Neue Wege in Coronazeiten
Zwischen Tüll und Lockdown
„Die Brautmacherin“ Martina Fischer ist aus der Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“ bekannt. Um Bräuten auch in Zeiten des Lockdowns zu ermöglichen, ihr Hochzeitskleid zu finden, haben sie und ihr Team sich etwas ausgedacht.
Borwede – Bei ihrer Hochzeit wollen viele Frauen nicht irgendein Kleid tragen. Es soll das perfekte Kleid sein. Blöd nur, wenn der große Tag näher rückt und eine Pandemie dafür sorgt, dass alle Brautläden dicht sind. Anproben im herkömmlichen Sinne sind während des Lockdowns nicht möglich. Aber Corona macht erfinderisch: Martina Fischer, Inhaberin der Borweder Boutique „Die Brautmacherin“, bietet nun Online-Anproben an.
Etwa 100 Hochzeitskleider
Ihr Laden befindet sich in einem schnuckeligen Fachwerkhaus, rund einen Kilometer von der B 51 entfernt. Im Inneren hängen funkelnde Kronleuchter an einer rustikalen Holzbalkendecke. Die eigentlichen Hingucker sind aber die rund 100 Kleider im Vintage- und Bohostil. An goldfarbenen Stangen reihen sie sich aneinander.
Die Lieferzeit für so ein Kleid kann mehrere Monate betragen. Im Winter haben Brautausstatter daher Hauptsaison. „Dann verdienen wir das Geld, um wieder neue Kleider einkaufen zu können“, erzählt Martina Fischer. In diesem Winter wirbelt der Lockdown den üblichen Zeitplan ordentlich durcheinander. Das bedeutet auch: Für Bräute, die im Frühjahr oder Sommer heiraten wollen und noch kein Kleid haben, kann es so langsam eng werden. „Manche sind schon nervös“, berichtet Martina Fischer.
Die 47-Jährige hat sich daher entschlossen, Online-Anprobetermine anzubieten. Das Ganze läuft wie folgt ab: Bräute sprechen mit den Mitarbeiterinnen der Boutique per Telefon, E-Mail oder Videochat über ihre Vorstellungen und Wünsche. Anschließend können sie eine Auswahl von vier Kleidern im Geschäft abholen und zu Hause anprobieren – unterstützt von einer Brautberaterin, die sich per Videochat zuschaltet. Sollte das passende Kleid dabei sein, gibt es als kleinen Trost für die fehlende Anprobe in der Boutique einen Rabatt von 15 Prozent.
Mission: Bräute glücklich machen
„Bislang ist das super positiv angenommen worden. Die Nachfrage ist groß“, sagt Martina Fischer über die Onlineberatung. „Wir haben schon die eine oder andere Braut damit glücklich gemacht.“ Das Angebot ist noch neu, die meisten Termine stehen somit noch aus. Für die „Brautmacherin“ steht aber schon jetzt fest: Das Konzept funktioniert. „Ich finde es schön, wenn Bräute trotzdem ihr Kleid kaufen können. Und ich freue mich, dass ich hier meiner Mission nachgehen kann.“ Diese Mission lautet: Bräute glücklich machen.
Erst hatte sie Bedenken, ihren Kundinnen Kleider mit nach Hause zu geben. Ganz billig sind die Roben schließlich nicht. Die Zweifel sind mittlerweile aber weitgehend verflogen. „Ich hoffe einfach, dass die Bräute damit sorgsam umzugehen wissen“, sagt die Boutique-Besitzerin.
Optimismus trotz Corona
Heiraten in Niedersachsen wird auch 2021 schwierig, aber möglich. Trotz der unsicheren, ungewöhnlichen Zeiten bleibt sie optimistisch. Ihr Terminkalender gibt ihr auch allen Grund dazu. Für die Zeit nach dem Lockdown ist er prall gefüllt mit Anprobeterminen, dann wieder ganz normal vor Ort in Borwede.
Martina Fischer hat die Erfahrung gemacht, dass die wenigsten Paare ihre Hochzeit aufgrund der aktuellen Einschränkungen komplett absagen. Eher würden sie den großen Tag verschieben oder im kleinen Rahmen feiern, dafür dann vielleicht an einem besonderen Ort. Die Brautausstatterin lächelt, während sie davon erzählt. „Es freut mich, dass die Hochzeitspaare weiter an die Liebe glauben und trotz der Pandemie heiraten wollen.“
Geheiratet wird trotzdem
Im vergangenen Jahr haben sich in Twistringen 46 Paare das Ja-Wort gegeben. Zum Vergleich: 2019, als man bei dem Wort Corona noch allenfalls an eine Biermarke gedacht hat, schlossen 51 Paare den Bund fürs Leben – also nur fünf Paare mehr. Aufgrund der Pandemie wurden 2020 laut Informationen des Twistringer Standesamtes vier Trauungen abgesagt. Zudem wurden fünf Eheschließungen vom Frühjahr oder Sommer in die zweite Jahreshälfte verlegt. Der beliebteste Trauort war der Garten Bellersen, dicht gefolgt vom Backhaus in der Hünenburg. ks
Kaufen Frauen denn auch für Hochzeiten im kleinen Rahmen ein richtiges Brautkleid? „Ja!“, sagt Martina Fischer ohne lange Überlegen zu müssen. „Viele sagen: Ich will trotzdem, oder vielleicht auch gerade deswegen, ein schönes Kleid.“ Corona könne den Brautpaaren unter Umständen die große Party mit vielen Gästen nehmen – aber nicht das Brautkleid. „Nach dem Lockdown könnte ich hier 24 Stunden an sieben Tage pro Woche arbeiten“, sagt die „Brautmacherin“ mit Blick auf die nach wie vor hohe Nachfrage.
Gut, dass sie Unterstützung hat. Martina Fischer hat ihre Boutique im November 2018 eröffnet. Anfangs war sie noch Einzelkämpferin, mittlerweile hat sie drei Mitarbeiterinnen. „Es ist so, wie ich es mir gewünscht habe. Wir sind ein super Team mit tollen Mädels“, schwärmt sie.
Zwischen Tüll und Tränen
„Die Brautmacherin“ hat sich inzwischen einen Namen gemacht. Die meisten Kunden kommen aus einem Einzugsbereich, der bis Hamburg reicht. Martina Fischer hat aber auch schon mehrere Bräute aus der Schweiz bei sich in Borwerde beraten. Bekannt ist die Boutique unter anderem durch die Sendung „Zwischen Tüll und Tränen“. Bei dieser begleitet der Fernsehsender Vox Bräuten bei der Suche nach ihrem Hochzeitskleid.
Für ihren Traum von der eigenen Boutique hat Martina Fischer einen sicheren Job im Öffentlichen Dienst gekündigt. Sie war Schulsekretärin. Dort hätte sie es in Zeiten von Corona womöglich leichter gehabt als in ihrem Geschäft, merkt sie an. „Aber ich bereue nichts. Auch nicht jetzt. Das, was ich hier tue, macht mich glücklich.“
Links:
Homepage: www.die-brautmacherin.com
Instagram: www.instagram.com/diebrautmacherin
Von Katharina Schmid