Kadavertonne für Wildschweinüberreste steht jetzt in Schwaförden bereit
Prophylaxe gegen die Pest
Schwaförden – Klemens, der Schwarzwälder Schweißhund, lässt sich gerne streicheln. Lieber noch wären ihm eine wärmende Decke und ein Leckerli. Immerhin hat der achtjährige Rüde schon seinen Job getan. Jetzt noch den Fototermin an diesem nasskalten Morgen, dann ist aber auch gut. Sein Job: mit Frauchen Silke Funk-Schmidtke, offiziell für den Landkreis Diepholz bestätigte Schweißhundeführerin, nach einem toten Wildschwein suchen. War ein Klacks, dieses Mal, und nach einer guten halben Stunde erledigt.
Die etwa ein halbes Jahr alte Wildschwein-Sau wiegt um die 20 Kilogramm und liegt jetzt in einer Plastikwanne, die stellvertretender Hegeringleiter Moritz von Weyhe-Majert aus dem Kofferraum hievt. Für das Foto wird das tote Tier herausgenommen aus der Wanne. Es wird nun nach dem üblichen Verfahren entsorgt und nicht in die neu aufgestellte Kadavertonne gelegt.
Künftig aber können Jäger, die Schwarzwild oder dessen Innereien entsorgen müssen, eine von vier dafür aufgestellten Tonnen nutzen. Das neueste dieser 240 Liter fassenden Behältnisse ist aufgestellt vor dem neuen Betriebs- und Ausbildungszentrum des Forstamtes Nienburg, das auf dem Areal des Waldpädagogikzentrums Hahnhorst (WPZ) in Schwaförden entsteht. Die Wegeführung ist verändert auf dem Gelände, sodass das neue Zentrum per Fahrzeug erreicht werden kann, ohne den eigentlichen Bereich des WPZ nutzen zu müssen.
Die Tonne ist eine Prophylaxe-Maßnahme, erklärt Dr. Nils Roloff, Teamleiter Tierseuchen beim Landkreis Diepholz. Ein kleines, aber durchaus wichtiges Mittel, um die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Zumindest, es zu versuchen.
Mit solchen Tonnen, die in Brümmerloh, Schmolte, Borstel und jetzt in Schwaförden aufgestellt sind, soll eine Option geschaffen werden, die Kadaver sozusagen kostenlos zu entsorgen – und sie gleichzeitig testen zu lassen. Roloff erinnert, dass Schwarzwild generell auf Trichinen getestet werden muss. Das sei kostenpflichtig. Der Landkreis Diepholz zahle den Jägern eine Aufwandsentschädigung (in Höhe der Trichinen-Testgebühr), wenn gleichzeitig eine Blutprobe entnommen werde, um einen Kadaver oder Innereien auf Afrikanische Schweinepest überprüfen zu können. „So haben wir ein frühes Monitoring in Sachen ASP“, erklärt Roloff. Entsorgt werden können Tiere, die im Straßenverkehr verunfallt sind, verendete Kadaver, auf die Jäger in ihren Revieren stoßen – alle sind wichtig, denn: „Das ASP-Virus hält sich über Monate im Körper oder Kadaver eines Tieres.“ Bleibt ein verendetes Tier liegen, setze sich die Infektionskette in Gang, wenn andere Tiere sich an dem Kadaver bedienen. Der Beitrag der Jäger, ihre Reviere sauber zu halten, sei nicht zu unterschätzen, macht Roloff deutlich.
Die ASP stelle eine große Bedrohung dar, denn allein aufgrund der zwei Verdachtsfälle aus Brandenburg und Sachsen habe es bereits Länder gegeben, die den Import deutschen Schweinefleisches abgelehnt hätten. „Wenn kein Export mehr möglich ist, hat das dramatische Auswirkungen“, stellt Nils Roloff fest.
Der Landkreis Diepholz übernimmt die Kosten für die Entsorgung der Tonne, die pauschal 40 Euro koste: „Das ist ein geringer Betrag im Vergleich zu den Kosten, die entstünden, sollte die Afrikanische Schweinepest ausbrechen.“ Die Wildschweinkadaver werden derzeit in die Tierkörperbeseitigungsanstalten gebracht, hier unschädlich gemacht. „Nein“, betont Roloff auf Nachfrage, „diese Kadaver werden nicht weiterverarbeitet.“ Es gebe keinen Impfstoff, um die Afrikanische Schweinepest zu bekämpfen.
Die Jäger seien aufgerufen, die Entsorgung über die Tonnen zu nutzen. Wäre es dann nicht besser, flächendeckend im gesamten Landkreis Entsorgungsoptionen zu schaffen, um die Wege so kurz wie möglich zu halten? „Das wäre wünschenswert“, sagt Roloff. Die Gefahr, dass zu lange Wege zu einer Entsorgung ohne ASP-Test führen, sei groß.
Forstamtsleiter Henning Schmidtke indes beschwichtigt: Die vier Kadavertonnen stünden durchaus in wesentlichen Bereichen. Insbesondere Gebiete östlich von Sulingen, im Borsteler Moor und im Maasener Moor, seien wichtige Stellen der Wildschweinjagd.
Ansprechpartner vor Ort in Schwaförden ist Revierleiter Marco Becker, der aufgrund seiner regelmäßigen Präsenz nicht zusätzlich benachrichtigt werden müsse. Die Anlieferung ist ab sofort uneingeschränkt ganztägig über die Zufahrt zum Betriebsgebäude möglich. Das Befahren des Geländes ist zum Zwecke der Anlieferung gestattet. Sofern vorhanden, ist der Hygienesack aus Maisstärke zu benutzen. Ist ein Kadaver eingefüllt, sollte die Befüllung äußerlich kenntlich gemacht werden, dafür wolle man noch eine technische Möglichkeit anbringen, erklärt Forstamtsleiter Henning Schmidtke.
„Wir vom Forstamt Nienburg freuen uns, das Angebot des Landkreises Diepholz zur ASP präventiven Entsorgung von Schwarzwild und Schwarzwildteilen gemeinsam mit den Jägern zu unterstützen. Alles getragen von der Hoffnung, dass die ASP uns erspart bleibt.“
Da die Baumaßnahmen an der neuen Betriebsstätte noch nicht beendet seien, könnte die Tonne auch mal an anderer Stelle in der Nähe stehen. „Man findet sie aber“, versichert Henning Schmidtke.
Die vier aktuellen Standorte der Kadavertonnen im Landkreis Diepholz: bei Schmidtke, Campen 21 (Gemeinde Borstel); bei Gödeker, Brümmerloh 6 (Gemeinde Varrel); bei Dieke, Schmolte 16 (Gemeinde Barnstorf); am Waldpädagogikzentrum Hahnhorst, Schachtstraße 166 (Gemeinde Schwaförden).
