v.l.): Dierk Westermann, Kontaktbeamter von der Polizei Syke, Horst Göbel und Günter Hans, ehrenamtliche Mitarbeiter des Weißen Rings.

Polizei und Weißer Ring klären in der Seniorenberatungsstelle in Bassum über Enkeltrick, Schockanruf und andere Betrugsmaschen auf.

Bassum – Das Telefon klingelt. Auf dem Display steht die Notfallnummer 110. Am anderen Ende der Leitung ist ein Polizist. Der warnt, dass es in der Gegend eine Einbruchsserie gibt und versucht, sein Opfer zu überreden, alle Wertsachen bei einem Beamten abzugeben, zur sicheren Verwahrung – von wegen!

Horst Göbel, ehrenamtlicher Opferhelfer beim Weißen Ring, erklärte seinen aufmerksamen Zuhörern: „Die Polizei ruft niemals mit der Nummer 110 an. Das ist technisch gar nicht möglich.“ Die echte Polizei würde auch nie Wertsachen einsammeln. Der Polizist in dem Szenario ist ein Betrüger.

Viele Senioren kamen am Dienstag in die Seniorenberatungsstelle in Bassum, um sich unter anderem über Telefonbetrügereien wie den Enkeltrick zu informieren. Dierk Westermann, Kontaktbeamter der Polizei Syke, hielt mit Horst Göbel und Günter Hans, ebenfalls Opferhelfer, einen Vortrag. Der Weiße Ring berät und unterstützt die Opfer von Kriminalität. Eines der Ziele des Vereins ist auch die Prävention, erklärte Hans den Anwesenden. Viele Menschen denken: „Das kann mir nicht passieren“ oder „Wie kann man nur auf sowas reinfallen?“

Horst Göbel betonte, dass jeder Opfer eines Betrügers werden kann: „Es muss Sie nur in einem Moment erwischen, in dem Sie mit dem Geist woanders sind“, erklärte er den Senioren. Außerdem wüssten die Kriminellen genau, wie sie psychischen Druck ausüben müssen.

Betrug am Telefon - der „falsche Polizist“

Der „falsche Polizist“, wie in dem oben beschriebenen Szenario, ist eine der perfidesten Maschen, die vorgestellt wurden – denn die Polizei besitzt immer noch großes Vertrauen in der Gesellschaft. Doch wie schützt man sich davor?

„Gleich auflegen“, sagte der echte Polizeibeamte Dierk Westermann. „Seien Sie ruhig unhöflich. Ich weiß, wir sind alle zur Höflichkeit erzogen worden, aber das wissen die Betrüger auch.“ Wenn der falsche Beamte schon an der Tür stehen sollte, haben „Sie das Recht, die Tür geschlossen zu halten oder ihm sogar vor der Nase zuzuschlagen“, erklärte Göbel den Senioren. Wer unsicher sei, solle dann einfach bei der nächsten Polizeiwache anrufen und nachfragen, ob mit dem Beamten vor der Tür oder am Telefon alles mit rechten Dingen zugeht. Ist der Polizist echt, wird er das verstehen.

Sich den Ausweis zeigen zu lassen, hilft indes nur bedingt, denn der lasse sich fälschen, und viele Leute wissen auch gar nicht, wie ein echter Polizeiausweis aussieht. Deshalb ließ Dierk Westermann seinen Ausweis und die Marke bei den Senioren rumgehen.

Diese konnten bei der Veranstaltung auch einen Pappaufsteller mitnehmen, der vor falschen Polizisten warnt und auf dem sie die Nummer ihrer lokalen Polizeiwache notieren können. Den Aufsteller sollen sie neben ihr Telefon stellen, damit er sie daran erinnert, vorsichtig zu sein. Ein großer roter Zettel neben dem Apparat würde aber auch funktionieren.

Schockanrufe und Enkeltrick

Auch die sogenannten Schockanrufe wurden bei dem Vortrag behandelt. Dabei behauptet der Kriminelle, ein naher Verwandter des Opfers sei in ein Verbrechen oder einen schweren Unfall verwickelt und nur die Zahlung einer hohen Summe könne helfen.

Wenn die Person am anderen Ende der Telefonleitung sagt: „Rate mal, wer dran ist“, verführt das so manchen, den Namen eines Verwandten zu sagen, dessen Stimme ähnlich klingt. Den Namen kann der Betrüger dann nutzen für den berüchtigten Enkeltrick. Er suggeriert dem Opfer, er sei ein Verwandter oder Freund, der dringend Hilfe in Form von Geld braucht. Da hilft es, Familie und Freunden zu sagen, sie sollen sich nie mit „Rate mal...“ melden, so Göbel.

Wenn es doch mal jemand macht – lieber nicht antworten oder selber nach dem Namen fragen. „Wenn Ihnen etwas bei einem Anruf nicht koscher erscheint, kann es helfen, nach dem Auflegen mit einer Vertrauensperson zu reden, was die davon hält. Vielleicht ein Nachbar“, rät Göbel. Wie sich Nachbarn gegenseitig helfen können, war beim Vortrag ebenfalls Thema.

Es gibt auch andere Versionen des Enkeltricks. So berichtete eine Dame, dass es sie beinahe über Whatsapp erwischt hätte. Mehrere Zuhörer erzählten von ihren eigenen Erlebnissen mit Betrügern – sogar von einem Ereignis, das 40 Jahre zurücklag. „Sowas gab es eben schon immer. Die Täter haben ihre Methoden nur an die moderne Zeit angepasst“, sagte Polizeibeamter Westermann.

Für die Betroffenen ist es oft eine erhebliche seelische Belastung, wenn sie Opfer eines Betrugs werden. Eine ältere Dame konnte kaum die Tränen zurückhalten, als sie von ihrem Fall erzählte, obwohl dieser gut ausging.

Vielen ist es auch peinlich. „Einige Ältere melden es deshalb gar nicht. Es gibt daher eine enorme Dunkelziffer an Fällen“, erklärte Günter Hans. „Der Tenor der Polizei ist: Zeigen Sie solche Sachen immer an“, rät Dierk Westermann.

Kontak zur Opferhilfe vom Weißen Ring

Wer Fragen hat oder den Weißen Ring für einen Vortrag einladen will, kann die Außenstelle Diepholz unter Telefon 0151/55165743 erreichen. Wer bereits geschädigt wurde, erreicht das kostenfreie Opfer-Telefon unter 116 006. Onlineberatung auf www.weisser-ring.de.

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

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