Über Grübelfallen und Zeitinseln

Interview mit Maren Schleiff: „Resilienz lässt sich trainieren“

Kommt am 2. November in den Treffpunkt „Sie(h)da“: Maren Schleiff.
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Kommt am 2. November in den Treffpunkt „Sie(h)da“: Maren Schleiff.

Am 2. November referiert die Trainerin Maren Schleiff in Brinkum zum Thema: „Frauen und Resilienz“. Wie man gestärkt aus Krisen zurückkommen kann, verrät sie im Interview. 

Stuhr – Arbeitslosigkeit, berufliche Turbulenzen, stetig steigender Druck im Job und in der Familie, kleine und große Lebenskrisen und das aktuelle Weltgeschehen – das alles sind kräftezehrende Herausforderungen. Im Workshop „Frauen und Resilienz – Veränderungen erfolgreich meistern“ möchte Maren Schleiff den Teilnehmerinnen Verhaltensweise an die Hand geben, die die persönliche Widerstandsfähigkeit stärken.

Maren Schleiff ist selbstständige Trainerin mit den Schwerpunkten Teamtraining, Teamcoaching, Prozessbegleitung, Organisations- und Persönlichkeitsentwicklung. Sie kommt auf Einladung der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft am Mittwoch, 2. November, 9 bis 13 Uhr, in den Brinkumer Treffpunkt „Sie(h)da“. Im Gespräch mit der Kreiszeitung plaudert sie vorab über Grübelfallen und Zeitinseln.

