Gerüstet für die Dunkelheit
Stadt Syke lässt sich neues Notstromkonzept mehr als 100.000 Euro kosten
Wie gut ist Syke auf Extremwetterlagen vorbereitet? Zumindest steht das Thema auf der Agenda der Stadt: Sie lässt sich ein neues Notstromkonzept mehr als 100.000 Euro kosten. Zwei Notstromaggregate und sieben kleinere Geräte sollen für Energie sorgen, wenn’s unverhofft dunkel wird.
Syke – Mit dem Ende des Kalten Krieges gerieten einige zuvor selbstverständliche Vorsorgemaßnahmen in Vergessenheit. Kaum jemand kennt heute noch die Sirenensignale, die nicht nur Feuerwehrleute zum Einsatz rufen können. Nicht erst seit den aktuellen Ereignissen im Ahrtal ist sich die Syker Verwaltung bewusst, für Extremwetterlagen Vorkehrungen treffen zu müssen.
Fortbildungen in der Katastrophenschutzschule
Bereits 2017 nahm ein Arbeitskreis, bestehend aus Leitungskräften von Verwaltung und Feuerwehr, seine Arbeit auf, um für mögliche Ereignisse gerüstet zu sein. Mehrere Mitglieder des Arbeitskreises und Bürgermeisterin Suse Laue absolvierten Fortbildungen in der Katastrophenschutzschule des Bundes in Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Ein erstes Zwischenergebnis bezüglich einer Notstromversorgung präsentierte der Arbeitskreis dem zuständigen Ratsausschuss bereits 2020. Das entwickelte Arbeitspapier sieht örtliche Feuerwehrhäuser als dezentrale Anlaufstellen für die Bevölkerung. So schildert es die Verwaltung in einer Informationsvorlage für den Stadtrat.
Das Arbeitspapier sieht eine Notstromversorgung dieser Anlaufstellen vor, die allerdings erst noch geschaffen werden muss. Für die Anschaffung von Notstromaggregaten stellte der Stadtrat 109.000 Euro zur Verfügung.
In Gödestorf sollen das Drei-Dörfer-Haus und die Turnhalle mit einem Großaggregat versorgt werden. Beide Gebäude, direkt am Feuerwehrhaus, stehen damit auch als Notunterkunft zur Verfügung.
Das Konzept sieht vor, die Feuerwehrhäuser in Syke und in Gödestorf mit jeweils einem mobilen Großaggregat für eine Vollversorgung auszustatten. „In Gödestorf sollen das Drei-Dörfer-Haus und die Turnhalle mit einem Großaggregat versorgt werden. Beide Gebäude, direkt am Feuerwehrhaus, stehen damit auch als Notunterkunft zur Verfügung“, so Stadtbrandmeister Stefan Schütte auf Nachfrage.
Feuerwehrhaus Syke wird im Notfall zur zentralen Befehlsstelle
„Das Syker Feuerwehrhaus soll bei Extremsituationen den Einsatzstab der Bürgermeisterin und die zentrale Befehlsstelle aufnehmen“, ergänzt er. Die übrigen sieben Feuerwehrhäuser werden mit tragbaren Notstromgeräten ausgestattet. Hier geht es nur darum, die Kommunikation per Telefon, Funk und Computer sowie Heizung und Licht aufrechtzuerhalten, die Hallentore zu bewegen und eine Kaffeemaschine oder einen Wasserkocher bedienen zu können. Zur externen Stromeinspeisung müssen im Gebäude Vorrichtungen eingebaut werden.
In der Vorlage geht die Stadtverwaltung davon aus, die dazu notwendigen Arbeiten im laufenden Jahr erledigen zu können. Die Beschaffung der Notstromaggregate verzögert sich nach Worten des Stadtbrandmeisters, weil den Herstellern Elektronikkomponenten fehlen, die derzeit nicht lieferbar sind.
Nach 24 Stunden übernimmt der Landkreis
Der Plan geht von einem flächendeckenden Stromausfall von bis zu 24 Stunden aus. Sollte es zu einem länger andauernden Stromausfall kommen, tritt der Katastrophenschutzplan des Landkreises Diepholz in Kraft. Der Landkreis hätte dann den Katastrophenfall auszurufen.
Bei großflächigem Stromausfall würden die Feuerwehrhäuser unmittelbar besetzt werden. Die Feuerwehr übernähme dann die Information der Bevölkerung und das Weiterleiten von Hilfegesuchen sowie Kommunikations- und Logistikaufgaben.
Neben der Notstromversorgung beschäftigte sich der Arbeitskreis auch mit einer Logistikplanung für größere Einsatzlagen. Dieses Thema konnte vor Kurzem durch Bildung einer Logistikgruppe bei der Feuerwehr mit entsprechendem Fahrzeug und Equipment abgeschlossen werden. Sollte auch die Notstromplanung umgesetzt sein, bleibt dem Arbeitskreis noch die Ausarbeitung einer Aufbau- und Ablauforganisation bei Großschadens- und Flächenlagen. Einen kleinen Vorgeschmack auf derartige Einsatzszenarien gab es erst vor Kurzem nach den Starkregen-Ereignissen in Ristedt und Gessel.