Bürgermeister Behrens begrüßt die Entscheidung für den Aussichtsturm / Kritiker monieren Ästhetik und Geldausgabe
„Türme ziehen die Menschen magisch an“
Syke - Umweltminister Hans-Heinrich Sander weiht heute mit großem Gefolge den Aussichtsturm am Hohen Berg ein. Die Gastgeber sind des Lobes voll. Nach wie vor gibt es aber auch kritische Stimmen, die das Geld lieber woanders gesehen und den Urzustand des Hohen Berges behalten hätten. Ein Gespräch mit Bürgermeister Dr. Harald Behrens.
„Die Entscheidung zum Turmbau war richtig“, sagt Behrens bestimmt und spricht schon jetzt nach gut einem Jahr von einem Turmtourismus.
Dieser Tourismus ist es ja gerade, den einige Syker beklagen. In den Grillfesten und dem zwölf Meter hohen Metallgerät sehen sie etwas, das ihrer Meinung nach dort auf den Berg nicht hingehöre, ihn geradezu verschandele.
Behrens hält dagegen, erinnert an eine Welt im Wandel. Davon sei auch Syke betroffen. Um nicht abgehängt zu sein von der modernen Entwicklung, müsse Syke sich einbringen, auch und besonders im Bereich Naherholung. „Türme ziehen die Menschen magisch an“, erklärt der Bürgermeister. Mit dem Turm habe Syke eine prominente Marke gesetzt, ist er überzeugt.
Eine Marke, die nicht billig war. 125 000 Euro hat der Turm gekostet. 32 000 Euro musste die Stadt beisteuern. Der Rest waren EU-Mittel. Hat sich diese Ausgabe gelohnt? „Wäre es nur um den Turm gegangen, nein“, räumt Behrens ein.
An dem Turm-Projekt hänge aber ein ganzes Paket an Maßnahmen, betont der Syker Bürgermeister und zählt einige auf. Etwa die seltenen Tierarten aus dem Arche-Hof Evers, die dort ein Zuhause erhalten hätten. Ein Imker plane den Aufbau einer Zucht. Der NABU biete Veranstaltungen an, beispielsweise im Rahmen von Fledermaus-Abenden. „Wir haben dort schon über 1000 Gewächse gepflanzt und eine Streuobstwiese mit vielen Sorten angelegt. Pflücken ist übrigens erwünscht“, so Behrens, der längst einen Erlebnisraum ausmacht, der dort entstanden sei und weiter wachse.
Aus diesen Gründen hätten sich ja der Landkreis und der Naturpark Wildeshauser Geest in Hannover für das Projekt Turm eingesetzt. Auch die Geldgeber in der Landeshauptstadt hätten das so gesehen. „Die kriegen doch hunderte von Anträgen auf Bezuschussung von Türmen auf den Tisch. Warum sollten sie gerade den in Syke fördern. Nein, das Rundumkonzept ist stimmig“, betont der Bürgermeister.
Den Syker Turm hält er für eine unglaubliche Bereicherung des Standorts Hoher Berg. Man könne von dort oben weiter schauen. Es fehle der Dunstschleier. „Der Turm bleibt Besuchern anders in Erinnerung als der Blick von der Wiese“, ist Behrens sicher.
Die Kritik eines ästhetischen Fremdkörpers hält der Bürgermeister für überzogen. Die Landschaft habe sich ja bereits durch Windräder verändert. Technik sei heute intensiver im Erscheinungsbild vertreten.
„Und man glaubt ja gar nicht, welche Farben dieser Turm etwa in der Abendsonne hervorbringt“, schwärmt Behrens von einem Projekt, dessen Relation er für ausgewogen betrachtet. Sowohl vom Preis als auch von der Gestaltung her. 200 000 Euro, das wäre zu viel gewesen, ein 20 Meter hoher Turm ebenfalls.
„Naherholung ist heute ein wichtiger Faktor im Gesamtbild einer Gemeinde wie Syke. Das Geld, das wir ausgeben, sollte auch sichtbar sein. Wie bei diesem Turm“, erklärt der Syker Bürgermeister. · vog