Leer stehende Hofanlagen als potenzieller Wohnraum

Leer stehende Hofanlagen.
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Leer stehende Hofanlagen im Landkreis: Verantwortliche der Politik und Verwaltung sehen kein flächendeckendes Problem. Hausforscher Heinz Riepshoff ist anderer Meinung.

Bei leer stehenden Hofanlagen im Landkreis Diepholz teilen sich die Gemüter: Hausforscher Heinz Riepshoff kritisiert, dass Kommunen sich früher hätten darum kümmern können, den Leerstand zu bekämpfen.

Landkreis Diepholz – In der Landwirtschaft vollzieht sich seit Jahrzehnten ein Strukturwandel. Große Agrarunternehmen verdrängen zunehmend die kleinen, familiengeführten Bauernhöfe. Die Folge: Vielerorts kommt es durch das Höfesterben zu Leerstand – auch im Landkreis Diepholz, meint Heinz Riepshoff von der Interessengemeinschaft Bauernhaus (IGB). Dabei handele es sich um potenziellen Wohnraum, der nach Auffassung des Hausforschers jedoch kaum genutzt wird. Dem widersprechen Verantwortliche aus der Politik und Verwaltung.

„Wir haben das Phänomen von teils leer stehenden Gebäuden und Dörfern“, sagt das Ehrenmitglied der IGB. „Gleichzeitig werden am Rand der Dörfer Neubaugebiete ausgewiesen.“ Was mit den verwaisten Bauernhäusern passiert, interessiere nur wenige, moniert er.

Im Zuge des Klimawandels ressourcenschonender bauen

Angesichts des Klimawandels sei es Riepshoff zu Folge ressourcenschonender, die teils mehrere Hundert Jahre alten Gebäude zu sanieren, anstatt Neubauten zu errichten. „Zement und Beton sind große Klimatreiber“, erklärt er. Das bestätigt die Klimaschutzmanagerin der Stadt Bassum, Vanessa Witt, auf Nachfrage der Kreiszeitung: „Bestandsbauten zu erhalten und zu sanieren, ist klimafreundlicher, als neu zu bauen.“

In puncto Flächenverbrauch sieht der Hausforscher einen weiteren Vorzug für die unbewohnten Höfe: „Durch Neubaugebiete wird ununterbrochen Fläche versiegelt. Wenn man bestehende Gebäude weiternutzen und weniger neu bauen würde, könnte man das Problem minimieren.“

Die Architektenvereinigung Architects for Future vertritt einen ähnlichen Ansatz. Bundesweit plädiert der Verein im Sinne des Klimaschutzes für das Bauen im Bestand – also alte Gebäude nicht einfach abzureißen, sondern zu sanieren und weiterzunutzen.

Riepshoff ist die Thematik um die leer stehenden Bauernhöfe schon länger bekannt. Im Jahr 2010 begann er mit einer Arbeitsgruppe über mehrere Jahre hinweg nahezu alle „historisch relevanten“ Gebäude in der Gemeinde Dörverden aus dem benachbarten Landkreis Verden zu inventarisieren. Das Ergebnis: Knapp ein Drittel wurde „als nicht – oder nur untergeordnet – genutzt identifiziert“, wie es in einem Bericht von ihm in der Zeitschrift Holznagel von der IGB heißt.

Gegenüber den politischen Verantwortlichen äußert er Kritik: „In der Vergangenheit hätten sich Gemeinden schon darum kümmern können, den Leerstand zu bekämpfen.“ Es müsse finanzielle Anreize geben, Altbauten neu- oder umzunutzen.

In der Vergangenheit hätten sich Gemeinden schon darum kümmern können, den Leerstand zu bekämpfen.

Heinz Riepshoff, Interessengemeinschaft Bauernhaus

Florian Mareé, Bürgermeister der Stadt Diepholz und derzeitiger Sprecher der Bürgermeisterkonferenz im Landkreis, sieht die Lage deutlich weniger dramatisch. Zwar gebe es im Landkreis vereinzelt Leerstand, „es ist aber nicht so, dass wir ein großes Leerstandsproblem haben.“ Auch seine Amtskollegen hielten es für „kein flächendeckendes Problem“, sagt Mareé.

An einer Stelle gibt er Riepshoff recht. Mareé befürwortet ebenfalls den Erhalt von Bestandsgebäuden: „Es ist immer gut, vorhandene Bauten zu nutzen.“

Finanzielle Zuschüsse für den Erhalt des Bestands gibt es laut ihm an einigen Stellen bereits. So sei die Aussicht auf Fördergelder insbesondere bei historischer und ortsbildprägender Bausubstanz, wozu zum Teil auch Bauernhäuser zählen, besser als bei Neubauten, sagt der Sprecher der Bürgermeisterkonferenz.

Landkreis sieht kein „akutes Leerstandsproblem“

Auch Mareike Rein, Pressesprecherin des Landkreises, sieht kein akutes Leerstandsproblem. Ihr zufolge berät die Bauaufsichtsbehörde auf Kreisebene „regelmäßig zu Möglichkeiten der Umnutzung alter, ehemals landwirtschaftlich genutzter Gebäude.“ Für die Nachnutzung werden laut ihr „fast immer gute Lösungen“ gefunden.

Schwierig werde es erst dann, wenn Neubauten auf Flächen außerhalb der Ortschaften errichtet werden sollen, auf denen zuvor landwirtschaftliche Gebäude gestanden haben. Da eine solche „bauliche Entwicklung“ dort ursprünglich nicht vorgesehen war, ist in der Regel ein kostspieliger Bebauungsplan erforderlich.

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