Brokser Markt: Kosten steigen

„Wir wollen die kleinen Händler behalten“, sagt der Marktmeister zur Diskussion um höhere Standmieten.
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„Wir wollen die kleinen Händler behalten“, sagt der Marktmeister zur Diskussion um höhere Standmieten.

Die Schausteller sollen höhere Standmieten zahlen, um die Steuerzahler zu entlasten:

Br.-Vilsen – Die allgemeinen Kostensteigerungen gehen auch am Brokser Markt nicht vorbei. Um die wachsenden Ausgaben abzufedern, hat sich der „Marktausschuss für den Eigenbetrieb Brokser Heiratsmarkt des Fleckens Bruchhausen-Vilsen“ dafür ausgesprochen, die Standmieten zu erhöhen. Wenn der Fleckenrat dieser Empfehlung folgt – wovon auszugehen ist – müssen die Schausteller künftig höhere Gebühren zahlen. Dadurch sollen insgesamt etwa 20 000 Euro mehr in die Kasse kommen, was einer Standmieten-Erhöhung von zehn Prozent entspricht.

„Wir müssen uns mit dem Thema beschäftigen, weil die Schere zwischen Einnahmen und Ausgaben erheblich auseinandergeht“, begründete Ausschussvorsitzender Hermann Hamann (SPD) den „unbeliebten Tagesordnungspunkt“ in der jüngsten Sitzung und sprach von „wahnsinnigen Preissprüngen“. Das sah Marktmeister Ralf Rohlfing genauso. Der Rathaus-Mitarbeiter ist Betriebsleiter des Eigenbetriebs Brokser Heiratsmarkt und erklärte, dass der Flecken bereits ordentlich unterstützt: „Wenn die Verlustabdeckung nicht da wäre, wären wir schon in den letzten Jahren im Minus gewesen.“

„Nach Corona ist nichts mehr, wie es war“

Früher war das anders: „Vor Corona war das ein kostendeckender Betrieb“, sagte Rohlfing und ergänzte: „Nach Corona ist nichts mehr, wie es war.“

Einhellig votierten die Kommunalpolitiker für die Gebührenerhöhung – und lobten ausdrücklich Marktmeister Rohlfing, seine Kollegin Christina Wendt und den Rest des Teams für ihr „Fingerspitzengefühl“, wie es Bernd Schneider (Grüne) bezeichnete. „Wir wollen nicht einheitlich um zehn Prozent erhöhen, sondern durchschnittlich“, fasste Rohlfing zusammen. „Wir wollen bei denen erhöhen, die etwas mehr verdienen können – aber nicht bei denen, die wir brauchen, damit der Markt bleibt, wie er war, und weiter familienfreundlich ist. Wir haben nach bestem Wissen und Gewissen gerechnet, um zu unterscheiden zwischen denen, die besser über den Markt kommen, und denen, die schlechter über den Markt kommen.“

Als Beispiel für eine Gruppe, die „viel Umsatz“ macht, nannte Schneider Schausteller, die „auf kleinem Platz Essen oder Getränke verkaufen“. Anders sei das bei „kleinen Händlern, die wir gerne behalten wollen“.

Gewerbezelte ohne große Nachfrage

Die Beschicker der Gewerbezelte gehören zu denen, die sich auf „fast null Erhöhung“ einstellen dürfen, sagte Rohlfing. „Wir haben das Gefühl, dass auch dieses Jahr keine riesengroße Nachfrage da sein wird.“ „Es wird schwieriger, das attraktiv zu bespielen“, befand auch Schneider.

Er unterstrich, dass die steigenden Kosten von denjenigen aufgefangen werden sollten, die davon profitieren: „Letztendlich bezahlt der Kunde über den Preis. Das ist besser, als wenn die Gemeinde bezahlen muss.“ Bernd Garbers (SPD) stimmte zu: „Diese zehn Prozent sind das Minimum, sonst müssen wir nächstes Jahr wieder ran“, sagte er und fand, dass man sonst dem Steuerzahler zu viel aufbürden würde. Die letzte Erhöhung der Standmiete sei fünf Jahre her, erinnerte Lars Bierfischer (SPD).

Markt macht Gewinn, weil Flecken einspringt

Welche Zahlen dem Votum für höhere Standmieten zugrunde lagen, wurde beim Blick auf den diesjährigen Haushalt deutlich, den der Ausschuss ebenfalls einstimmig abnickte. Im Ergebnishaushalt stehen Erträge von 459 600 Euro, die Aufwendungen liegen bei 452 600 Euro. Macht einen kleinen Gewinn von 7 000 Euro. Ohne die 140 000 Euro Verlustabdeckung des Fleckens stünde allerdings ein dickes Minus unter dem Strich, machte Rohlfing deutlich: „Über ein Viertel der Einnahmen kommen vom Flecken durch die Verlustabdeckung.“ Ob der Flecken tatsächlich mit dem (kompletten) Betrag einspringen müsse, bleibe indes abzuwarten.

Laut Haushaltsplan rechnet der Eigenbetrieb dieses Jahr dank der Erhöhung damit, 195 000 Euro durch allgemeine Standmieten einzunehmen. Dazu kommen weitere Einnahmen durch Standmieten von voraussichtlich 38 000 Euro für die Gewerbezelte und 8 000 Euro fürs Freigelände.

161 800 Euro Personalkosten

Die Personalkosten in Höhe von 161 800 Euro für Verwaltung und Bauhof machen den „Löwenanteil“ der Kosten des Volksfests aus, sagte Rohlfing. Mieten und Pachten schlagen mit 80 000 Euro zu Buche; das Geld wird nach Rohlfings Angaben etwa gebraucht, um das Gelände um den Marktplatz für Stellflächen nutzen zu können, außerdem für Gewerbezelte. „Die Kosten für die Zelte sind hochgeschossen“, sagte der Marktmeister. „Auch die Zeltbetreiber haben höhere Kosten, da will ich sie in Schutz nehmen. Außerdem ist die Zahl der Zeltbetreiber nach Corona um etwa 50 Prozent gesunken.“

Rund 35 000 Euro zahlt der Eigenbetrieb für die Unterhaltung und Herrichtung des Marktplatzes. „Wir haben letztes Jahr fünf Bäume gepflanzt, das haben wir dieses Jahr wieder vor“, kündigte Rohlfing an. „Ziel ist es, die Bäume zu ersetzen, die altersbedingt gefällt werden mussten oder durch Sturm umgefallen sind. Gepflanzt werden recht widerstandsfähige Linden.“

Für Wasser, Abwasser und Strom rechnet der Eigenbetrieb mit Kosten in Höhe von 23 000 Euro. Für Werbung sind 42 000 Euro veranschlagt.

Kosten für Security steigen

Auch 20 000 Euro Bereitschaftskosten stehen im Haushaltsplan. „Der Betrag steigt auch eher, was daran liegt, dass zusätzlich zum Roten Kreuz rund um die Uhr mindestens ein Notarzt da sein muss, der eine Pauschale bekommt“, erklärte Rohlfing. Dazu komme, dass der Schäferhundeverein Hoyerhagen nicht mehr zur Verfügung stehe, sodass ein professioneller Sicherheitsdienst bezahlt werden müsse. „Wir müssen über Nacht Security vor dem Gewerbezelt haben“, sagte Rohlfing.

Investitionen sind 2024 nicht geplant. Der Marktmeister: „Wer kein Geld hat, der kann auch nicht investieren.“

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