Mühlensanierung
Die Sanierung der Windmühle Labbus steht vor dem Abschluss
Bis Ende Juni sollen die Galerie und die Flügel an der Windmühle Labbus montiert sein.
Sulingen – „Das ist so schön“, freut sich Aileen Hansing, 1. Müller des Mühlenvereins Labbus. Der Grund ihrer Freude ist ein Baugerüst, das seit Mittwoch die Mühle umschließt – als äußeres Zeichen dafür, dass die Sanierung der Mühle ihrem Abschluss entgegengeht.
Das Gerüst dient dazu, nach 16 Jahren wieder eine Galerie am Mühlengebäude anzubringen. Grundlage für das neue Bauwerk sind Zeichnungen des Mühlensachverständigen Rüdiger Hagen, die sich orientieren an der zuletzt montierten Konstruktion. Die Zeichnungen seien von der Zimmerei Thiermann aus Mellinghausen in CAD-Dateien umgewandelt worden, um in den eigenen Hallen die einzelnen Balken, Planken und sonstigen Bauteile der Galerie aus Eichenholz zu fertigen, erläutert Aileen Hansing. Anschließend seien die Teile mit einer Mischung aus Pech und Leinöl imprägniert worden.
Nachdem zuvor die letzten Überreste der alten Galerie entfernt wurden, brachten die Zimmerleute zunächst die 32 Balken sowie den inneren und den äußeren Ring an. Gestützt von einer Unterkonstruktion tragen sie schließlich die Beplankung und das Geländer der Galerie. Das Bauwerk fällt nach außen hin leicht ab, damit Wasser sofort abfließen kann und nicht stehen bleibt. Mit einer Breite von drei Metern umläuft es das ganze Gebäude. Eingelassen wird wieder – getreu dem historischen Vorbild – eine Falltür für den Sackaufzug, und gemäß der modernen Anforderungen ist in Abstimmung mit den Baubehörden auch ein zusätzlicher Fluchtweg außen vorgesehen.
Der Aufbau der Galerie soll um Pfingsten herum abgeschlossen sein, weswegen zum Mühlenfest am Pfingstmontag, 6. Juni, das Gerüst noch nicht entfernt werden kann. Zumindest einen Blick auf die dann noch nicht begehbare Galerie könnten die Besucher aber werfen, versichert Aileen Hansing.
Dem Bauwerk kommt eine wichtige Funktion zu, denn es dient als Arbeitsbühne für die Steuerung der Mühle: Von hier würden die Bremsen gelöst oder angezogen, so Helmut Hansing, Vorsitzender des Mühlenvereins, und nur von hier ließen sich die Jalousieklappen der Flügel an die Windverhältnisse einstellen. Darüber hinaus biete die Galerie auch den Zugang für die Wartung der Flügel.
Besagte Flügel holten Mitarbeiter des Mühlenbau-Unternehmens Pätzmann aus Winsen an der Luhe ab, um sie in den eigenen Werkstätten aufzuarbeiten. Dabei müssen Holzteile und Teile der Metallkonstruktion ausgetauscht werden, bevor die Flügel neu eingestellt und ausgewuchtet werden können. Gegen Ende Juni sollen sie wieder an der Mühle montiert werden als Abschluss der 2017 eingeleiteten Großsanierung. Ab dann sollen wieder regulär standesamtliche Trauungen im Obergeschoss der Mühle möglich sein.
Zeitplan und Budget werden eingehalten
„Wir sind gut im Zeitplan“, sagt Helmut Hansing. Auch die Kosten würden im Budget bleiben, weil mit den beteiligten Unternehmen Festpreise vereinbart worden seien.
Parallel dazu hat der Verein in der Mühle und im Außenbereich weitere Schritte unternommen, um dem großen Ziel näherzukommen: dem Status als einzige produzierende historische Mühle im Landkreis. Bereits im Januar sei eine durchgewachsene Hecke entfernt worden. Das sei nötig gewesen, um für bessere Windverhältnisse zu sorgen und Turbulenzen zu vermeiden, so Aileen Hansing. Das diene vor allem dem langfristigen Schutz des Kappengetriebes, aber der alte Laubbaumbestand auf dem Gelände bleibe erhalten.
Mühlentechnik wird ergänzt
Veränderungen gibt es zudem im Inneren an der Mühlentechnik: Bereits für die kommende Woche wird das Eintreffen eines Zentrifugensichters erwartet. Das restaurierte Gerät stammt aus der Zeit um 1900 und wird benötigt für die Produktion von Feinmehl. Im Sommer soll zusätzlich aus dem Raum Greifswald ein restaurierter Walzenstuhl installiert werden, der ebenfalls bei der Feinmehlherstellung eingesetzt wird.
Darüber hinaus lassen sich derzeit vier Mitglieder des Mühlenvereins von der Müllergilde fortbilden zu Mahl- oder Handwerksmüllern. Dabei lernten die Teilnehmer, auf historischen Anlagen unterschiedliche Mehlsorten zu produzieren, erläutert Aileen Hansing. Die Prüfung sei für den Spätsommer hier und in der Windmühle „Paula“ in Steinhude vorgesehen, und Ende Oktober würden die erfolgreichen Teilnehmer ihre Zertifikate erhalten.
Mehlproduktion für den Erhalt der Mühle
Schon jetzt produziere man in Labbus in kleinen Mengen, die an Bekannte abgegeben würden. Teilweise geschehe das in Kooperation mit der „Paula“, weil hier noch kein Feinmehl hergestellt werden könne. Die Produktion diene vor allem dazu, die Abläufe einzuüben, und daneben arbeite man an einem Hygienekonzept für die Lebensmittelsicherheit, angelehnt an die entsprechenden Konzepte anderer produzierender historischer Mühlen. „Das Mahlen mit Wind hat eine Einzigartigkeit in der Region“, betont Aileen Hansing. Der Erlös werde dem Erhalt der Mühle zugutekommen, und es seien regelmäßige Mahltage in Vorbereitung.

