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Fachkraft gefunden: Sie hat im Weyher Freibad alles im Blick
Dank einer neuen Fachangestellten für Bäderbetriebe gelten im Weyher Freibad wieder dieselben Zeiten wie vor Corona. Beim Besuch vor Ort erklärt sie, was der Beruf beinhaltet – und was sie daran besonders interessiert.
Weyhe – Das angekündigte Gewitter hat sich vom Mittag immer weiter in den Abend verschoben und bleibt schließlich ganz aus. So herrschen niederschlagsfreie 25 Grad, also bestes Badewetter. Trotzdem ist es in und an den Becken des Weyher Freibads bei Weitem nicht so voll wie in der Gluthitze der vergangenen Woche. Badegäste orientieren sich an der Wettervorhersage.
So sind es rund 800 Besucher – und nicht wie in der Vorwoche 2000 –, die für die freibadtypische Geräuschkulisse aus fröhlichem Geschrei und platschendem Wasser verantwortlich sind.
Wenn ein Kind vermisst wird, muss es schnell gehen
Sie muss mal eben eine Durchsage machen, sagt Anna Mesch und geht zum blau-weißen Aussichtshäuschen: Ein Junge hat seine Eltern verloren und soll sich am Eingang melden. Plötzlich verstummt die Geräuschkulisse und 800 Augen- und Ohrenpaare sind auf die Lautsprecher gerichtet. An diese Aufmerksamkeit musste sich erst gewöhnen, sagt die Fachangestellte für Bäderbetriebe. „Aber das geht schnell. Wenn ein Kind vermisst wird, denkst du gar nicht darüber nach, dann muss es schnell gehen.“
Seit dem 11. Juli komplettiert die Sulingerin das Team des Weyher Freibads. Dort hat man auf darauf gewartet, dass sie die Ausbildung mit ihrer Abschlussprüfung beendet. Aus der Ausbildung nahtlos in die erste Festanstellung. „Das ist in diesem Beruf ja nicht schwer“, stellt die 20-Jährige fest.
Die Fachangestellten heißen nur umgangssprachlich Bademeister
Landauf, landab fehlen den Bäderbetrieben die Fachangestellten, die nur umgangssprachlich Bademeister heißen. Der Fachkräftemangel sei aktueller denn je, warnte etwa der Präsident des Bundesverbands Deutscher Schwimmmeister im April. Die Folge: Bäder reduzieren ihre Öffnungszeiten.
Das war zum Beginn der Saison auch in Weyhe der Fall. „Ziel ist eine Rückkehr zum Schwimmen wie ,vor Corona‘“, hatte die Gemeinde mit Blick auf die Öffnungszeiten seinerzeit erklärt. Dieses Ziel hat sie nach dem Dienstantritt von Anna Mesch vor drei Wochen erreicht.
Fachangestellte für Bäderbetriebe sind mitunter Saisonarbeitskräfte
Es gibt offensichtlich weniger Fachangestellte für Bäderbetriebe als benötigt werden. Bei der Frage nach den Gründen verweist Schwimm-Meister Markus Kuske, der das Weyher Bad leitet, zunächst auf die Corona-Zeit, die in seiner Branche in den vergangenen zweieinhalb Jahren starke Einschränkungen mit sich gebracht hat.
Teils beschäftigen Bäder, auch kommunale Einrichtungen, ihre Fachangestellten sozusagen als Saisonarbeitskräfte. Das ist in Weyhe nicht der Fall. „Wir sind ganzjährig beschäftigt“, sagt Kuske. Und aus Bremen ist gerade zu hören, dass Bäder private Sicherheitsdienste einsetzen wollen, weil es immer wieder Ärger gegeben hat. Da sei man in Weyhe glücklicherweise davongekommen, so Kuske: „Toitoitoi.“
Arbeite, wo andere den Sommer genießen
Sie arbeiten, wo andere zwar nicht unbedingt Urlaub machen, aber zumindest den Sommer genießen. Für die Fachangestellten heißt das umgekehrt, dass sie in der Haupturlaubszeit nicht wegfahren können. Anna Mesch nennt bei der Frage danach, warum ihr Beruf nicht beliebter ist, die Arbeitszeiten mit Schichtarbeit und Wochenend-Diensten.
Zwischen den vier Außenbecken hat sie sich positioniert, um möglichst viel Schwimmbad auf einmal im Blick zu haben. Am Becken rechts von ihr sind zwei von fünf Sprungtürmen geöffnet, wo sich zwischendurch kurze Schlangen bilden. Ob sie auch den „Wackel-Einer“ aufmachen kann, fragen die Jugendlichen – was Mesch verneint. Sie meinen das flexible Ein-Meter-Brett im Gegensatz zum „Beton-Einer“, wie sie erklärt.
Ich bin ein Technik-Mensch.
Bisher habe sie noch niemanden aus dem Wasser retten müssen. „Aber man ist immer bereit.“ Rettungsschwimmer und Fachangestellter für Bäderbetriebe, sind allerdings nicht dasselbe. Ihren Rettungsschwimmer hat sie nebenher gemacht, „weil das sinnvoll ist“. Die Abschlussprüfung in der Ausbildung sei aber „einen Tick anspruchsvoller“ gewesen.
Außerdem kümmern sich die Fachangestellten täglich, im Sommer früh morgens, um das Wasser und dessen Qualität. Dieser Bereich hat Anna Mesch an ihrem Ausbildungsberuf besonders interessiert: „Ich bin ein Technik-Mensch.“ Sich um die Pumpen und Filter-Anlagen zu kümmern, „finde ich super-interessant“. Daneben sind die Bad-Angestellten auch Animateure. Und Schwimmlehrer: Zwischendurch fragt eine Mutter für ihre Tochter, ob Anna Mesch die Tauch-Prüfung abnehmen kann, die als einzige noch fürs Seepferdchen fehlt. – Sie kann.