Zum Verwechseln ähnlich

Tierheim Arche Noah in Brinkum hat zwei Wolfhunde aufgenommen

Noch etwas scheu und zurückhaltend: Die beiden Wolfhunde „Lethe“ (links) und „Kalypso“ flitzen durch das Gehege. Vor ein paar Wochen hat das Brinkumer Tierheim Arche Noah die Wolfhündinnen aufgenommen.  Foto: terrasi
+
Noch etwas scheu und zurückhaltend: Die beiden Wolfhunde „Lethe“ (links) und „Kalypso“ flitzen durch das Gehege. Vor ein paar Wochen hat das Brinkumer Tierheim Arche Noah die Wolfhündinnen aufgenommen.

Brinkum – Da sind sie – und schon wieder weg! Kaum dass man einen Blick auf sie erhaschen konnte. Schnell rennen sie durch ihr Gehege. Sie verstecken sich hinter einem roten Schuppen, der im großzügigen Gehege steht. Einer ist grau, der andere schwarz. Sind es Wölfe oder Hunde? Es sind Wolfhunde. „Lethe“ und „Kalypso“ sind vor Kurzem, zusammen mit einem dritten Wolfhund, vom Brinkumer Tierheim Arche Noah aufgenommen worden. Nummer drei, „Mantao“, ist bereits an eine Hilfsorganisation für Wolfhunde abgegeben worden.

Aber erst mal auf Anfang: „Das Ordnungsamt Sottrum hat uns angerufen und gefragt, ob wir Fundhunde aufnehmen würden, die schon eine Weile an der Bundesstraße rumlaufen“, sagt Tierpflegerin Nadine Yavuz. Die Antwort sei ein klares „Ja“ gewesen. Dann kam aber auch schon das Aber: „Wir dachten, dass es normale Hunde sind, aber wir wussten nicht, dass es sich um Wolfhunde handelt“, erzählt sie weiter. Die Tiere lebten dort auf einem verlassenen Grundstück. „Es war komplett verkotet und voll mit Müll.“ Sie vermutet, dass sie von Anfang an schlecht sozialisiert worden seien, weil sie bislang nur unter Wolfhunde gelebt und nichts anderes kennengelernt hätten. Die Tiere sind Amerikanische Wolfhund-Mischlinge und etwa ein halbes Jahr alt.

Die Gemeinde Sottrum habe dann den Kontakt zum Hundefänger Heino Krannich aus Wittingen aufgenommen. Innerhalb von zwei Wochen habe er es geschafft, die Tiere anzufüttern und mit einer Distanz-Narkose einzufangen. „Sie waren am Anfang sehr scheu und ängstlich und sind immer weggelaufen. Sie sind schnell panisch geworden und haben versucht, die Zäune im Gehege hochzuklettern“, erinnert sich Nadine Yavuz.

Klettern? „Ja, wenn sie erwachsen sind, können sie bis zu zwei Meter hochspringen. Sie springen, klettern und buddeln. Sie kommen im Prinzip überall raus, wo man nicht einen Hochsicherheitstrakt draus baut“, sagt Yavuz mit einem Lachen. Der Zaun müsse mindestens 1,80 Meter hoch und ein Übersprungschutz befestigt sein. Zudem sollte der Zaun mindestens einen halben Meter im Boden eingelassen werden, damit sich die Wolfhunde nicht durchbuddeln können, erklärt die Tierpflegerin.

Es seien sehr intelligente Tiere. „Sie verstehen ganz viel. Sie sind aber auch sehr eigenständig und überlegen sich gut, ob sie das möchten, was auf sie zukommt. Sie sind sehr dickköpfig und haben den Jagdtrieb. Damit muss man umgehen können, den wird man nicht abtrainieren können“, listet die Tierpflegerin die Eigenschaften auf. Sie könnten aber auch anhänglich und liebevoll werden. Und sie mögen es nicht, alleine zu sein.

Mittlerweile seien „Lethe“ und „Kalypso“ neugierig geworden. „Sie laufen eher hinter einem, als vorne weg und immer auf Distanz.“ Wenn sich ihnen die Möglichkeit böte, würden sie ausbüchsen.

Wie kam es denn zu den Namen? „Die Namen kommen aus der griechischen Mythologie“, so Yavuz. „Lethe“ bedeutet „verborgen“ und Kalypso „versteckt“.

