Übergriffe junger Neonazis: Täter und Opfer werden immer jünger

junge neonazis
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Die Springerstiefel sind zurück: Seit einigen Jahren formiert sich eine neue Generation junger Neonazis.

Rechtsextreme Gewalt: Beratungsstellen registrierten in Niedersachsen 2024 insgesamt 68 gewalttätige Angriffe. Verfassungsschutz schätzt 50.000 Rechtsextreme bundesweit.

Opfer und Täter von rechtsextremer Gewalt werden auch im Nordwesten Niedersachsens immer jünger. Rassismus ist erneut Hauptmotiv der Täter. Dies geht aus der Anfang Juni veröffentlichen Jahresstatistik der Betroffenenberatung Niedersachsen für 2024 hervor.

Beratungsstelle: 84 Betroffene rechter Gewalt in Niedersachsen – Keine Gewalttat im Kreis Diepholz

Insgesamt zählte die Beratungsstelle für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt 68 gewalttätige Angriffe und 84 direkt Betroffene. „Man muss allerdings von einer hohen Dunkelziffer ausgehen“, erklärt Anna Eschbaum, Sprecherin der Betroffenenberatung, im Gespräch mit der Mediengruppe Kreiszeitung. Im Landkreis Diepholz registrierte die Polizei im vergangenen Jahr 56 rechtsextrem motivierte Straftaten, wie Sprecher Thomas Gissing auf Anfrage erklärte. „Erfreulicherweise hatten wir kein rechts motiviertes Gewaltdelikt“, so Gissing. 2023 waren es noch zwei rechtsextrem motivierte Körperverletzungen. Insgesamt registrierte die Polizei 51 rechtsextrem motivierte Delikte. Auch bei der Betroffenenberatung hat sich 2024 aus dem Landkreis kein Opfer von Übergriffen gemeldet. Doch dem bundesweiten Trend der erstarkenden jungen extremen Rechten kann sich die Region nicht entziehen.

Bundesweite Statistik zu Rechtsextremismus

Bundesweit verzeichneten die Verfassungsschutzbehörden 2024 beinahe 20 Prozent mehr Rechtsextreme als 2023. Insgesamt seien mehr als 50 000 Rechtsextreme den Behörden bekannt, hieß es bei der Präsentation des Verfassungsschutzberichtes des Bundesamtes. Davon werden etwa 20 000 von der Behörde in der AfD verortet. Das Bundeskriminalamt verzeichnete 2024 mit 1 488 Delikten einen neuen Höchststand rechtsextremer Gewalt. Der Bundesverband der Beratungsstellen zählte 2024 4 861 Betroffene rechter Gewalt. Ein Anstieg um etwa 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Polizei: 56 rechtsextrem motivierte Straftaten im Landkreis Diepholz

Im Landkreis Diepholz bearbeitete die Polizei 27 sogenannte Propagandadelikte – etwa das Zeigen von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen. Den zweiten Schwerpunkt bilden 14 Verfahren wegen Volksverhetzung und Beleidigung. Die meisten seien „ausländer- oder fremdenfeindlich“ motiviert gewesen. Grundsätzlich sei zu beobachten, dass sich beide Deliktgruppen in Soziale Medien, etwa Chatgruppen, verlagerten, erklärt der Polizeisprecher. Die Mobile Rechtsextremismusberatung berichtet für das Jahr 2024 von Propaganda-Aktivitäten der Jugendorganisation der rechtsextremen NPD, die sich inzwischen „Die Heimat“ nennt: Im einschlägigen Netzwerk Telegram finden sich Kanäle, die spezifisch versuchen, Jugendliche aus dem Bremer Umland zu erreichen.

Beratungsstelle: Junge Menschen immer häufiger Opfer rechter Gewalt

Landesweit beobachtete die Betroffenenberatung eine Verlagerung rechtsextremer Gewalt in die Lebenswelten junger Menschen. So werden etwa Schulen und deren Umfeld häufiger zum Tatort. 21 Minderjährige suchten sich 2024 Hilfe bei Beratungsstellen. 24 der 68 landesweit verzeichneten Taten seien rassistisch motiviert gewesen. 17 richteten sich gegen politische Gegner der extremen Rechten. Sieben weitere Personen wurden demnach angegriffen, weil sie nicht rechts waren. 9 Angriffe richteten sich gegen geschlechtliche oder sexuelle Minderheiten, vier gegen Wohnungslose und sechs Angriffe waren, der Beratungsstelle zufolge antisemitisch motiviert. Dazu gehöre der Brandanschlag auf die Oldenburger Synagoge im April 2024.

Gissing und Eschbaum verweisen beide auf eine überregionale Entwicklung: eine neue Generation junger Neonazi-Gruppen, die sich in den vergangenen Jahren formiert hat. Konkret benennt Gissing die Gruppen „Deutsche Jugend voran“ oder „Jung und stark“. Im Landkreis seien diese bisher nicht im Erscheinung getreten. Der Staatsschutz geht allerdings davon aus, dass es einzelne Sympathisanten gibt. Die Betroffenenberatung verortet diese Gruppen im Süden Niedersachsens. Inzwischen ermittelt auch der Generalbundesanwalt gegen Angehörige dieser Szene.

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