Elektroautos bei der Post
Briefe und Pakete kommen im Sulinger Land per Elektroauto
Deutsche Post DHL Group setzt in Sulingen ab sofort zehn Streetscooter ein und will langfristig alle Verbrennerfahrzeuge ersetzen.
Sulingen – Im Februar lief noch der Testbetrieb, nun hat der reguläre Einsatz begonnen: Ab sofort gehören zehn Streetscooter zur Flotte des Zustellstützpunkts Sulingen der Deutsche Post DHL Group.
„Die Fahrzeuge fallen auf“, stellt Stephan Siegmann, regionaler Politikbeauftragter der Unternehmensgruppe, fest, als er am Donnerstag am Standort die heimischen Bundestagsabgeordneten Peggy Schierenbeck (SPD) und Axel Knoerig (CDU) sowie Sulingens Bürgermeister Patrick Bade zur Vorstellung der Elektromobile begrüßt. In den nächsten 14 Tagen kämen zwei weitere hinzu, langfristig sollten alle Zustellfahrzeuge elektrisch betrieben werden. „Wir senden damit ein deutliches Signal für CO2-freie Mobilität.“
Als die Post 2019 an diesen Standort gezogen ist, habe man schon angekündigt, Stück für Stück auf E-Mobilität zu setzen, erinnert Frank Schmidt, Leiter der Niederlassung Bremen. Bereits jetzt seien Ladepunkte für alle Fahrzeuge eingerichtet, an denen sie über Nacht nacheinander aufgeladen werden können.
Geladen werde in Sulingen ausschließlich mit „grünem Strom“, ergänzt Stephan Siegmann. „Wir erhöhen den Anteil immer deutlicher, und zudem kompensieren wir seit zehn Jahren den CO2-Ausstoß für jedes über uns versandte Paket.“
Der Streetscooter sei eine Eigenentwicklung der Post, führt Schmidt weiter aus, in Sulingen habe man Fahrzeuge der dritten Baureihe. Im Vergleich zu den ersten Fahrzeugen sei ihre Ladekapazität verdoppelt worden, die Reichweite habe sich von 80 auf 120 Kilometer erhöht. Jeder Streetscooter spare pro Jahr vier Tonnen Kohlendioxid ein. Mit derzeit 18 500 Fahrzeugen verfüge die Post über die mit Abstand größte E-Flotte im Wettbewerb, bis 2025 solle sie auf mehr als 38 000 E-Zustellfahrzeuge aufgestockt werden.
Laut Schmidt werden vom Stützpunkt Sulingen aus – je nach Jahreszeit und Zustellmenge – 27 bis 32 Bezirke von rund 40 Mitarbeitern versorgt, für jeden Bezirk gebe es ein eigenes Fahrzeug. Pro Tag würden rund 2 500 Pakete zugestellt, in Spitzenzeiten, wie vor Weihnachten sogar bis zu 3 500 – „durch die Pandemie war für uns fast das ganze Jahr Weihnachtszeit.“ Die Entwicklung bleibe nicht stehen: Aktuell werde ein E-Fahrzeug in „Sprinter“-Größe getestet, das als Laderaum über eine zwölf Kubikmeter große „Gigabox“ verfüge und als Rechtslenker ausgelegt sei, sodass die Fahrer nicht mehr zur Fahrbahn hin ein- und aussteigen müssen. Gedacht sei diese Entwicklung für die reine Paketzustellung, während die Streetscooter für die Verbundzustellung – Brief- und Paketsendungen – gedacht sei.
Nachnutzung für Akkus im Test
Die Streetscooter liefen etwa acht bis zehn Jahre, erläutert Schmidt. Danach seien die Karosserien möglicherweise nicht mehr brauchbar, aber die Akkus hätten noch 60 bis 80 Prozent ihrer Ladekapazität. Daher werde gerade getestet, ob man sie an den Post-Standorten als Speicher für Photovoltaikanlagen nutzen kann.
„Ich freue mich, dass der Standort hier so fortschrittlich ist“, lobt Peggy Schierenbeck. Ihr Parlamentskollege Axel Knoerig zeigt sich nach einer kurzen Probefahrt auf dem Gelände ganz begeistert: „Das ist wie ein großes Gokart, es hat einen guten Anzug und ist ganz bequem.“
Mitarbeiter freuen sich auf Streetscooter
Er freue sich, dass sich der Zustellstützpunkt so positiv entwickelt habe, sagt Patrick Bade. Auswirkungen der neuen Fahrzeuge habe er bereits im eigenen Haushalt festgestellt: „Mein Hund ist ganz irritiert, weil er den Postboten nicht mehr kommen hört.“
Auch bei den Zustellern kämen die Fahrzeuge gut an, berichtet Sascha Barbato, Abteilungsleiter Briefversand: „An der Ampel hat auf den ersten 20 Metern ein Porsche keine Chance.“ Das hätten die Mitarbeiter schnell festgestellt, weswegen sich alle darauf freuten, auch einen Streetscooter zu fahren. „Wir müssen da keine Überzeugungsarbeit mehr leisten.“
Die Reaktionen seien auch am Standort Sulingen durchweg positiv, bestätigt dessen Leister Jens Schlegel-Steenhoff: „Es ist etwas Gewöhnungssache, aber vom Handling und von der Fahrweise her ist es wirklich besser.“ Die E-Fahrzeuge seien etwa einen Meter länger als die bisherigen VW-Transporter und hätten daher ein größeres Ladevolumen – 4 200 statt 3 800 Liter. „Alle sind sehr zufrieden“, so Schlegel-Steenhoff. „Am Anfang gab es vereinzelt etwas Angst vor Neuem, aber wenn sie einmal damit gefahren sind, ist alles bestens.“
Mein Hund ist ganz irritiert, weil er den Postboten nicht mehr kommen hört.