Den Rüden „Mantao“ hat das Tierheim vor drei Wochen der Hilfsorganisation für Wolfhunde, „Camchatca“, übergeben. Anna Caroline Hein von der Organisation besitzt in Süderdorf ein Hundehotel. „Sie arbeitet schon lange mit Wolfhunden zusammen und kennt sich gut mit ihnen aus. Es ist schon was anderes als ein Schäferhund oder ein Haushund, den wir hier so kennen. Alleine schon was die Haltung der Tiere betrifft“, sagt Yavuz.

Bei Hein lebe der Rüde zusammen mit anderen Hunden. Zudem habe er bei ihr Familienanschluss. „Das ist wichtig, damit sie ihre Scheu verlieren.“ Der Rüde habe sich schon gut entwickelt. „Er läuft an der Leine und lässt sich auch streicheln.“ Die Pflegestelle ist jedoch nur eine Zwischenstation, bis der Rüde weitervermittelt werden kann. Mit der Sozialisierung dürfe man allerdings nicht zu lange warten, weil die Tiere verwildern würden.

Ob die drei Wolfhunde Geschwister sind, lasse sich schwer sagen. „Wir gehen aber davon aus, weil sie ungefähr gleich alt sind.“ „Kalypso“ soll ebenfalls bald bei Hein unterkommen. „Das ist für die Sozialisierung das Geeignetere“, so die Tierpflegerin. Ein weiterer Punkt ist, dass sich Wolfhündinnen nach der Geschlechtsreife nicht mehr verstünden. „Das haben die Wolfhunde noch so in der Genetik. Deswegen ist es schwierig, zwei Weibchen miteinander zu vergesellschaften“, erklärt Yavuz. Es könne sogar zu Todeskämpfen zwischen den Tieren kommen. Vom Aussehen her kann man sie kaum von einem Wolf unterscheiden. „Das Ziel der Züchter ist oft, dass sie immer mehr wie ein Wolf aussehen sollen.“ Sogar Experten könnten den Unterschied nicht immer erkennen. Selbst die Fußspuren sehen genauso aus. Die Augenfarbe unterscheide sich jedoch. „Wölfe haben gelbe Augen“, so die 32-Jährige. Ein weiterer Unterschied: „Wölfe tragen ihre Rute meistens unten. Wolfhunde haben sie oft mal aufgestellt. Es kann aber auch sein, dass ein Wolf sie zur Kommunikation aufstellt.“ 100-prozentige Aufklärung würde eine DNA-Analyse geben. Die beiden Wolfhündinnen bellen auch nicht, sie heulen, berichtet Nadine Yavuz.

Können sich Wolfhunde auch zu einem Familienhund entwickeln? „Sie sind immer etwas anders. Es gibt Wolfhunde, die kuschelig und anhänglich sind, aber es sind trotzdem Hunde, die das Sofa zerlegen können, über den Zaun springen oder sich aus dem Garten ausbuddeln, wenn man sie unbeaufsichtigt lässt“, erklärt Yavuz und lacht.

Interessenten sollten auf jeden Fall Erfahrungen mit Hunden vorweisen. „Man muss sich aber auch drauf einstellen, dass sich das ganze Leben um den Wolfhund dreht, weil man sie in der Regel schlecht alleine lassen kann.“ Daher halten sich die meisten zwei Wolfhunde, aber sie kommen auch mit anderen Hunderassen aus – wenn sie zu klein sind, nehmen die Wolfhunde sie als Beute wahr. Daher rät die Tierpflegerin auch nicht dazu, Wolfhunde zusammen mit Katzen zu halten.

Des Weiteren sei zu beachten, dass man einen Wolfhund mit im Haus halten sollte, „damit er sich auch wie ein Hund entwickeln kann“. Familienanschluss sei besonders wichtig. Wegen des Jagdtriebs sei Gassi gehen allerdings schwierig. Ein Außengehege sei darum sinnvoll.

Weitere Infos online verfügbar.

Von Lara Terrasi

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Frech und pfiffig: Diese Pferderassen haben es faustdick hinter den Ohren

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Kanufahren, Demokratieworkshop und sportliche Wettkämpfe

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Die Bildergalerie der Bands: Das war am Samstag auf den Hurricane-Bühnen los

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Hurricane Festival 2026: Die Fotos vom Sonntag

Kommentare