Awo bietet wöchentlich Winter-Suppenküche in Wessels Hotel an
Einmal die Woche eine warme Suppe bietet der Syker Ortsverein der Arbeiterwohlfahrt ab sofort an. Der Weg dahin war allerdings steinig und Vorsitzender Heinfried Schumacher stand bereits kurz vor dem Aufgeben. Jetzt sprang die Stadtverwaltung ein und reaktiviert ganz unbürokratisch die alte Gaststube in Wessels Hotel. Erste Suppenausgabe ist nächsten Mittwoch.
Syke – Dreimal ist Bremer Recht oder: Third time lucky. Sprüche dieser Art gibt’s genug. Und irgendwas scheint dran zu sein. Das hat jetzt auch Heinfried Schumacher einmal mehr festgestellt. Erst im dritten Anlauf konnte der Vorsitzende des Awo-Ortsvereins eine Idee umsetzen, die er im Vorfeld eigentlich für einen Selbstläufer gehalten hatte: Die Awo bietet in diesem Winter eine öffentliche Suppenküche an. Und die Stadt richtet dafür die alte Gaststube in Wessels Hotel wieder her.
Dass sich ausgerechnet die Stadtverwaltung – wo doch die Bürokratie von Natur aus am ehesten zuhause ist – dabei am unbürokratischsten zeigt, hätte sich Schumacher vorher auch nicht unbedingt träumen lassen. Aber er sagt ganz offen: „Das war mein letzter Versuch. Hätte es hier auch nicht geklappt, hätte ich es aufgegeben.“
Menschen mit geringem Einkommen etwas Druck nehmen
Aber der Reihe nach: Schon eine ganze Weile ging der Awo-Ortsverein mit der Idee einer Suppenküche für den Winter schwanger. Explodierende Energiepreise, steigende Lebenshaltungskosten: All das wirkt sich besonders schwer auf Menschen mit wenig Einkommen aus. Manche Rentner und Geringverdiener müssen jeden Euro inzwischen dreimal umdrehen. Diesen Menschen wenigstens ein bisschen Druck nehmen und ihnen einmal in der Woche eine heiße Suppe anzubieten, war der Gedanke.
Im Bio-Hof Voigt und der Frische-Kiste fand Schumacher den Partner, der die Lebensmittel dafür spendiert. Und für die Ausgabe wollte er sozusagen in der Awo-Familie bleiben. Konkret: Im Gleis 1, der Begegnungsstätte von Awo-Trialog am Bahnhof.
Alles war bereits geregelt und der Termin für die erste Suppen-Ausgabe stand schon fest, als im letzten Moment die Trialog-Leitung zurückruderte und Schumacher eine Absage erteilte.
Besondere Situation ist Grund für Absage
„Offiziell habe ich bis heute nie den Grund dafür erfahren“, sagt er mit durchaus hörbarer Kritik in der Stimme. „Auf Anrufe und Mails habe ich keine Antwort erhalten.“
Die Kreiszeitung hat erfahren: Der Grund ist die besondere Situation. Das Gleis 1 ist keine normale Gastronomie, sondern eben eine Begegnungsstätte, für die besondere Hygienevorschriften gelten. Die Einrichtungsleitung war überzeugt: Die dafür erforderlichen Zertifikate hätte Schumacher nicht beibringen können. Das Gleis 1 hätte seine behördliche Zulassung riskiert.
„Da haben die Hauptamtlichen eines Wohlfahrtsverbands ihre eigenen Ehrenamtlichen behindert“, meint Schumacher und ist überzeugt: „Wenn sie mir das gesagt hätten, hätten wir auch Lösungen dafür gefunden.“
Schumacher musste sich einen neuen Partner suchen
Ist aber nicht passiert. Also musste sich Schumacher einen anderen Partner suchen und kam auf den Verein Rund ums Syker Rathaus, der an der Waldstraße 3 das Café Alte Posthalterei bewirtschaftet. Aber ähnliches Bild: Nach der ersten begeisterten Zusage vom Vorsitzenden Johannes Huljus am Donnerstag kam am Dienstag die Absage: Die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen dort hatten Bedenken gegen die Suppenküche geäußert.
„Frag doch mal die Stadt!“, hatte Schumacher dann den Tipp gekriegt. Weil er in der Kreiszeitung gerade einen Artikel über Wessels Hotel gelesen hatte, fragte er: „Können wir da vielleicht rein? – Und Frau Laue hat Ja gesagt“, erzählt Schumacher.
Und somit gibt es nächsten Mittwoch schon die erste Suppe. „Wir machen keine Bedürftigkeitskontrolle“, betont Schumacher. Von 12 bis 13.30 Uhr gibt es eine frisch gekochte Kürbissuppe für den symbolischen Preis von einem Euro. Die letzte Ausgabe ist für den 26. April geplant.
Frühere Gaststube wird bisher als Abstellraum genutzt
„Wir müssen bis Mittwoch noch ein bisschen was machen“, sagt Bürgermeisterin Suse Laue mit gelindem Understatement. Die frühere Gaststube wird im Moment als Abstellraum genutzt, ist völlig zugestellt und muss erst freigeräumt werden. Das alte Gaststätten-Mobilar steht einen Stock höher im Großen Saal – und muss wieder runtergeschleppt werden. Und gründlich sauber machen muss die Stadt auch noch. Wobei der Geruch nach dem Tabakqualm von 100 Jahren nicht aus dem Raum zu kriegen sein dürfte.
„Die Küche kann natürlich nicht genutzt werden“, sagt Suse Laue. Muss sie auch nicht. Gekocht wird ab Februar in der Küche der Luise-Chevalier-Oberschule und bis dahin bei Schumachers zuhause. „Von meiner Frau und mir“, sagt Heinfried Schumacher. Bürokratisch übrigens gar kein Problem: „Wir haben eine Gaststätten-Konzession.“