Fachdienstleiter Dr. Marco Genthe

Schlachthof-Skandal: „Niemand ist davor gefeit“

Landkreis Diepholz - Von Frank Jaursch. Könnte sich ein Tierquälerei-Skandal, wie er sich in einem Rinderschlachthof in Bad Iburg ereignet hat, auch im Landkreis Diepholz zutragen? Bei der Sitzung des Ausschusses für Feuerschutz, Verkehr und Sicherheit hat Dr. Marco Genthe (FDP) diese Frage aufs Tapet gebracht.

Im Sitzungssaal des Kreishauses in Diepholz sprach Genthe von einem „Kontrollversagen“ vor Ort. „Sind wir personell so aufgestellt, dass uns so was nicht widerfahren kann?“, fragte Genthe.

Diese Frage konnte Fachdienstleiter Dr. Karljosef Graf nicht eindeutig bejahen. „Niemand ist davor gefeit, dass ihm das passieren kann“, betonte der Chef des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz.

Graf sieht den Landkreis allerdings im Bereich der amtlichen Schlachttier- und Fleischuntersuchungen „ausreichend aufgestellt“.

Umfassende Kontrolle nicht gegeben

Graf räumte ein, die Videoaufnahmen vom Schlachthof seien „äußerst unschön“. Er riet allerdings von einer vorschnellen Verurteilung ab und wolle zunächst das Ergebnis der staatsanwaltlichen Ermittlungen abwarten.

Darüber hinaus machte der Leiter des Fachdienstes deutlich, dass es eine umfassende Kontrolle von Amtsseite nicht geben könne. „Man muss sich von dem Gedanken verabschieden, dass jeder Bereich des Schlachthofes ständig amtlich kontrolliert ist.“

Im EU-Recht, das die Kontrolle der Schlachtungen regelt, sei nicht explizit die Kontrolle der Einhaltung von Tierschutzvorschriften vorgesehen. Das passiere „en passant“, so Graf – also gewissermaßen nebenbei.

Der Fachdienstleiter wandte sich auch gegen das Bild in der öffentlichen Diskussion, dass die Verantwortung für das Einhalten der Tierschutzvorschriften auf der Amtsseite liege. Graf: „Primär verantwortlich ist der Lebensmittelunternehmer.“

Sieben zugelassene Schlachthöfe

Dass ein Vorfall wie in Bad Iburg im Kreis Diepholz eher unwahrscheinlich sei, machte Graf darüber hinaus an nackten Zahlen fest. Der Umfang der Schlachtzahlen sei mit den Schlachtungen in anderen Landkreisen nicht vergleichbar. „Wir haben im Landkreis Diepholz zurzeit noch sieben zugelassene Schlachtbetriebe, und wir schlachten im ganzen Jahr in diesen sieben Schlachthöfen etwa 300 Rinder.“

Rein rechnerisch käme also auf jeden der anderen Schlachtbetriebe pro Woche etwa ein Rind.

Auch bei den vergleichsweise niedrigen Schlachtzahlen, so schloss Karljosef Graf, habe man „ein waches Auge und Ohr“. Das Landkreispersonal werde an gezielten Schulungen des Landes teilnehmen.

Das abschließende Statement zu dem Thema blieb der Ausschussvorsitzenden Ingrid Söfty (CDU) vorbehalten. „Essen wir doch einfach weniger Fleisch, das wär doch vielleicht mal ein Ansatz.“

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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