Frau Schleiff, geben Sie bitte eine Erklärung des Begriffs Resilienz.
Damit ist die Widerstandskraft der Seele gemeint. Der Mensch ist in der Lage, gestärkt aus einer Krise zurückzukommen. Ähnlich einem Schwamm, der zusammengedrückt wird und dann, wenn man ihn loslässt, wieder in seinen Ausgangszustand zurückkehrt. Dazu spielen verschiedene Kompetenzen eine Rolle: zum Beispiel der Optimismus, eine Ziel- und Lösungsorientierung, vorab immer die Kausalanalyse: Warum ist meine Situation so, wie sie ist? Es gehören noch mehr Faktoren dazu, man spricht auch von den sieben Säulen der Resilienz.
Was zeichnet resiliente Menschen aus?
Resiliente Menschen sehen, dass es Schwierigkeiten gibt. Sie realisieren, dass vieles gerade furchtbar anstrengend ist, sie gerade sehr traurig oder wütend über etwas sind. Sie haben aber den unbändigen Willen, dass es ihnen wieder gut geht. Sie lernen zu akzeptieren, was sie nicht verändern können, und dort zu handeln, wo sie Dinge selber verändern können. Dadurch wird wieder positive Energie im Körper freigesetzt.
Kann es sein, dass der Begriff in jüngster Vergangenheit überstrapaziert wird? Woran liegt das?
Überstrapaziert nicht, aber er hat unglaublich an Bedeutung gewonnen. Als Corona uns gezeigt hat, in welchem Zustand wir uns befinden; dass wir am Rad drehen. Wir mussten erkennen, dass wir zu schnell unterwegs waren und unachtsam mit uns umgehen. Wir waren gezwungen, in die Achtsamkeit zu gehen. Hier hat die Krise für viele aus meiner Sicht etwas sehr Positives bewirkt.
Ihr Thema „Frauen und Resilienz – Veränderungen erfolgreich meistern “ legt nahe, dass Frauen besonders betroffen sind. Ist das wirklich so?
Der Unterschied ist, dass Frauen achtsamer mit sich selber sind. Männer bekommen die Erkenntnis sehr häufig erst über einen extremen gesundheitlichen Einschnitt – bis sie merken, dass sie etwas tun müssen. Sie sind häufig nicht so sensibel mit ihren eigenen Emotionen. Frauen schauen mehr nach innen.
Resilienz ist also nicht weiblich, sondern es gibt eine weibliche Form der Resilienz?
Nein, das würde ich so nicht sehen. Männer sind bei diesem Thema genauso willkommen. Der Workshop richtet sich deshalb an Frauen, weil es eine Veranstaltung der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft ist.
Womit tun sich Frauen schwer? Womit kommen sie zu Ihnen?
Da sind wir bei der weiblichen Rolle in der Gesellschaft. Die Frau ist Mutter, Ehefrau, kümmert sich um die Kinder und muss beruflich erfolgreich sein. Dazu muss sie noch gut aussehen und sportlich rüberkommen. Das sind extreme Ansprüche an die Frau. Wichtig ist zu erkennen: Was hat das mit mir zu tun? Was kann ich tun, dass es mir gut geht? Wie kann ich Zeitinseln für mich finden? Ich muss nicht immer die Ansprüche der anderen erfüllen.
Gibt es ein immer wiederkehrendes Muster?
Oft haben Frauen Schwierigkeiten, sich selbst anzunehmen, Grenzen zu setzen. An den Punkt zu kommen, auch mal nein zu sagen. Ich muss nicht allen gerecht werden.
Im Internet stößt man auf zahlreiche Tipps zur Resilienz. Wo setzen Sie an?
Das Entscheidende ist das Individuelle. Jede Frau hat andere Bedürfnisse. Die eine befindet sich in der Lebensmitte. Die Kinder sind aus dem Haus, sie möchte wieder etwas für sich selbst tun. Die andere lebt auf der Überholspur des Lebens, zieht kleine Kinder groß und ist beruflich eingespannt, alles auf einmal.
Der Titel des Workshops legt auch nahe, dass die Entscheidung, sich zu verändern, bereits gefallen ist. Solche Frauen sind doch per se mutig.
Mutig vielleicht nicht, aber Frauen, die zum Workshop kommen, sind schon einen Schritt weiter. Sie merken: Ich will was tun, denn irgendwas fühlt sich nicht gut an in meinem Leben. Viele wissen nur nicht, was sie machen sollen. Resiliente Menschen sind klar und zielgerichtet unterwegs. Sie überlegen: Was muss ich stärken?
Was nehmen die Frauen aus dem Workshop mit?
Es ist einfach toll, in einer vertrauensvollen Atmosphäre über Themen zu sprechen, bei denen Frauen das Gefühl haben, dass sie etwas ändern wollen. In dem Workshop machen sie erste kleine Schritte, das ist motivierend und unterstützt den Weg nach vorne. Man ist ja oft in einer Grübelfalle gefangen. Wie lasse ich los und finde neue Dinge, die besser sind für mich? Das braucht Zeit, das ist ein Bewusstseinsprozess, der im Workshop angeschoben wird.
Kann man Resilienz eigentlich lernen?
Resilienz lässt sich wie Sport trainieren. Man kann die innere Einstellung verändern, das ist eine tolle Sache. Es gibt ein Zitat von Captain Jack Sparrow: „Das Problem ist nicht das Problem. Deine Einstellung zum Problem ist das Problem.“ Das ist das Resilienzthema, da muss man ansetzen.

Anmelden

Die Teilnahme am Workshop „Frauen und Resilienz – Veränderungen erfolgreich meistern“ kostet zehn Euro. Interessierte

melden sich bis Dienstag, 25. Oktober, bei der Koordinierungsstelle Frauen und Wirtschaft in Wildeshausen unter der Telefonnummer 04431/85 472 an. Weitere Informationen, Fördermöglichkeiten und Workshop-Hinweise für Frauen, speziell für Berufsrückkehrerinnen, gibt es im Internet unter www.frauen-und-wirtschaft.de.

Sieben Säulen

Das Resilienzkonzept der sieben Säulen veranschaulicht in einem Modell die wichtigsten Elemente zur Stärkung der inneren Widerstandsfähigkeit und zum souveränen Umgang mit Stress:

1. Optimismus

2. Akzeptanz

3. Lösungsorientierung

4. Opferrolle verlassen

5. Verantwortung übernehmen

6. Netzwerkorientierung

7. Zukunftsplanung

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